Sparkassen-Ausschüttung

„Das Geld gehört in die Kommunen“

5,8 Millionen Euro hat die Sparkasse 2018 an die Mitglieder ihres Zweckverbands verteilt. 2020, mitten in der Coronakrise, gehen diese leer aus – zumindest vorerst. In Röthenbach sorgt das für Unmut. | Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2020/07/dddd.jpg

NÜRNBERGER LAND — Mit 115.000 Euro weniger im Stadtsäckel rechnet Röthenbach, weil die Sparkasse Nürnberg derzeit auf eine Gewinnausschüttung verzichtet. Dabei könnte die klamme Kommune das Geld dringend brauchen. Durch die Corona­krise droht ihr eine Lücke von bis zu 1,6 Millionen Euro im Haushalt. Aber auch Nürnberg, Hersbruck, Lauf, Schnaittach und der Kreis Nürnberger Land als Träger der Sparkasse gehen vorerst leer aus, Krise hin oder her.

Es geht dabei um große Summen. 2018 etwa verteilte das Geldinstitut 5,8 Millionen Euro – bei einem Jahresüberschuss von 20,7 Millionen Euro. Die Dividende wird erst seit 2010 ausgezahlt. Den Löwenanteil – rund drei Viertel – erhält Nürnberg, das 2001 bei der Fusion von Kreis- und Stadtsparkasse deutlich mehr in die „Ehe“ einbrachte. In Röthenbach und Schnaittach landen 2,6, in Lauf und Hersbruck je 4,55 Prozent. 2018 waren das immerhin noch rund 260.000 Euro.

„Das Geld gehört in die Kommunen“, findet der Röthenbacher Bürgermeister, der wie seine Amtskollegen aus Lauf, Hersbruck und Schnaittach im Verwaltungsrat der Sparkasse sitzt. Er sei bei der entscheidenden Sitzung „vehement dagegen gewesen“, auf die Ausschüttung zu verzichten, verkündete er Anfang der Woche im Stadtrat. Dabei bemühte der FW-Politiker sogar den Ökonomen John Maynard Keynes. „Gerade in schlechten Zeiten muss man doch investieren“, so Hacker.

Sparkasse will Reserve habe

Ganz so einfach ist es nicht, glaubt man Beate Treffkorn, der Leiterin der Unternehmenskommunikation der Sparkasse. Der Verwaltungsrat sei nur den Empfehlungen der Finanz­aufsicht Bafin gefolgt, sagt sie.
Tatsächlich riet die Bafin bereits Ende März, die Ausschüttung von Dividenden, Gewinnen und Boni „sorgfältig abzuwägen“. Noch deutlicher drückte sich kurz darauf die Europäische Zentralbank (EZB) aus: „Mindestens bis zum 1. Oktober“ sollten Geldinstitute keine Dividenden für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 auszahlen. „Und die EZB behält sich vor, das zu verlängern“, so Treffkorn.

Mit dem Verzicht auf die Ausschüttung will die Sparkasse ihr zufolge Eigenkapital für die Kreditvergabe vorhalten, „und Kredite können ja auch ausfallen“. Mit der Reserve sei man besser auf solche Fälle vorbereitet.
Immerhin: Im Herbst soll der Verwaltungsrat noch einmal über das Thema beraten.

Die Ausschüttungspolitik ist seit Jahren umstritten. Der bundesweit aktive Sparkassenkritiker Rainer Gottwald hat dem Geldinstitut wiederholt vorgeworfen, zu wenig an die Kommunen zu verteilen (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

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