Zentrum kostet 70 Millionen Euro

Polizei trainiert ab 2023 in Schwaig

Das Grundstück (im Hintergrund), auf dem die Polizei bis 2023 bauen will, liegt am Kreisverkehr beim Schwaiger Einkaufszentrum. | Foto: Brinek2018/06/polizeiubungsgelande-schwaig-schiessplatz.jpg

SCHWAIG — Gerüchte kursierten schon lange, aber nun ist es amtlich: In Schwaig wird das Einsatztrainingszentrum der mittelfränkischen Polizei gebaut. Rund 70 Millionen Euro will der Freistaat dafür investieren.

Das bisher dezentral durchgeführte Einsatztraining des Polizeipräsidiums Mittelfranken soll zukünftig an einem zentralen Ort stattfinden. Auf dem vorhandenen staatlichen Grundstück mit rund 45 000 Quadratmetern gegenüber dem Einkaufszentrum an der Alten Diepersdorfer Straße soll der Neubau mit rund 12 000 Quadratmeter Nutzfläche errichtet werden. Voraussichtlich ab 2023 sollen sich dort jährlich rund 3000 Polizisten auf den Ernstfall vorbereiten.

Es gibt bereits solche oder ähnliche Ausbildungszentren in Bayern, jedoch bisher keines in Mittelfranken und keines mit einer offenen Schießbahn. Deshalb ist das Projekt in Schwaig nach den Worten der Polizei kein alltägliches Bauvorhaben und ein Novum.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend stellten die Polizei und das Staatliche Bauamt Nürnberg die vorgesehene Baumaßnahme vor. Regierungsdirektor Gernot Rochholz, Leiter der Abteilung Versorgung, berichtete, dass Schwaig unter mehreren Standorten deshalb ausgewählt wurde, weil es verkehrsgünstig liege und ein staatliches Grundstück in entsprechender Größe mit geeigneter Zufahrt vorhanden sei.

Üben für den Terror-Ernstfall

Im Einsatztrainingszentrum sollen voraussichtlich 30 bis 40 Beamte pro Tag von etwa 30 fest angestellten Kräften geschult werden. Nachdem sich die Bandbreite der polizeilichen Einsätze extrem verändert habe, so Rochholz, müssten die Beamten das Verhalten in neuartigen Situationen trainieren. Neben Standardeinsätzen wie Streitigkeiten, Ruhestörungen, Verkehrskontrollen bis hin zu Banküberfällen müssten sie auch auf Amokläufe oder Terror­akte vorbereitet sein.

Die vorgesehene Baumaßnahme unterscheidet sich von vorhandenen Anlagen. In der Vergangenheit wurden meist nur Raumschießanlagen zum Training mit der Dienstpistole gebaut. Der Umgang mit Terror und Terroristen fordere nach den Worten von Polizeivizepräsident Roman Fertinger eine offene Schießanlage, um den Umgang mit Langwaffen trainieren zu können, also mit Maschinenpistolen und automatischen Gewehren. Deshalb sind in Schwaig neben gängigen Verwaltungs-, Lehrsaal- und Unterkunftsbauten auch zwei offene Schießbahnen mit je 100 Meter Länge vorgesehen.

Diese sollen nach den Worten der Verantwortlichen so schallisoliert werden, dass „keine unzumutbare Lärmbelästigung“ für die Bevölkerung entstehen werde. Einige Gemeinderäte hatten Bedenken wegen möglicher Lärm­entwicklung angemeldet.

Die Polizei geht davon aus, dass das vorhandene Gelände wahrscheinlich nicht vollständig für die Anlage benötigt wird. Schwaigs Bürgermeisterin Ruth Thurner kann darauf hoffen, dass die Gemeinde die Restfläche nutzen darf. Schwaig hat akuten Flächenbedarf.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek