Raiba-Weihnachten

Landkreis stellt Integreat-App vor

Integration per Smartphone

Mohamad nimmt das Angebot der Integreat-App genauer unter die Lupe | Foto: Walter2017/11/Lauf-Integreat-Gefluechteter.jpg

LAUF/FEUCHT – Landrat Armin Kroder hat zusammen mit Unterstützern und Entwicklern die neue Integreat-App im Landratsamt Lauf präsentiert. Kroder ist sich sicher, dass Integration nicht nach der Begrüßung abgeschlossen ist: „Integration ist kein 100 Meterlauf, sondern ein Marathon“, sagte der Landrat. Ziel der App ist, relevante Informationen, beispielsweise zu Sprachkursen und dem Asylverfahren, möglichst einfach und aktuell in den verschiedenen Sprachen zu Verfügung zu stellen.

Die vom gemeinnützigen Augsburger Unternehmen Tür-an-Tür entwickelte App bietet Informationen zum Asylverfahren, Beratungsstellen, wie die Traumatahilfe und Familienberatung, Angebote für Sprachkurse sowie nützliches Wissen über Beruf, Studium und Schule. Auch zu finden sind wichtige Telefonnummern, wie die der Polizei oder die des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Der Offline-Modus der App sorgt dafür, dass Nutzer des Programms auch ohne mobile Internetverbindung Zugang zu den Inhalten haben. Das erleichtert vor allem Behördengänge oder Beratungsgespräche. Das gesamte Angebot bezieht sich auf das Nürnberger Land und ist aktuell in vier verschiedenen Sprachen verfügbar: Englisch, Arabisch, Farsi und Deutch.

Beginn in Augsburg

Tür-an-Tür entwickelte erstmals 2015 den mobilen Alltagshelfer für die Stadt Augsburg. Da der Bedarf nach einfachen Informationsquellen für Geflüchtete nicht nur in Augsburg sehr groß ist, weckte die App das Interesse anderer Landkreise. So ist das Nürnberger Land bereits der 29. Anbieter dieser App. Da andere Hilfsangebote wie Flyer und Broschüren nur schwer aktuell zu halten sind, sieht der Kreis Nürnberger Land in dem mobilen Alltagsguide eine effektive Methode um Menschen bei der Integration zu unterstützen. Das größte Hindernis bei der Entwicklung der Inhalte war die Übersetzung in die komplexen Fremdsprachen, weshalb teilweise auf bereits übersetzte Inhalte anderer Landkreise zurückgegriffen wurde.

Nicht nur für Flüchtlinge

Zielgruppe der App sind in erster Linie hier lebende Flüchtlinge aber nicht ausschließlich: „Auch Menschen mit Sprachproblemen die schon länger in Deutschland leben wollen wir mit der neuen App unterstützen“, betonte Kroder. Die von Studenten ins Leben gerufene Tür-an-Tür ist eine gemeinützige GmbH (gGmbH), mit knapp 40 Mitarbeitern. Antrieb der engagierten Entwickler ist die Unterstützung beim schnellen und einfachen Fußfassen der Geflüchteten. „Integreat ist keine Ankunfts-App, sondern eine Hilfs-App“, betont Martin Schwarzott, der ehrenamtliche Presse- und Öffentlichkeitsbeauftragte von Tür-an-Tür.

Kroder wünscht sich für die Zukunft, dass das Programm auch konkrete Stellen- und Wohnungsangebote aufzeigt. Unterstützt wird das Projekt vom Freiwilligenzentrum Win-Win, dem Bündnis für Familie und der Sparkasse Nürnberg. Zu finden ist Integreat seit ab sofort in den Appstores von Apple und Android sowie als Webversion.

Ottfried Bürger, Katja Britting, Annette Zimmermann, Solveig Grunow, Armin Kroder, Martin Schwarzott und Bernd Hölzel geben den Startschuss für die neue Flüchtlings-App (von links). | Foto: Walter2017/11/Lauf-Integreat-App.jpg

Ob und wie andere potenzielle Nutzer Integreat annehmen, wird sich zeigen. Landrat Kroder ist jedenfalls zuversichtlich und will mit der Unterstützung von Flüchtlingen und Ehrenamtlichen die App weiter verbessern, weitere Sprachen in das Programm einbeziehen und die Basics, die Integreat jetzt anbietet mit einer große Auswahl nützlicher Informationen ergänzen.

„Kann jedem helfen“

Was die App in der Praxis taugt, zeigt ein Besuch in einem Feuchter Flüchtlingsheim. Der erste Tester entdeckt gleich zwei Probleme: Noch vor der Sprachauswahl muss der Ort ausgewählt werden, da diese Auswahl nur auf Deutsch möglich ist, ist hier die erste Hürde. Dann stellt der kurdische Tester fest, dass seine Sprache gar nicht verfügbar ist und die App für ihn kaum zu gebrauchen ist. Also sucht er einen arabischen Mitbewohner, um die App in dessen Muttersprache zu testen.

Der junge Sabah Mohamad kommt dazu und beginnt interessiert durch die einzelnen Angebote zu stöbern. „Die App werde ich mir sicher auch herunterladen“, sagt der Syrer entschlossen, nachdem er das Programm genauer betrachtet hat, „ich denke sie kann jedem Flüchtling in der Umgebung helfen“. Die Geflüchteten finden es sehr nützlich, dass die verschiedenen Informationen kompakt und auch offline in einer einzelnen App verfügbar sind. Nachdem der Syrer die App auf Herz und Nieren prüfte, notierte er gleich den Namen der App an eine große Pinnwand im Treppenhaus, sodass sich alle Mitbewohner die App direkt installieren können.

Robin Walter

N-Land Der Bote
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