Schwierige Wohnungssuche

Flüchtlinge finden kein Zuhause

Asma‘a Abd Alkader und ihr Mann Yaser wünschen sich für ihre vier Kinder und Baby Nummer fünf, das im September zur Welt kommt, ein Zuhause in Behringersdorf oder Schwaig. | Foto: Privat2016/08/Asmaa-und-Yaser-fluchtlinge-schwaig.jpg

BEHRINGERSDORF — Bezahlbarer Wohnraum ist rar und teuer. Vor allem für kinderreiche Familien kann die Wohnungssuche da zu einer wahren Herkules­aufgabe werden. Da gibt es Nachbarn, die keine lärmenden Kinder wünschen, oder Vermieter, die keine herumtollenden Kinder in ihrem Eigentum wollen. Was jede Familie zum Verzweifeln bringen kann, ist für anerkannte Asylbewerber oft noch schwieriger. Zwei Familien aus Behringersdorf berichten …

„Mit vier Kindern eine Wohnung zu finden ist an sich schon schwierig. Die Wohnungen sind entweder zu klein für sechs Personen oder zu teuer“, weiß Maryam Sayyah aus eigener Erfahrung. „Wenn man dann noch Flüchtling ist, sinken die Chancen nochmals.“ Die Syrerin floh mit ihrem Mann Aiman und den vier Kindern vor eineinhalb Jahren aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Damaskus. Seit einem Jahr ist die Familie nun in Deutschland, vor sechs Monaten kam ihre Anerkennung als Flüchtlinge und damit auch die Möglichkeit, sich eine Wohnung zu suchen. Bisher aber erfolglos.

Noch leben die Eltern mit den vier Kindern in zwei Zimmern in einer Behringersdorfer Asylunterkunft. Etwa 30 Flüchtlinge teilen sich dort drei Duschen auf den Fluren, wenig für die Anzahl an Personen, aber reichlich Stoff für Konflikte. „Es ist natürlich schwierig, alles so sauber zu halten, wie wir es gerne hätten“, seufzt Maryam. „Wir tun unser Bestes, aber das ist schon ermüdend.“

Familie will in Schwaig bleiben

Dabei würde die Familie gerne in Behringersdorf oder der näheren Umgebung bleiben. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn“, sagt Aiman. „Ich mag sie sehr gerne, sie sind immer freundlich und grüßen. Und auch unsere Kinder haben hier inzwischen Kontakte geknüpft. Am Wochenende gehen wir mit ihren Freunden ins Schwimmbad, sie machen einen Gymnastikkurs in der Schule.“

Damit die Kinder ihre nun vertraute Umgebung nicht wieder aufgeben müssen, sucht die Familie eine Wohnung in Schwaig oder Behringersdorf. Doch das ist nicht so einfach. „Wir haben zwei Wohnungen besichtigt, aber die eine war zu teuer und bei der anderen hat sich der Besitzer nicht mehr gemeldet.“

Maja Doll, die sich im Helferkreis „Schwaig solidarisch“ ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert, kann davon ein Lied singen. „Das größte Problem ist, wenn die Familien viele Kinder haben“, sagt die ehemalige Rechtsanwältin. „Und dann sind viele in Schwaig und Behringersdorf sehr misstrauisch Flüchtlingen gegenüber. Das müssen sie aber nicht sein. Die Leute sind extrem lernwillig, die Eltern sitzen im Integrationskurs und die Kinder im Kindergarten oder in der Schule und versuchen, sich anzupassen und unsere Regeln hier zu lernen.“ Dennoch scheitere die Wohnungssuche oft schon an den Maklern oder Vermietern, die von Anfang an keine Flüchtlinge wollen. Denn Wohnungen fehlen ohnehin an allen Ecken und Enden – für Alleinstehende wie für Großfamilien.

Neben den Vorbehalten von Vermietern und Nachbarn sind die Preise ein großes Problem. Schwaig ist mit dem restlichen Landkreis der Mietstufe 2 zugeordnet. Damit dürfte eine Wohnung für Maryam und Aiman nicht mehr als 756 Euro im Monat kosten – für sechs Personen ist das aber kaum zu finden. Röthenbach, Hersbruck und Altdorf dagegen haben die Mietstufe 3, Lauf und Feucht gar die Stufe 4 zugeordnet bekommen. Damit könnte eine vergleichbare Wohnung in den Orten 100 bis 200 Euro mehr kosten. „Eine Einstufung Schwaigs, die völlig an der Mietrealität vor Ort vorbeigeht“, heißt es von Seiten des Helferkreises.

Dieses Missverhältnis musste auch die Familie von Asma’a Abd Alkader und ihrem Mann Yaser feststellen. Seit knapp einem Jahr sind die beiden in Deutschland, siebenmal mussten sie die Einrichtung wechseln, bis sie nun im gleichen Haus in Behringersdorf wohnen wie Maryam und Aiman. „Durch das ständige Umziehen konnten unsere Kinder nie länger in die Schule oder in den Kindergarten gehen“, erzählt Yaser. „Daher können sie noch nicht so gut Deutsch.“ Für sein fünftes Kind, das im September auf die Welt kommt, wünscht sich Yaser deshalb eine feste Wohnung, groß genug für die dann siebenköpfige Familie.

Auch er hat die gleichen Probleme. „Entweder wollen die Leute keine Flüchtlinge oder kein Geld vom Jobcenter“, sagt Yaser. Und dazu kommt die knappe Bemessung der Mietobergrenze in Schwaig. „Für die Stadt reicht das Geld nicht aus. Ich hätte eine Wohnung auf dem Land mieten können, aber die wäre zu weit weg. Da hätte es nur eine Grundschule gegeben und keine Einkaufsmöglichkeiten. Wie sollten wir das machen mit fünf Kindern?“

Das Land ist auch keine Lösung

Auch für Maja Doll ist der Umzug aufs Land keine akzeptable Lösung. Schließlich haben Flüchtlinge nur selten ein Auto, häufig können sie auch nicht Fahrrad fahren und dennoch wollen die Kinder abgeholt werden, muss der Integrationskurs besucht werden und brauchen die Menschen ein festes soziales Umfeld – gerade, um sich hier einzugewöhnen. „Die Leute einfach in den Wald zu setzen, ist auch keine Integration“, sagt die Helferin. Dabei ist sie sich sicher, dass es auch anders ginge. „Wenn alle mitspielen und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemühen würden, wäre es für alle einfacher. In Schwaig stehen viele Wohnungen leer. Wenn die Leute diese vermieten würden, könnten wir vielen Familien helfen.“

Maryam (links) und Aiman Sayyah wohnen mit ihren vier Kindern noch in der Behringersdorfer Asylunterkunft.
Maryam (links) und Aiman Sayyah wohnen mit ihren vier Kindern noch in der Behringersdorfer Asylunterkunft. | Foto: Privat2016/08/Maryam-und-Aiman-fluchtlinge-schwaig.jpg

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