Laufer Ehrenbürger hat Geburtstag

Rüdiger Pompl ist 75

Rüdiger Pompl am Tag vor seinem 75. in seinem Anwaltsbüro in Lauf. An der Wand hängt ein Toskana-Bild von Kurt Kolbe, das Pompl schon zu seinem 50. Geburtstag vom Künstlerkreis geschenkt bekam und das er sehr in Ehren hält. | Foto: Fischer2019/11/rudiger-pompl-75-mit-sakko.jpg

LAUF. Rüdiger Pompl, Laufer Altbürgermeister und einziger lebender Ehrenbürger der Stadt, wird heute 75 Jahre alt. Eine große Geburtstagsfete wird es allerdings nicht geben, gefeiert wird nur im kleinsten Kreis. Pompls sind heute nicht zu Hause, der Jubilar ist für Gratulanten nicht zu erreichen.

Dabei gehe es ihm gerade ausgezeichnet, „ich bin gesund und fühle mich sehr wohl“, sagt er im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung. Er genießt seinen Ruhestand seit über zehn Jahren, arbeitet gern zwei halbe Tage die Woche noch als Anwalt für die Bürger (vor allem Verwaltungsrecht) und entspannt sich besonders beim Urlaub in Frankreich mit Gattin Petra. Erstmals geht es heuer an Silvester auch im Winter in die Bretagne. „Ich freue mich schon darauf, im Wind und bei hohen Wellen einen Uferweg entlang wandern zu können“.

Der größte Unterschied zum Leben als Bürgermeister sei aber weniger der Zugewinn an Zeit, als vielmehr, dass man den Kopf frei habe und keinen Druck oder Bedrückendes aus dem Tagesgeschäft mehr verarbeiten müsse. „Als Bürgermeister nimmst du immer alles mit, du bist immer Bürgermeister und hast nie frei“, erinnert sich Rüdiger Pompl, ohne allerdings deshalb auch nur im geringsten mit dem Amt zu hadern.

29 Jahre, von 1979 bis 2008, saß Pompl für die CSU auf dem Chefsessel im Laufer Rathaus, so lange wie kein Bürgermeister vor ihm. Und Pompl war auch viele Jahre Kreisrat im Nürnberger Land. Geboren wurde der Jubilar 1944 im Sudetenland im Kreis Marienberg. Nach dem Krieg kam er nach Lauf, studierte Jura und wurde 1975 Verwaltungsjurist bei der Stadt. Für seine Verdienste um Lauf wurde Pompl mit der Bayerischen Verfassungsmedaille und nach dem Ende seiner Amtszeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die größte Ehre wurde dem 75-Jährigen im Sommer 2015 zu Teil. Er wurde zum Laufer Ehrenbürger ernannt, eine Auszeichnung, die erstmals nach 40 Jahren wieder vergeben wurde. Pompl ist aktuell der einzige lebende Ehrenbürger der Stadt Lauf.

Bürgermeister Pompl habe jahrzehntelang als Chef im Rathaus und in Ehrenämtern für Lauf gewirkt und sich herausragende Verdienste um das Wohl der Bürger der Stadt erworben, hieß es damals zur Begründung. „Pompl hat in seiner Amtszeit das Stadtbild, die Ortsteile die Kultur- und Vereinslandschaft und die Städtepartnerschaften maßgeblich geprägt. Dabei stand stets das Wohl seiner Heimatstadt im Vordergrund,“ so die Laudatio.

Die Liste der Bauvorhaben, Initiativen, Neuerungen und Veranstaltungen, die in der Ära Pompl vorangebracht und abgeschlossen wurden, ist endlos. Deshalb hier nur auszugsweise einige Leistungen des Jubilars während dessen Amtszeit. Besonderen Wert legte Pompl auf die Altstadtsanierung, er ist damit maßgeblich mitverantwortlich dafür, wie sich die Stadt heute präsentiert. Unter Pompl wurde der Obere Marktplatz zur Fußgängerzone und die Ostumfahrung (Karlsbrücke) gebaut, um nur zwei Verkehrsprojekte zu nennen.

Pompl zeichnete aber genauso für die Totalsanierung und Erweiterung der Kläranlage verantwortlich, wie er das Kindergartenwesen mit neuen Einrichtungen voran brachte und schon in den 90er Jahren, weit vor dem Rechtsanspruch, in Lauf für jedes Kind einen Kindergartenplatz bieten konnte. In Pompls Amtszeit wurden das Jugendzentrum, die Musikschule, die VHS und die Gasversorgung Neunkirchen gegründet. Und in der Ära Pompl entstanden das Industriemuseum (heute ein Aushängeschild der Stadt) und die neue Stadtbücherei.

Besonders die Kultur lag Bürgermeister Pompl am Herzen. So war er der wohl größte Förderer und Fürsprecher des Dehnberger Hof Theaters. Als Bürgermeister initiierte er den Weihnachtsmarkt, den Tag der Nationen oder die Literaturtage mit. Und in Pompls Amtszeit entstanden die Städtpartnerschaften mit Brive, Nyköping und Drama.

Viel Lob bekam der Altbürgermeister nach dem Ausscheiden aus dem Amt von allen politischen Seiten auch für seine Art der Amtsführung. So lobte der amtierende Bürgermeister Benedikt Bisping seinen Vorgänger für dessen humanistischen Ansatz und sein ausgleichendes Wesen. „Pompl hat den Ausgleich gelebt und stets eine gute Balance gefunden zwischen den verschiedensten Interessen, weil er nie seine Person in den Mittelpunkt stellte“, sagte Bisping bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Und für Landrat Armin Kroder ist Bisping ein politisches Vorbild weil er stets „menschlich, klar in der Sache und mit Respekt vor anderen Personen agiert hat.“

Heute verfolgt Pompl die Stadtpolitik (auch die große Politik) sehr interessiert und „immer noch leidenschaftlich, ohne aber den Drang zu spüren, mich einmischen zu müssen.“ Egal sei ihm die Stadt dabei niemals, „Lauf liegt mir sehr am Herzen“. Niemals wolle er oberlehrerhaft oder besserwisserisch daherkommen, erst auf Nachfrage rät er, dass grundsätzlich, vom Bund bis zu den Kommen, mehr aufs Geld geschaut werden müsste, Einnahmen und Ausgaben besser in Einklang stehen sollten.

Mit Blick auf die aktuellen politischen Diskussionen und Entwicklung in der Gesellschaft empfiehlt Pompl Gelassenheit und einen besseren Blick auf die Bedürfnisse der Menschen. Ja, es gebe furchtbare Auswüchse im Diskurs oder der politischen Landschaft, dies sei aber kein Spiegel der Gesellschaft, ist Pompl überzeugt. Wenn sich alle Parteien besser um die Bürger kümmern würden, kehrten die Menschen auch wieder zu ihnen zurück. „Einen Untergang des Abendlandes sehe ich derzeit definitiv nicht“.
Zurück nach Lauf: Wenn er heute durch die Stadt gehe, freue er sich natürlich darüber, „dass ich Dinge verwirklichen durfte, die noch Bestand haben und Zuspruch finden“. Nicht nach außen sichtbar, für Pompl aber „ganz ganz wichtig“, sind dabei die Städtepartnerschaften. „Sie müssen unbedingt gepflegt und gelebt werden, sie dürfen nie den Bach runtergehen“.

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