Badeverbot gilt aber weiter

Birkensee: Nur als Trinkwasser bedenklich

Beim Birkenseetriathlon vor fünf Wochen war das Wasser noch nicht getestet. Ob der Wettkampf mit dem aktuell im Raum stehenden PFT-Wert überhaupt stattgefunden hätte, ist äußerst fraglich. Foto: Max Fischer2015/08/106053_BirkenseetriathlonSchwimmstart_New_1440429364.jpg

RÖTHENBACH — Für den Birkensee gilt vorerst weiter Badeverbot, nachdem das geowissenschaftliche Büro Dr. Heimbucher aus Nürnberg mehr als den doppelten Wert an möglicherweise krebserregenden perfluorierten Tensiden (PFT) im Wasser gemessen hatte. Der Bayerische Rundfunk hatte daraufhin zwar von einer bedenklichen Menge berichtet, sie allerdings weder beziffert noch ihre genaue Herkunft genannt. Ob Schwimmen in dem Grundwassersee tatsächlich gefährlich ist, steht nicht fest. Viele Fragen sind derzeit offen.

Erst von der Pegnitz-Zeitung erfuhr das Landratsamt am Montag, dass das Büro Heimbucher am 12. August das Birkenseewasser analysierte. Den Auftraggeber nannte Otto Heimbucher gegenüber der PZ zwar nicht, erläuterte aber, dass es darum ging, das Fisch- und nicht das Badegewässer auf Belastungen zu untersuchen. Darum nahm er seine einzige Probe auch nicht an der Oberfläche, sondern in acht Meter Tiefe.

Das Ergebnis: 3,5 Mikrogramm PFT pro Liter insgesamt, von der Stoffuntergruppe PFOS 2,6 Mikrogramm. Entscheidend ist der Gesamtwert PFT. Zum Vergleich: Das Landrats­amt hat von 2013 und 2014 jeweils Messergebnisse mit 1,5 Mikrogramm, also milliardstel Gramm, vorliegen. Der neue Wert entspräche mehr als dem Doppelten.

Keine Grenzwerte

Allerdings sagen diese nackten Zahlen noch wenig aus. Landrats­amt und Heimbucher halten das Baden derzeit für unbedenklich, vor allem weil die Tenside nicht über die Haut, sondern über den Mund aufgenommen werden. Das Verbot gilt aber vorsorglich erst einmal weiter. Um die bisher bekannten Zahlen tatsächlich einordnen zu können, stellt sich die Frage nach Grenzwerten. Die gibt es aber nicht, stattdessen nur sogenannte Leitwerte für Trinkwasser.

Wie Klaus Winkelmair vom Wasserwirtschaftsamt erläutert, ist bei diesen davon auszugehen, dass ein Mensch täglich drei Liter belastetes Wasser zu sich nimmt. Tolerierbar wären demnach laut einer Stellungnahme des Bundesgesundheitsministeriums von 2006: 1,5 – 5,0 μg/l bis zu ein Jahr; 0,6 – 1,5 μg/l bis zu drei Jahren und 0,1 – 0,6 μg/l bis zu zehn Jahren. Bei 5,0 μg/l im Trinkwasser bestünde ein sofortiger Handlungsbedarf. Landratsamtssprecher Günther Häusler kennt diese Empfehlungen und sagt klar, es gebe beim Birkensee keinen Grund, „Alarmstufe Rot auszurufen“. Ja, der Wert sei erhöht, aber er sei immer noch „zu erdulden“. Selbst wenn ein Schwimmer bei 100 Mal Baden jedes Mal einen kräftigen Schluck Seewasser nähme.

Für eine sichere Einschätzung reichten aber alle bisherigen Informationen nicht aus, betont Häusler. Deshalb hat das Landratsamt am Montag zunächst das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit für eine eigene Untersuchung beauftragt. Vom LGL stammt auch der Wert von 2014. Das Ergebnis kann vier bis sechs Wochen auf sich warten lassen. So lange bleibt der Birkensee auf alle Fälle für Schwimmer gesperrt.

Liegt das Ergebnis vor, „dann muss man vergleichen“, sagt Häusler. Sind die Werte gleich oder ähnlich wie die des Büros Heimbucher, dann stellt sich die Frage, warum sie in einem Jahr so stark gestiegen sind. Liegen sie weit auseinander, dann müssten zuerst die Methoden von LGL und Heimbucher gegenübergestellt werden. Weitere Konsequenzen könnten erst auf dieser Grundlage besprochen werden.

Heimbucher möchte keine Schlussfolgerungen ziehen. „Das müssen Toxikologen übernehmen“, sagt er. Im Landratsamt ist dafür das Gesundheitsamt zuständig. Eines sagt der Nürnberger Diplomgeologe aber doch: „Mit drei Mikrogramm ist der Trinkwasserschwellenwert um das 50-Fache überschritten.“ Baden hält er ebenfalls für unproblematisch, aber „Fische speichern PFT“ und geben es in der Nahrungskette weiter. Das sei bedenklich.

Nachdenklich stimmt ein weiterer Fakt: „PFT ist schon lange ein Thema. Sie sind inzwischen in Böden und Gewässern flächendeckend im ganzen Land nachweisbar“, sagt Häusler. Konzentrationen im zweistelligen Mikrogramm-Bereich seien „nicht akut gesundheitsgefährdend, aber trotzdem nicht zu verharmlosen“.

Perfluorierte Tenside sind indus­triell hergestellte organische Verbindungen, die an Oberflächen schmutz-, fett- und wasserabweisend wirken. Verwendet werden sie unter anderem für atmungsaktive Jacken, für Impräg­nier- und Feuerlöschmittel sowie Beschichtungen (Galvanik).

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz