Berufliche Inklusion bei der Lebenshilfe kommt gut voran

Es gibt immer mehr „mutige“ Unternehmer

Franca Brandmüller und Kerstin Tichatschke (Integrationsbegleitung der Lebenshilfe Nürnberger Land) sowie Lidija Onofrasch mit ihrem neuen Chef Wolfgang Geiger, Baumschule Geiger (v.l.)2015/08/3_AAP_Baumschule_Geiger_Lidija_Onofrasch_5_.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Die Arbeit hier macht mir großen Spaß und die Kollegen sind super“, erzählt Corin Winter – seine Augen leuchten beim Erzählen. Seit April absolviert der Mittzwanziger ein Praktikum im Hersbrucker Biomarkt. Er unterstützt das Fachmarkt-Team bei der Warenpflege; sortiert diese beispielsweise in die Regale, überprüft regelmäßig Produkte auf Haltbarkeit und sorgt mit großer Gewissenhaftigkeit für Ordnung und Sauberkeit im Markt. „Sogar das elektronische Warenlistungsgerät durfte ich schon bedienen“, berichtet Corin Winter stolz, dem auch der Umgang mit Laptop und Smartphone leichtfällt. Was auf den ersten Blick „normal“ scheint, ist für den aufgeschlossenen Praktikanten mit Handicap etwas Besonderes.

Corin Winter arbeitete bisher bei der Lebenshilfe Nürnberger Land in der Schreinerei der Moritzberg-Werkstätten, absolvierte verschiedene Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt. Der selbstständige und ehrgeizige junge Mann, der gleich gegenüber des Biomarkts in einer Wohngemeinschaft der Lebenshilfe lebt, möchte gerne beruflich außerhalb der Werkstätten durchstarten.

Er will dazulernen, sich fortbilden und sich im „normalen“ Alltag behaupten. Dass er nach seinem Praktikum – voraussichtlich ab Herbst – eine Arbeitsstelle, einen so genannten Außenarbeitsplatz, im Biomarkt Hersbruck in Aussicht hat, spornt ihn weiter an: „Ich kenne bereits unser Sortiment und unterstütze meine Kollegen sehr gern.“

Marktleiterin Sofie-Kristin Adelagun und die Belegschaft des Biomarkts loben Corin Winters aufgeschlossene, höfliche Art und seinen Fleiß. Auch Kerstin Tichatschke, Integrationsbegleiterin in den Moritzberg-Werkstätten, die Corin Winter und das Biomarkt-Team regelmäßig besucht, freut sich über die stetige Entwicklung.

Inklusion : Es braucht mehr mutige Unternehmer

Für Franca Brandmüller, die bei der Lebenshilfe Nürnberger Land die berufliche Inklusion der Werkstattmitarbeiter verantwortet, ist die Entwicklung erfreulich: „18 Beschäftigte mit Behinderung absolvierten im vergangen Jahr erfolgreich ein Praktikum in Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes – eine fast fünfzigprozentige Steigerung zum Vorjahr. 13 der Praktikanten haben den Sprung in ein so genanntes Außenarbeitsplatzverhältnis geschafft.“  

Dennoch braucht es noch mehr mutige Unternehmen, wie die Biomärkte Hersbruck und Lauf. Schon vor fünf Jahren begann die erfolgreiche Kooperation mit dem Biomarkt.

Die Laufer Unternehmerin Erika Vogel zeigte Mut und stellte Christine Oehm aus den Moritzberg-Werkstätten als hauswirtschaftliche Helferin ein. Damals wurde Erika Vogel über erste Presseberichte rund um das Thema „Patenbetrieb, Kooperationen mit Werkstätten und Außenarbeitsplätze“ aufmerksam: „Ich konnte mir gut vorstellen, bei uns im Bioladen auch einen integrativen Arbeitsplatz zu schaffen.“

Nach ausführlichen Gesprächen und einer Arbeitsplatz- und Kompetenzanlayse, stellte Christine Oehm ihre Fähigkeiten in einem Praktikum unter Beweis. Jetzt bekommt auch Corin Winter eine Chance im Biomarkt Hersbruck, der Zweigstelle des Laufer Unternehmens.

Gelungenes Beispiel für Inklusion

Franca Brandmüller sieht darin ein gelungenes Beispiel zur Inklusion von Menschen mit Handicap und hofft auf viele Nachahmer. Und solche gibt es im Landkreis Nürnberger Land immer mehr. Dieser Tage unterschrieb auch Lidija Onofrasch ihren Außenarbeitsplatzvertrag bei der Baumschule Geiger, Hersbruck.

Gartenbau-Erfahrung brachte Lidija Onofrasch aus dem GaLa-Bereich der Moritzberg-Werkstätten mit. Gelobt wurde die Frau mit Unterstützungsbedarf  von Geschäftsführer und Gartenbaumeister Wolfgang Geiger: „Lidija unterstützt unser Team wirklich toll. Sie sieht die Arbeit und packt überall an. Auch Rosenpflege gehört neben ihren Hauptaufgaben wie Stellflächen säubern, Gießen, Auskrauten oder Durchharken dazu.“  

Glückslos gezogen

Auch Kerstin Schömer bekundet, dass sie das Glückslos gezogen habe. Sie unterstützt die Mitarbeiter der Mittagsbetreuung der Grundschule in Altdorf  in der Hauswirtschaft. Im Kollegenkreis als auch bei den Schülern ist die Frau mit Assistenzbedarf beliebt.

„Ich bin einfach glücklich und motiviert, freue mich jeden Tag auf meine Arbeit und möchte gern immer hier arbeiten.“ 

N-Land Sabine Schreier
Sabine Schreier