Stadtwerke Röthenbach planen ein Blockheizkraftwerk am Steinberg

Nahwärme für einen ganzen Stadtteil

„HZ“ markiert das geplante Blockheizkraftwerk im Keller des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, von dem aus sich Leitungen durch den ganzen Stadtteil ziehen. Sie sollen eine ganze Reihe von Gebäuden mit Nahwärme versorgen. | Foto: Skizze: Stadtwerke2017/02/Bildschirmfoto-2017-02-23-um-14.49.01.png

RÖTHENBACH — Ein ganzer Stadtteil, versorgt von einem Blockheizkraftwerk – am Röthenbacher Steinberg entsteht bis 2020 ein Vorzeigeprojekt. Mit dem 1,1-Millionen-Euro-Vorhaben erschließen sich die Stadtwerke eine vierte Sparte. Zu Gas, Wasser und Strom kommt Nahwärme hinzu.

Noch sind nicht alle Verträge unterzeichnet, aber die Planung steht. In den Keller des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wollen die Stadtwerke ein Blockheizkraftwerk einbauen, mit dem künftig nicht nur das Neubaugebiet Steinberg II und die Mietshäuser am Erlenplatz, sondern über unterirdische Leitungen auch eine Reihe öffentlicher Gebäude beheizt werden sollen: das Schulzentrum am Steinberg, die Seespitzschule, die Realschule, die Karl-Diehl-Halle, der Neubau des Karl-Heller-Stifts, die Kita am Steinberg und der geplante Kita-Neubau in Steinberg II.

Die jährliche Kohlendioxid-Einsparung wird auf 240 Tonnen geschätzt.
„Das Gebiet ist ideal“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Waldemar Munkert im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung, „weil es dort nicht nur viele geeignete Gebäude, sondern auch kürzeste Wege gibt“. Teilweise muss nicht einmal Asphalt aufgerissen werden, um die Leitungen zu verlegen. Die Seespitzschule etwa lässt sich bequem über das Sportgelände des Schulzentrums anbinden.
Das Blockheizkraftwerk soll nicht wie die Anlage an der Laufer Bitterbachhalle mit Hackschnitzeln, sondern stattdessen mit Erdgas betrieben werden. Schließlich habe man diesen Energieträger im Portfolio, sagt Munkert. Die Anlage, deren Kernstück ein Verbrennungsmotor samt Kraft-Wärme-Kopplung ist, hat voraussichtlich 240 Kilowatt elektrische Leistung und 370 Kilowatt Heizleistung. Letzteres reicht laut dem Geschäftsführer aus, um in der Zukunft auch die Wohnblöcke gegenüber von Steinberg II an der Werner-von-Siemens-Allee mit Nahwärme versorgen zu können. Der Strom soll hingegen im Schul­zentrum selbst verbraucht werden.

Erster Nahwärme-Abnehmer wird wohl das Karl-Heller-Stift sein. Die Stadtwerke sind darauf eingestellt, den Neubau des Seniorenheims schon 2018 anschließen zu können. Derzeit laufen daneben die Verhandlungen mit dem Landkreis, der Hausherr des Gymnasiums ist. Spätestens 2020 soll in einem letzten Schritt die Realschule hinzukommen, die derzeit noch über einen sogenannten Con­tracting-Vertrag gebunden ist. Im Neubaugebiet Steinberg II sehen die Planungen einen Übergabepunkt vor, ab dem sich der dortige Investor – die Deutsche Reihenhaus AG – um den Anschluss der insgesamt 79 Reihenhäuser und der benachbarten Wohnblocks kümmert.

Blick in das Innere eines Blockheizkraftwerks – dort befindet sich ein leistungsstarker Verbrennungsmotor. | Foto: Viessmann Werke2017/02/blockheizkraftwerk-viessmann3.jpg

 

Mit der Realisierung des Blockheizkraftwerks geht ein Wunsch der Röthenbacher Politik in Erfüllung. „Planungen dafür gab es schon lange“, sagt Munkert. In der vergangenen Wahlperiode schließlich hatten CSU, Freie Wähler und Grüne gemeinsam gefordert, Steinberg II zu einem „ökologischen und sozialen Musterprojekt“ zu machen und das Gebiet dafür gegebenenfalls selbst zu kaufen. Von diesem Ziel ist bis auf das Kraftwerk aber nicht viel übriggeblieben. Errichtet werden Reihenhäuser, wie sie überall im Bundesgebiet gebaut werden.

Zu 51 Prozent gehören die Stadtwerke der Kommune, zu 49 Prozent ist die Nürnberger N-Ergie an der GmbH beteiligt. Von dem Minderheitsgesellschafter hatte sich die Stadt bei dessen Einstieg vor 17 Jahren Vorteile auf dem liberalisierten Strommarkt erhofft. 2014, mitten im Wahlkampf, brachten Freie Wähler und Grüne jedoch einen Rückkauf ins Spiel. Dieser scheiterte an der damals schlechten Röthenbacher Haushaltslage und, so vermuten Insider, an dem geforderten Preis.

Bei dem Nahwärmeprojekt profitiert Röthenbach nun vom Knowhow der N-Ergie. Deren Fachleute, sagt Munkert, hätten die Planung der Anlage übernommen. Die Stadtwerke haben keine Erfahrung mit vergleichbaren Vorhaben. Um überhaupt  Nahwärme als vierte Sparte anbieten zu können, musste die Satzung geändert werden. Geschäftsführer Munkert kann sich indes gut vorstellen, weitere Blockheizkraftwerke im Stadtgebiet zu errichten. „Das muss nicht das letzte Projekt dieser Art sein“, sagt er.

Die Stadtwerke versorgen laut Geschäftsbericht 2015 rund 6700 Kunden mit Strom, sie stellen 1439 Gas-Hausanschlüsse bereit. Der Umsatz lag zuletzt bei etwa 10,1 Millionen Euro, der Jahresüberschuss bei 771 000 Euro.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel