Geplante Schießanlage

Polizei-Pläne: Schwaiger fürchten Schießlärm

Nein zur Schießanalage in Schwaig fordert eine Gruppe von Anwohnern (rechts Werner Schrodberger, daneben Irmgard Dorner)
Nein zur Schießanalage in Schwaig fordert eine Gruppe von Anwohnern (rechts Werner Schrodberger, daneben Irmgard Dorner) | Foto: A. Sichelstiel2019/09/schiessanlage-schwaig-burgerinitiative.jpg

SCHWAIG – Polizisten aus ganz Mittelfranken sollen künftig in Schwaig für den Einsatz üben. Der Freistaat plant an der Diepersdorfer Straße ein Trainingszentrum mit Außenschießanlagen. Doch jetzt regt sich dagegen Widerstand. Anwohner fürchten Lärm und Feinstaub – und sie fühlen sich obendrein schlecht informiert.

„Wir glauben, dass Fakten geschaffen werden, die den Verlust von Lebensqualität bedeuten“, sagt Werner Schrodberger, einer der Kritiker, die unter dem Slogan „Kein Schießlärm in Schwaig“ derzeit Unterstützer mobilisieren. Er hofft, dass möglichst viele morgen zu einer Infoveranstaltung der Gemeinde in die Südschule kommen. Dort soll unter anderem ein vom Freistaat in Auftrat gegebenes Lärmgutachten vorgestellt werden.

Noch wenig Einzelheiten

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Viele Einzelheiten sind über die Pläne auf dem rund sechs Fußballfelder großen Grundstück im Schwaiger Süden noch nicht bekannt, und das Polizeipräsidium will vor der abendlichen Veranstaltung keine Auskünfte zu dem Thema geben, wie Sprecher Robert Sandmann mitteilt. Doch aus Antworten des Innenministeriums auf Anfragen von Grünen- und SPD-Landtags­abgeordneten geht hervor, dass „Außen- und Raumschießanlagen“ ebenso vorgesehen sind wie „Indoor- und Outdoortrainingsbereiche“. Das Gelände soll „an allen Wochentagen mit Ausnahme der Nachtzeit und in reduzierter Form auch an Wochenenden“ genutzt werden.

Training für den Terrorfall

Die Polizei selbst stellte das Vorhaben im Sommer 2018 im Schwaiger Gemeinderat mit folgender Begründung vor: „Neuartige Bedrohungslagen“ wie terroristische Anschläge oder Amok­läufe erforderten das Training mit Langwaffen, also Maschinenpistolen und Gewehren. Vorgesehen sei, so Polizeidirektor Gernot Rochholz zu den Räten, täglich 30 bis 40 Beamte der mittelfränkischen Polizei sowie des Landeskriminalamts zu schulen. Auch von bis zu 70 Millionen Euro Gesamtkosten für das Bauvorhaben war damals wohl die Rede. Bestätigen wollte das Präsidium diese Zahlen vergangene Woche nicht, es verwies auf den Infoabend.
Die Anwohner haben von all dem nach eigener Aussage aus der Zeitung erfahren. „Ganz schlecht“ bis „nicht vorhanden“: Das ist ihr Urteil über die bisherige Informationspolitik von Gemeinde und Polizei. Ihre Hauptbefürchtung ist Schießlärm, und zwar im schlimmsten Fall von 6 bis 22 Uhr. Das Ministerium schließt in seinen bisherigen Stellungnahmen nur Übungen zur Nachtzeit aus.

Werner Schrodberger – Das Anliegen der Anwohner und Wünsche an die Stadt Schwaig

Schwaig, sagt Schrodberger, liege an der Autobahn und obendrein in der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens. Damit könne er leben. Doch wenn nun auch noch Schüsse dazukämen, potenziere sich der Lärm. Mit dem relativ konstanten Geräuschpegel der A 3, einem in weiten Teilen Schwaigs durchgängig zu hörenden Rauschen, seien die zu erwartenden Emissionen ohnehin nicht zu vergleichen. „Ein Schuss wirkt wie ein Schock“, meint Irmgard Dorner, eine Mitstreiterin.

Sorgen macht sich die Anwohnergruppe dabei vor allem um die Kinder, die eine Krippe und eine Kindertagesstätte nicht weit von dem geplanten Trainingszentrum besuchen. Die BRK-Kinderkrippe, untergebracht im Einkaufszentrum an der Diepersdorfer Straße, liegt nur rund 300 Meter entfernt. Das weiter entfernte „Haus für Kinder“ am Hasn­buckl ist immerhin durch ein Waldstück abgeschirmt.

Bürgermeisterin ist skeptisch

Die Schwaiger Bürgermeisterin Ruth Thurner ist den Plänen für eine offene Schießanlage gegenüber auch „mehr als skeptisch“. Vertreter des Gemeinderats haben sich auf dem Gelände der Bundeswehr in Roth einen Eindruck vom Lärmpegel verschafft, der von einer solchen Anlage ausgeht. Thurner: „Das war ganz schön laut.“ Sie könne die Bürger verstehen. Diese würden „so informiert, wie wir es können“.

Weil das 45 000-Quadratmeter-Grundstück an der Diepersdorfer Straße, das im Außenbereich liegt, dem Freistaat gehört und dieser zugleich Bauherr sein wird, befürchtet die Gemeinde, kaum mehr Einfluss nehmen zu können. Sie hat bereits einen Anwalt beauftragt, ihren rechtlichen Spielraum auszuloten. Man wolle einen Bebauungsplan aufstellen, so Thurner. Auch der Jurist wird bei der Infoveranstaltung zu Gast sein, bei der auch Fragen aus dem Publikum beantwortet werden.

Ob es eine Einhausung für die Schießanlagen geben werde, fragte die Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan die Staatsregierung im April. Die „abschließende Entscheidung“, so das Innenministerium, soll fallen, wenn das Lärmgutachten vorliegt sowie das Ergebnis einer Prüfung, ob geschützte Tierarten betroffen sind. Die Anwohner indes kritisieren: „Man erfährt etwas erst, wenn es beschlossene Sache ist.“

Infoveranstaltung

Am Mittwoch, 11. September, informieren die Gemeinde Schwaig und das Polizeipräsidium Mittelfranken um 18.30 Uhr in der Aula der Südschule (Oberer Röthelweg 3) über das geplante Einsatztrainingszentrum.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel