Mitarbeiter der evangelischen Gemeinde Rückersdorf wurde gekündigt

Demonstration für den geschassten Jugendleiter

„Es zeigt große Stärke, dass Sie solidarisch sind“, sagte Pfarrer Volker Klemm (rechts) zu den Kindern und Jugendlichen, die vor der Rückersdorfer Kirche für den entlassenen Jugendleiter Volker Zabel demonstrierten. Auf Details der Kündigung ging er nicht ein. | Foto: Kohl2016/09/demo-fur-jugendleiter-evang-ruck1.jpg

RÜCKERSDORF — Wenn Kinder und Jugendliche vor der Kirche demonstrieren, fällt das auf. Vor allem, wenn es vor und nach dem Sonntagsgottesdienst geschieht – und sich der Protest gegen eine überraschende Entwicklung in eben dieser Kirchengemeinde richtet. In Rückersdorf hat der Nachwuchs seinem Unmut darüber Luft gemacht, dass der evangelische Jugendleiter Florian Zabel nach rund zwei Jahren – ihrer Meinung nach sehr erfolgreicher – Tätigkeit Knall auf Fall entlassen wurde.
Eins vorweg: Etwas Gravierendes hat sich Zabel wohl nicht zuschulden kommen lassen. „Er hat einige Ecken und Kanten, aber er macht seine Arbeit prima“, bestätigen Erwachsene, die sich in dem Metier auskennen. Erzählt wird aber auch, dass er sich nicht dreinreden lassen wolle. Immer wieder knirschte es im Getriebe. Das Verhältnis zwischen dem Jugendleiter und Pfarrer Volker Klemm soll sich in letzter Zeit stark verschlechtert haben. „Die beiden konnten nicht mehr miteinander“, sagt eine Rückersdorferin. Pfarrer Klemm wollte sich mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit in Personalangelegenheiten gegenüber der PZ nicht konkreter äußern, Florian Zabel selbst ist derzeit nicht erreichbar.
Ein Gremium des durch Spenden und Zuschüsse finanzierten „Vereins für Jugend und Gemeinde (VJG)“ in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rückersdorf unter Vorsitz von Pfarrer Klemm beriet vor wenigen Tagen, wie es weitergehen soll. Ergebnis: ohne Florian Zabel. Wie viele Personen die Entscheidung trafen und wie sie genau ausfiel, wurde nicht bekannt gegeben. In einem Infoblatt, das Kinder, Jugendliche und Jugendmitarbeiter am Sonntag vor der Kirche verteilten, heißt es: „Er musste noch am gleichen Abend und unter Aufsicht sein Büro räumen – wie ein Verbrecher! Warum? Wir empfinden das als total demütigend, ungerecht und unchristlich. Flogge (so der Spitzname von Florian Zabel, Anm, d. Redaktion) ist ein toller Jugendleiter und er bedeutet uns viel. Seit seinem Anfang bei uns in Rückersdorf ist die Jugendarbeit wieder gewachsen.“
„Wir brauchen unseren Jugendleiter!“ „Warum wurde Flogge gefeuert?“ „Warum durften wir uns nicht von Flogge verabschieden?“ Solche Äußerungen auf T-Shirts und Aushängen machten auch Passanten neugierig. Der Nachwuchs hat außerdem eigens für Zabel ein Lied geschrieben und sammelte Unterschriften dafür, dass der junge Familienvater zurückkommen darf.
Als Pfarrer Volker Klemm auf dem Weg zum Gottesdienst vorbeikam, fasste er sich kurz: „Es zeigt große Stärke von Ihnen, dass Sie solidarisch sind“, sagte er zu den Versammelten. Im Gottesdienst wurde eine Mitteilung des VJG verlesen, dass Zabel mit Wirkung vom 21. September von seiner Tätigkeit als Jugendleiter freigestellt und „im Rahmen einer ordentlichen Kündigung“ entlassen wurde. Man wolle versuchen, in der „Übergangszeit“ alle Gruppen und Kreise weiterzuführen.
Draußen, vor der Kirche, kochten teilweise Emotionen hoch. Nicht nur wegen Zabels Entlassung, die auch den früheren VJG-Vorsitzenden Hans-Dieter Brückner und die Gemeinde-Jugendbeauftragte Gerlinde Weisel verblüfft hatte. Kirchenvertretern wurde vorgeworfen, für die sinkende Akzeptanz und den mäßigen Gottesdienstbesuch mitverantwortlich zu sein. Erinnerungen an den Weggang von Pfarrer Heinrich Tauber wurden wach: Vor ein paar Jahren
sei der Geistliche regelrecht aus Rückersdorf „weggemobbt“ worden, hieß es unter anderem.
Florian Zabel hatte in Rückersdorf eine Dreiviertel-Stelle. Die politische Gemeinde hatte ins Auge gefasst, ihn mit zehn Wochenstunden für die Jugendarbeit zu beschäftigen. Die Satzung des VJG, bei dem Zabel angestellt war, lasse das aber nicht zu, heißt es. Ein Angebot, in einer kirchlichen Einrichtung in Röthenbach mitzuarbeiten, wurde nicht weiterverfolgt.

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