Beschluss im Gemeinderat

Schwaig macht „Pegnitzaue“ wieder auf

Der Corona-Dornröschenschlaf soll am 24. Juli vorbei sein. Dann könnten Schwimmer im Schwaiger Bad „Pegnitzaue“ wieder ihre Bahnen ziehen. | Foto: PZ-Archiv2020/07/Hallenbad-Schwaig-ci.jpg

SCHWAIG– So richtig Freude wollte am Ende nicht aufkommen: Mit 13 gegen 7 Stimmen hat sich der Schwaiger Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag dazu durchgerungen, das Hallenbad „Pegnitzaue“ voraussichtlich zum 24. Juli zu öffnen.

Vorausgegangen war eine längere, aber konstruktive Diskussion, bei der klar wurde: Es ist ein Spagat. Die Gemeinde möchte ihren Bürgern, speziell den Familien, ein Freizeitangebot machen. Personell, finanziell und organisatorisch bleiben aber etliche Fragezeichen.

Seit 14. März ist das Hallen- und Freibad „Pegnitzaue“ coronabedingt geschlossen. Die Schwimmmeister und das Reinigungspersonal sind in Kurzarbeit. Das soll sich jetzt ändern. Die Wiedereröffnung zum 24. Juli „wird angestrebt“, wie es im Beschluss heißt. Bis dahin muss die Technik hochgefahren und das Bad wieder auf Vordermann gebracht werden, beispielsweise ist eine Untersuchung auf Legionellen notwendig und das Wasser in den Becken muss aufgeheizt werden. Vor allem aber muss die Gemeinde ein konkretes Hygienekonzept erarbeiten.

Schwimmen im Schichtbetrieb?

Wie ein Badebetrieb unter Corona-Bedingungen aussehen könnte, wurde in der Sitzung im Behringersdorfer Bürgersaal diskutiert. Vorgesehen ist ein „Dreischichtbetrieb“ unter der Woche mit zwei Zeitfenstern für „Sportschwimmer“ am Vormittag und am Abend und einer „Familienzeit“ dazwischen. Am Wochenende könnte es zwei Schichten geben. Tickets sollen online gebucht werden, über das gleiche System, das auch beim Ferienprogramm zum Einsatz kommt. Problem: Weil das Schwaiger Bad lediglich über einen Kassenautomaten verfügt, müsste ein Mitarbeiter zur Einlasskon­trolle abgestellt werden.

Maximal 85 Badegäste könnten pro Schicht – laut staatlichen Vorgaben – eingelassen werden. Zum Start will man aber höchsten 50 Besucher zulassen, auch um zu testen, wie sich diese verhalten. Außerdem dürfen im Schwimmerbecken ohnehin nur 40 Personen gleichzeitig ihre Bahnen ziehen. Ob auch der Freibereich und damit die Liegewiese geöffnet wird, steht noch nicht fest. Denn hier müsste ein weiterer Mitarbeiter zu „Kontrollzwecken“ eingeteilt werden, der dann im Innenbereich fehlt.
Neuralgischer Punkt in der „Pegnitz­aue“ sind die Duschen. Je zehn Duschköpfe gibt es zurzeit im Damen- und im Herrenbereich. Um den Sicherheitsabstand garantieren zu können, werden davon bei der Wiedereröffnung wohl nur je drei zur Verfügung stehen, versehen mit Abtrennungen.

Dass das Personal an diesen Engstellen, zu denen auch die Toiletten gehören, regelmäßig kontrollieren kann, bezweifelte stellvertretender Betriebsleiter Daniel Klünder in der Sitzung: Man müsse hier auf die Eigenverantwortung der Badegäste setzen. Die absolute Sicherheit könne man ohnehin nicht garantieren. So sei es zum Beispiel kaum machbar, jedes Mal die Wärmebänke zu desinfizieren, wenn dort ein Gast aufsteht. Dagegen sei ein regelmäßiger Luftaustausch im Bad gewährleistet.

Zusätzliche Kosten

Bürgermeister Thomas Wittmann brachte unter anderem die zusätzlichen Kosten ins Gespräch. Zurzeit werden monatlich im Bad rund 22 000 Euro an Gehältern und Energiekosten eingespart. Bei einem Betrieb von August bis Dezember rechnet man, je nach Auslastung, mit Mehrkosten zwischen 44 000 und 77 000 Euro, zusätzlich zum ohnehin jährlich sechsstelligen Defizit.

Die wirtschaftliche Seite spielte in der anschließenden Diskussion aber keine Rolle mehr. Insgesamt überwog bei den Gemeinderäten die Meinung: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ „In vier Wochen stellen sich dieselben Probleme wie jetzt. Es braucht auch einen gewissen Mut“, sagte etwa FW-Gemeinderat Dr. Frank Riedel, beruflich als Mediziner tätig. Ähnlich sahen das sein Fraktionskollege Thomas Noß und Konstantin Gerl von den Grünen: Ein Testlauf sei gerade jetzt, im Sommer, sinnvoll. Außerdem seien die Infektionszahlen aktuell sehr niedrig.


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Eine „extrem schwierige Entscheidung“, konstatierte Maja Doll (SPD). Jeder Besucher müsse sich bewusst sein, dass ein Restrisiko bestehe. Genau das wollte die CSU-Fraktion, die am Ende geschlossen gegen die Wiedereröffnung stimmte, nicht mittragen. „Ich halte die Situation im Bad für zu kritisch, das kann man nicht kontrollieren“, meinte Petra Götz, die jetzt Fraktionsvorsitzende anstelle von Petra Oberhäuser ist, die ihr Gemeinderatsmandat niedergelegt hat. Christian Süß (ebenfalls CSU) führte die Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter an. „Deren Bedenken müssen wir ernst nehmen.“

Mit 13:7 stimmte der Gemeinderat mehrheitlich für den Beschlussvorschlag von Thomas Noß, das Bad wieder zu eröffnen, mit vorerst maximal 50 Besuchern pro Zeitfenster. Nach zehn Tagen, so der Plan, könne man die Besucherzahl vielleicht aufstocken auf dann bis zu 77.

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