Senioren

Schwieriger Zugang zur Corona-Schutzimpfung?

Viele wünschen sich, dass der Zugang für Senioren zum Impfen einfacher wird. Dass der Hausarzt zum Pieks nach Hause kommt, ist aber nicht möglich. | Foto: ©Robert Kneschke/stock.adobe.com2021/01/AdobeStock-336716854.jpeg

NÜRNBERGER LAND – „Wieder sollen die Menschen sehen, wie sie neben dem Alltag mit den amtlichen Vorgaben zu Recht kommen“, kritisiert Thomas Beyer die Organisation rund ums Impfen.

„Was die Politik durch ihre fern vom echten Leben von oben herab getroffenen Entscheidungen in der Corona-Krise den Familien aufbürdet, ist nicht mehr hinnehmbar“, findet der Awo-Landesvorsitzende aus Henfenfeld. Die Impfstelle im Landkreis sei für 170 000 Menschen zuständig. „Bedenkt man die Entfernungen von den äußeren Orten des Landkreises bis Röthenbach wird deutlich, wie beschwerlich es für mobilitätseingeschränkte Menschen ist, dahin zu gelangen“, erklärt Beyer. Zumal das Impfzentrum nicht an den ÖPNV angebunden sei.

Pieks vor Ort

Die Awo fordert daher, den Impfstoff zu den Menschen zu bringen. Dazu könne man die jetzt gebildeten und in den Pflegeheimen aktiven mobilen Teams nach deren Arbeit dort einsetzen. Dieses Szenario sei aber aktuell schlicht nicht möglich: „Fakt ist, der Impfstoff darf nicht mehr bewegt werden, sobald er aufgetaut und aus der Flasche aufgezogen ist“, erläutert Martin Seitz, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Nürnberger Land. Das gelte für die Produkte von Biontech-Pfizer sowie Moderna.

Dagegen spricht Norbert Dünkel, heimischer Landtagsabgeordneter, davon, dass mobile Impfteams installiert werden sollen, die vom Freistaat Bayern finanziert werden. „Die Umsetzung liegt bei den Landkreisen.“ Grundlage dafür sei eine Resolution von Bund und Ländern, die gerade erarbeitet werde, um die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Für den CSU-Politiker ist aber nicht die Frage der Beförderung Schuld an den aktuellen Verzögerungen beim Impfen: „Hauptursache ist der momentan noch knappe Impfstoff. Durch neue Liefervereinbarungen und weitere Impfstoffzulassungen wird dies verbessert werden“, ist er überzeugt.

Jedoch sieht Seitz an anderer Stelle Handlungsbedarf – wie zum Beispiel bei der Organisation der Terminvergabe. Aber: „Wir bekommen da Vorgaben von der Landesregierung, die wir erfüllen müssen, und haben keine Möglichkeit, darüber hinaus etwas zu unternehmen.“ Es sei klar gewesen, dass die Leitungen schlapp machen würden beim ersten Ansturm, doch daran habe man vor Ort nichts ändern können …

Nur ein Aufwasch

Das gilt auch für die notwendigen bürokratischen Grundlagen bei einer Impfung: „Rechtlich ist es so, dass der Arzt, der die Impfung durchführt, die Verantwortung trägt.“ So charmant die Idee sei, der Hausarzt übernehme das Abklären der Vorerkrankungen, damit der Senior nichts Wichtiges vergesse, und das Aufklärungsgespräch – ein Aufteilen des Prozesses sei nicht möglich. „Die wichtigen Unterlagen sind beim Brief dabei, den das Landratsamt an die über 80-Jährigen verschickt.“

Diverse Ideen seien in den virtuellen Raum ge- und wieder verworfen der der Bürgermeister-Konferenz worden, sagt Reichenschwands Bürgermeister Manfred Schmidt. Es wird in Reichenschwand wie Offenhausen keine Transport-Organisation seitens der Gemeinde geben, bestätigt Bürgermeister Martin Pirner. „Krankenfahrten müsste ja die Kasse zahlen, wenn es keine Angehörigen gibt.“ Sollte dahingehend keine Möglichkeit bestehen, dann bietet „Offenhausen hilft“ unter Einhaltung der entsprechenden Corona-Maßnahmen Fahrdienste an, weiß Pirner.

Ähnlich wie beim Einkauf

„Am Anfang dachten wir auch: Oh Gott, oh Gott“, gibt Happurgs Bürgermeister Bernd Bogner preis. Aber als er sich mal die Liste der betreffenden Einwohner durchsah, stellte er fest, dass nur rund ein Dutzend der 80- bis 100-Jährigen keine Angehörigen im Umkreis haben. „Für diese steht unser Unterstützerkreis bereit.“


Die Bürgermeister denken – wie Beyer auch –, dass es die Familien oder direkten Nachbarn sein werden, die viel in der Impf-Organisation auffangen werden. Für diesen Einsatz ist Zeit nötig, die bei vielen aufgrund Kinderbetreuung und Homeschooling knapp ist. Wäre da nicht eine Unterstützung möglich – ähnlich wie bei den Kindern? „Impfen ist aus meiner Sicht auch eine Frage der sozialen Verantwortung“, sagt Dünkel dazu.

Ein zusätzlicher freier Tag wäre mit den Tarifpartnern zu verhandeln und würde die ohnedies angespannte Lage in den Betrieben weiter belasten, legt er dar. Anderen zu helfen, sei ein „solidarischer Beitrag für die eigene Gesundheit, ohne dafür eine Ausgleichsleistung zu fordern“.

Infos rund ums Impfen

Wer sich im Vorfeld der Impfung genauer informieren möchte, kann dies unter www.stmgp.bayern.de/coronavirus/impfung/ tun. Dort sind in diversen Unterpunkten Fakten von A wie Ablauf im Impfzentrum bis T wie Terminvergabe gesammelt.

Ebenfalls in der Auflistung findet sich „Benötigte Dokumente für die Impfung“: Dazu zählen neben der Terminbestätigung der Impfausweis sowie wichtige Unterlagen wie ein Herzpass, ein Diabetikerausweis oder eine Medikamentenliste. Außerdem kann man sich dort vorher das Aufklärungsmerkblatt und den Impfbogen mit Einwilligungserklärung vorab herunterladen, ausdrucken und vorbereiten.

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