220 kV-Leitungen sollen auf 380 kV hochgerüstet werden

Widerstand gegen Aufrüstung der Stromtrassen

Stromtrasse bei Weißenbrunn: Hier haben Aktivisten den Verlauf mit gelb-rot gestrichenen Andreas-Kreuzen markiert. Die Aktion soll auf den gesamten Landkreis ausgeweitet werden. Foto: BlintenLudersheim ist ein Netzknotenpunkt, an dem mehrere Trassen zusammentreffen. | Foto: KF2018/02/Stromtrassen1.jpg

ALTDORF/LEINBURG – In Sachen Stromtrassen ist im Nürnberger Land seit geraumer Zeit Ruhe eingekehrt. Die P 44 mod, wie eine der Trassen heißt, die den Landkreis von Norden kommend durchschneidet, sollte eigentlich vom Tisch sein. Das hatte MdL Norbert Dünkel im vergangenen Jahr zunächst versichert. Zwischenzeitlich ist sie aber in den aktuellen Netzentwicklungsplan aufgenommen, ebenso wie die aus dem Westen über Schwarzenbruck und Winkelhaid nach Ludersheim und von dort nach Süden über Ezelsdorf verlaufende Trasse P 53 (wir berichteten). Von 220 auf 380 Kilo-Volt wollen Netzbetreiber die Wechselstrom-Leitungen aufrüsten.

Die hiesigen Bürgerinitiativen gegen die Vorhaben warnen nun davor, im Widerstand nachzulassen und verweisen auf die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Bamberg, Kronach, Hof und Forchheim, wo sich Bürgermeister Seite an Seite mit BIs gegen die Stromtrasse P 44 mod wehren.

Das ist ein Signal für den Bundestag, der beim Netzausbau das letzte Wort hat. Bis spätestens 2019 müssen die Abgeordneten die Novellierung des Bundesbedarfsplangesetzes beschließen. Dann wird sich zeigen, welche Stromtrassen im Netzentwicklungsplan realisiert werden.

„Schützenswerte Landschaft“

Die Streckenführung der durch die hiesige Metropolregion führenden Trasse P 44 mod ist eine Alternative zur P 44, die in der Kritik steht, weil sie in „schützenswerte und unberührte Kultur- und Erholungslandschaften“ in den Landkreisen Schweinfurt und Hassberge eingreift. So sieht das jedenfalls die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) – sicher auch mit Blick auf den heftigen Widerstand in ihrem Wahlkreis, insbesondere in der Schweinfurter Gegend, rings um Grafenrheinfeld und um Hassfurt.

„Die Alternativvorschläge zu den beiden notwendigen Trassen P 43 und P 44 wurden entwickelt, um den Netzknotenpunkt am ehemaligen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld zu entlasten“, erläutert dann auch Olaf Peter Eul von der Bundesnetzagentur. Dort nimmt man die lauten Grafenrheinfelder Proteste sehr genau wahr, kommen doch am Knotenpunkt des ehemaligen Atomkraftwerks gleich mehrere Trassen zusammen.

Ablehnung im Nürnberger Land

Für die P 44 mod gibt es dabei vier Varianten. Drei durchschneiden den Landkreis Nürnberger Land, immer mit Ludersheim als Knotenpunkt. Im Gegensatz zur P 44 folgen die P 44 mod Trassenvarianten über weite Strecken bestehenden Trassenverläufen und sind so im Netzentwicklungsplan 2030 aufgenommen. Den lehnen im Nürnberger Land unter anderem Schnaittach, Leinburg und die Stadt Altdorf ab. Er verstoße gegen demokratische Grundrechte, hat Bürgermeister Erich Odörfer der Bundesnetzagentur in einer Stellungnahme geschrieben und gleichzeitig einen sofortigen Planungsstopp gefordert.

Das ist den hiesigen Bürgerinitiativen allerdings zu wenig. „Dringend nötig ist ein öffentliches politisches Zeichen gegen einen P 44 mod Endpunkt Ludersheim“, sagt BI-Sprecherin Dörte Hamann und beklagt das Informationsdefizit in weiten Teilen der Öffentlichkeit.

400 Meter Mindestabstand

Planungsrechtlich schon weiter fortgeschritten ist die Trasse P 53, die von Raithersaich im Landkreis Ansbach über den Knoten Ludersheim südlich weiter nach Altheim in Niederbayern führt. Streckenweise verläuft diese Trasse quer durch Ortschaften wie etwa in Winkelhaid, Ezelsdorf oder Postbauer-Heng.

Im neuen Landesentwicklungsplan allerdings hat der zuständige Minister Markus Söder einen Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung verankern lassen. In den betroffenen Ortschaften geht man deshalb davon aus, dass die Stromleitungen aus den Dörfern herausgenommen werden. Aber auch hier warnen die Bürgerinitiativen eindringlich: Die entsprechende Klausel im Landesentwicklungsplan sei lediglich eine Kann-Bestimmung.

Ein Zeichen wollen Bürgerinitiativen nun gemeinsam mit der Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann und Landrat Armin Kroder setzen. Für heute haben sie Landräte und Bürgermeister, deren Landkreise und Kommunen von der geplanten Stromtrasse betroffen sind, nach Ludersheim eingeladen. Die Kommunalpolitiker werden dort eine Resolution gegen die Trassen unterschreiben. Das soll das politische Signal für die Region sein, auf das die hiesigen Bügerinitiativen schon lange warten.

Anders als ursprünglich geplant, hat sich der Bundestag noch nicht mit dem zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans befasst. „Solange wir keine neue Bundesregierung haben, beziehungsweise solange wir aufgrund der SPD keine neue Regierung bilden können, wird nichts entschieden“, betont die CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler.

„Schon wegen der Länge ist die Stromleitung durch unseren Landkreis abzulehnen“, ergänzt die Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion im Kreistag des Nürnberger Lands, Cornelia Trinkl und folgt damit der Linie der Bayerischen Staatsregierung, die sich in der Vergangenheit mehrfach sowohl gegen die P 44 als auch die Varianten mit Endpunkt Ludersheim (P 44 mod) ausgesprochen hat. Im Jahr 2030 müssten die neuen Trassen nach dem aktuellen Netzentwicklungsplan fertig sein.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten