Heimat- und Museumsverein und Viae Antiquae sorgen für reges Interesse

Spuren der Vergangenheit in Pommelsbrunn

Bastian Daxer zeigte verschiedene Kultplätze wie Viereckschanzen. Fotos: A. Pitsch2016/04/7100398.jpg

POMMELSBRUNN – Heute fallen sie in der Landschaft kaum auf, werden vom Wald verschluckt oder erscheinen als seltsame Heckenanlagen, doch in grauer Vorzeit waren Hochberg, Viereckschanzen oder Houbirg bedeutende Stellen im Leben der Menschen. Das zeigte der Vortrag „Heilige Orte, heilige Plätze – eine Spurensuche durch die Zeiten im mittleren Pegnitztal“ im Rahmen einer monatlichen Reihe von Heimat- und Museumsverein Pommelsbrunn und Verein Viae Antiquae.

Langsam, aber stetig füllt sich das Nebenzimmer im Gasthaus Vogel, das sich mit einem passenden Speisenangebot, für das die Gäste Taler statt Euro löhnen, auf diese Reise in die lokale Vergangenheit eingestellt hat. Das vor allem ältere Publikum scheint in Sachen Historik und Archäologie versiert und hochgradig interessiert: „Wiederholungstäter“ begrüßen sich gegenseitig, selbst ernannte Experten mit Vorbildung packen Notizblock und Stift aus.

Als Bastian Daxer vom Verein für Altstraßenforschung beginnt, über Naturheilige Plätze wie Opfer- und Grabhöhlen oder Felsnadeln als Opferstätte zu sprechen, wird der Saal von einer gespannten Stille erfasst. Zunächst. Denn schon als Daxer über die Goldkegel als Funde an solchen Orten im Detail berichten möchte, prasseln viele Zwischenfragen der Wissbegierigen auf ihn ein: Aus welcher Zeit stammen sie? Kannten sich die Hersteller? Was heißt, die Kegel wurden bestattet?

Auf alles weiß Daxer ruhig zu antworten. Die Kegel wurden zwischen 1000 und 800 v. Chr. in der Urnenfelderzeit aus einem Goldklumpen extrem dünn ausgetrieben. „Die schauen zwar schön aus, aber es muss mehr gewesen sein, als nur eine goldene Mütze, wegen der Verzierungen“, erklärt Daxer. Es war ein Kult-Objekt, das den Sonnen- und Mondkalender auf sich trägt und mit einem Ritus in die Erde vergraben, also bestattet wurde. Mit einer an die Wand geworfenen Karte der Fundorte der Kegel zeigt er auf, dass die Macher durchaus miteinander in Verbindung gestanden haben – die Reise- und Handelsrouten sind der Schlüssel der damaligen Kommunikation.

Auch Kultplätze wie dieser Nachbau mit Statue und Triskelen-Ornamenten wurden vorgestellt.
Auch Kultplätze wie dieser Nachbau mit Statue und Triskelen-Ornamenten wurden vorgestellt.2016/04/7100410.jpg

Röntgenbild vom Boden

Noch wenig erforscht ist dagegen der Hochberg bei Mittelburg. „Hier gibt es keine wirklichen Grabungsfunde.“ Archivarbeit, Interpretationen und einzelne Keramik- und Tierknochen-Funde legen nahe, dass der Hügel ein vorgeschichtliche Brandopferplatz war. Gesicherte Erkenntnisse würden Grabung oder geomagnetische Untersuchung bringen. Wie so ein Röntgenbild vom Boden aussehen kann, blendet Daxer anhand eines anderen Ortes ein. Historikerin Dörte Hansen bringt rasch Klarheit in das graue Wirrwarr. Dunkle Flecken auf den Bildern sind archäologische Strukturen wie Gruben, Mauern, Pfostenbau oder Brandopferplatz in maximal eineinhalb Metern Tiefe.

„Könnte man so was nicht auch per Luftbild erkennen?“, fragt wieder einer ungeduldig dazwischen. Wenn es Anomalien beim Bewuchs gibt, dann ja, meinen die Experten. Mehr und mehr wandelt sich der Vortrag zum munteren Gespräch, vor allem als Daxer wissen will, wer eine Viereckschanze kenne. So einen Kultplatz mit 30 bis 40 Meter tiefem Opferschacht und Tempel aus keltischer Zeit findet sich bei Lauterhofen, heute ein Heckenwall.

Wer kennt alte Mythen?

„Wenn es dort keine Grabungen gab, wie wissen Sie das dann?“, kommt aus dem Publikum. Die Typologie des Ortes sei die Grundlage, dazu Lesefunde und das Wissen über die Ausbreitung der Kelten, fertig. Immerhin „rudimentär erforscht“ dank Einzelfunden (Messer, Fibeln) sowie eines Wallschnitts mit Grabung 1982 ist die Houbirg. Bei dieser, einer der bedeutendsten Höhensiedlungen Süddeutschlands, stellt sich die Frage der kultischen Nutzung.

Lesefunde aus dem 19. Jahrhundert, wie Hansen mit wahnsinnigem Fachwissen ergänzt, über Urnen, Brandspuren, Goldglimmerkeramik und eine Kultstraße in Form einer gepflasterten Fläche lassen Vermutungen in dieser Richtung zu.
Sagen über Jungfrauen, die wilde Jagd der Frau Holle, die auf der Houbirg beginnt, oder Flurnamen wie das Druidenhügerl, den eine Besucherin sogar noch aus Kindertagen kennt, erhärten diese Annahme. Gerade alte Ortsnamen, Erzählungen und Überlieferungen über Orte wie die Houbirg helfen den Historikern, die sich über Hinweise und Geschichten freuen, bei der Forschung weiter.

Derart gepackt von den möglichen Begebenheiten auf der Houbirg und dem Leben dort oben in der Frühgeschichte, ist die Erregung groß, dass der Berg nicht besser erforscht wird. Da kommt die Ankündigung Hansens über ein großes Projekt im Mikro-Raum zur Spurensuche in der Vergangenheit gerade recht (siehe auch Lokalseite 1).

Eine Frage lässt einem Zuhörer dann keine Ruhe: Warum die Kapellenruine in Arzlohe auf einem vorchristlich genutzten Kultplatz stehe? Solch ein Vorgehen sei üblich gewesen, Götter und Plätze wurden einfach umgedeutet. „Weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist“, meint Hansen schmunzelnd.

Der nächste Vortragsabend findet am Mittwoch, 11. Mai, um 20 Uhr im Gasthaus Vogel statt. Historikerin Dörte Hansen wird über „Orts- und Flurnamen: Überraschende Botschaften aus mehr als 3500 Jahren“ sprechen.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch