Corona-Maßnahmen

Kostenlose Schnelltests nur noch für Ausnahmegruppen

Ab heute werden Personen, die einen Schnelltest brauchen, zur Kasse gebeten – es sei denn, sie gehören zu einer der Ausnahmegruppen. | Foto: Maren Winter - stock.adobe.com2021/10/AdobeStock-456568443.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – 3 G ist ab einer Inzidenz von 35 das Gebot der Stunde. Und wer nicht geimpft oder genesen ist, der muss ab heute den Geldbeutel zücken: Denn Schnelltests für diejenigen, die nicht zu einer der Ausnahmegruppen gehören, sind ab sofort nicht mehr kostenlos. Kein geringer Aufwand für die ohnehin wenigen Anbieter, die es in der Hersbrucker Schweiz noch gibt.

Während das landkreiseigene Testzentrum in der Houbirgstraße weiterhin nur kostenfreie Schnelltests anbietet – also ab Montag nur noch für Menschen, die zu einer Ausnahmegruppe gehören – können sich in den Teststationen des ASB Regionalverband Jura auch andere Personen weiterhin testen lassen. Die müssen dann zahlen – der Regionalverband hat laut einer Pressemeldung für die Testung einen Preis von 15 Euro festgelegt. Das Geld selbst fließt an den Anbieter, erklärt Andreas Krämer, der die Projektleitung der Teststationen inne hat. „Wir rechnen am Monatsende über die kassenärztliche Vereinigung ab, die sich ihr Geld wiederum aus dem Gesundheitsfonds des Bundes holt.“ Ab sofort soll beim ASB auch bargeldlos bezahlt werden können.

Laut Krämer plant der Regionalverband, seine Stationen in Pommelsbrunn, Hartenstein, Auerbach, Königstein, Grafenwöhr, Pegnitz und Plech vorläufig bis zum 31. Oktober wie bisher zu betreiben. Wie es danach weitergeht, hänge davon ab, wie sich die Testzahlen entwickeln. „Ich denke nicht, dass wir unser Angebot über den Winter komplett einstellen, aber vielleicht die Stationen reduzieren“, überlegt Krämer. Weil die 3 G-Regelung an der Inzidenz hängt, sei die Situation noch schwieriger einzuschätzen. „Da hat uns der Freistaat eh ein Ei gelegt“, rügt Krämer – und blickt auf die österreichischen Nachbarn, wo die Regelung „konsequent“ durchgezogen werde, unabhängig von der Inzidenz.

Unklar bei Schwangerschaft

Mit den kostenpflichtigen Tests ab Montag kommt die nächste Herausforderung: Denn die Liste der Anspruchsberechtigten sei alles andere als übersichtlich. Ein Punkt benenne zum Beispiel werdende Mütter im ersten Schwangerschaftsdrittel, der nächste Schwangere im Allgemeinen. „Darf ich mir dafür überhaupt einen Nachweis geben lassen?“, fragt Krämer sich außerdem. Wie die Nachweise auszusehen haben, darüber mache die Verordnung keine Angaben. Laut Krämer ergebe sich das teilweise aus den Gründen, weshalb eine Person berechtigt ist.

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    Klar sei es zum Beispiel bei Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können: Sie müssen ein ärztliches Attest im Original mit Begründung zum Testtermin mitbringen. Für Besucher von Pflegeheimen und Studierende dagegen seien die Angaben aus dem Ministerium laut Krämer noch nicht schriftlich fixiert worden – auch, was den Nachweis angeht. Zudem habe er von mehreren Stellen unterschiedliche Vorgaben erhalten.

    Wer aber durchs Raster falle, seien Geimpfte. Denn manche Pflegeheime oder Krankenhäuser verlangten trotz Impfung einen negativen Test von Patienten, die neu eingeliefert werden, sagt Krämer – doch Geimpfte sind bisher nicht anspruchsberechtigt, müssten also zahlen, um sich testen zu lassen. „Für uns hängt da ein riesen Rattenschwanz dran“, fasst Krämer die neuen Regeln zusammen.

    Mehrere Faktoren

    Auch Nelli Freier-Kurt von der Apotheke im Citypark weiß um den erhöhten Aufwand für ihr Team. Gerade jetzt mit der beginnenden Wintersaison ziehe das Geschäft in der Apotheke an, die Tests seien eine zusätzliche Leistung, wofür mindestens ein Mitarbeiter sich „voll verkleiden“ müsse und nicht für andere Arbeiten bereit stünde. Dementsprechend würde der Preis für die Tests auch an der Auslastung hängen, mutmaßt sie: Wenn weniger Kunden kämen, müsse der Mitarbeiter sowie die Räumlichkeiten trotzdem bereit stehen, wodurch der Test teurer werden kann. Zudem hänge der Preis am Hersteller selbst.

    Die Apotheke könne es daher personell nicht stemmen, täglich Tests anzubieten: „Zur Zeit testen wir Mittwochnachmittags und Samstagmorgens.“ Nachdem die Nachfrage mehr und mehr eingebrochen war, habe es nach der Urlaubszeit und vor Schulbeginn einen Peak gegeben. „Dann haben wir entsprechend mehr getestet“, sagt Freier-Kurt. Auch in Zukunft will die Apotheke flexibel auf die Entwicklung reagieren.

    Ähnlich geht es der Bahnhofsapotheke. Auch sie will ihr Testangebot wie bisher aufrecht erhalten, aber Petra Rathjen spricht ebenfalls von einer großen Unsicherheit: „Wie viele Tests werden noch gebraucht? Habe ich die Auslastung wie bisher noch? Das Ganze muss sich ja auch tragen“, sagt die Apothekerin. Die Tests dürfen die Anbieter frei kalkulieren, so könne sie je nach Auslastung preisliche Anpassungen vornehmen. Bisher sei in der Bahnhofsapotheke pro Tag vier Stunden getestet worden, was auch gut angenommen worden sei. Unsicherheiten bekomme sie auch bei ihren Kunden mit, die nicht wüssten, wer nun zahlen muss und wer nicht. Helfen kann sie ihnen bisher nur bedingt, weil vom Staat noch nicht in allen Punkten konkrete Vorgaben gekommen seien.

    Ziel ist die Impfung

    Wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt, ob sich mehr oder weniger Leute testen lassen werden, kann auch Dr. Hanspeter Kubin vom Gesundheitsamt nicht einschätzen. „Die Regelung zielt sicher darauf ab, dass sich noch mehr Personen überlegen, ob sie sich nicht doch impfen lassen“, sagt er. Das Argument der „Impfpflicht durch die Hintertür“ will der Arzt aber nicht stehen lassen. „Es ist sinnvoll, wenn viele geimpft sind. Von den Corona-Patienten in den Krankenhäusern sind aktuell 90 Prozent ungeimpft“, erklärt er. Zudem wisse niemand, wie schwer er bei einer Infektion erkranken würde. Mit einer Impfung sei die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufes einfach geringer.

    Weil aber auch eine Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schütze, mache es laut Kubin Sinn, dass sich Geimpfte, die sich krank fühlen oder Kontakt zu Infizierten hatten, selbst testen, bevor sie sich unter Leute mischen. Das wäre dann aber eine Entscheidung der Vernunft, denn eine Testpflicht für Geimpfte gibt es bekanntlich nicht. Auch bei Reiserückkehrern aus Hochrisikoländern mache eine zusätzliche Testung mit Blick auf neue Mutationen Sinn, sagt Kubin.

    Die Impfung sei kostenlos, weil sie den gesellschaftlichen Schutz erhöhe. Ein Test beruhe dagegen auf dem Wunsch eines Einzelnen, eine Gaststätte oder ein Konzert zu besuchen. Das Geld sehe der Staat also bei Impfungen besser angelegt als bei Testungen. Und auch Kubin ist dieser Meinung: „Es gab lange genug kostenlose Tests. Die Allgemeinheit sollte nicht durch die Freizeitgestaltung Einzelner finanziell belastet werden.“ Denn: Bezahlt werden müsse der Test am Ende sowieso – entweder direkt vor Ort oder indirekt durch Steuergelder. Und so zahle nun nur noch derjenige, der wirklich einen Test braucht.

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