Igel in Herbst und Winter

Das Pech der späten Geburt

Mit angebratenem ungewürztem Hackfleisch legen untergewichtige Igel schnell an Gewicht zu. | Foto: Adobe Stock2019/10/NL-Igel-fuettern.jpeg

NÜRNBERGER LAND. Wenn Igel zu spät auf die Welt kommen und sich nicht genügend Speck anfressen, geht es ihnen im Winter schlecht. Sie verhungern entweder im Schlaf, oder wachen vorzeitig auf. Nur, um eine unwirtliche Ödnis ohne Nahrung vorzufinden. Nicht jeder Igel, der zur Zeit noch im Garten herumstöbert, ist jedoch automatisch hilfebedürftig.

Da Igel sehr bequem und verfressen sind, schlagen sie Futterangebote so gut wie nie aus. Durch unnötiges Zufüttern können jedoch Probleme auftreten: Der Zyklus des Igels kann durch das Füttern gestört werden, sodass er nicht in den Winterschlaf geht. In der Natur begibt sich der Igel nämlich dann in den Winterschlaf, wenn die Nahrung knapp wird und er kaum noch was zu Fressen findet. Außerdem müssen Jungtiere die selbstständige Futtersuche erlernen, damit sie langfristig eine Überlebenschance haben. Schwierig mit einer täglichen Schüssel voller Katzenfutter. Manchmal ist es jedoch in der Tat notwendig, den stacheligen Freunden wieder auf die krummen Beinchen zu helfen.

Anzeichen für Unterernährung

Wer dem kleinen Allesfresser begegnet, sollte das Tier auf folgende Merkmale in Aussehen und Verhalten untersuchen. „Igel sind nachtaktiv. Ist ein Exemplar tagsüber auf Futtersuche, stimmt meist etwas nicht“, erklärt Marlies Filler vom Tierschutzverein Lauf und Umgebung. Eingefallene Augen, birnenförmige Statur und eine Einbuchtung hinter dem Kopf sind ebenfalls Anzeichen dafür, dass das Tier zu dünn ist. Auch kleinere Jungtiere sollten über ein halbes Kilo auf die Waage bringen. Ist das nicht der Fall, braucht der Igel Unterstützung. Im Herbst bietet es sich an, im eigenen Garten zuzufüttern, im Winter muss er in menschliche Obhut genommen werden.

Tod durch Milch

Vom Schälchen Milch sollten Igelfreunde jedoch dringend Abstand nehmen. Igel sind laktoseintolerant und können von Kuhmilch starken Durchfall bekommen, der im schlimmsten Fall zum Tod führt. „Besser sind Katzennassfutter, ungewürztes Rührei mit wenig Fett gebraten, Igeltrockenfutter aus der Zoohandlung oder Avocado“, empfiehlt Filler. Wer seinem stachligen Gartenbesucher eine besondere Freude machen möchte, kann auch Huhn kochen oder Hackfleisch anbraten.

Ist der Igel sehr geschwächt, kann man ihm mit einer Einwegspritze (ohne Nadel) warmes Wasser, Fenchel- oder Kamillentee ins Maul tröpfeln. Offensichtlich kranke Tiere sollten aber sofort zu einem Tierarzt gebracht werden, erklärt Filler.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Dr. Karl Friedrich Rauenbusch von Naturschutzbehörde Landratsamt sieht die Causa Igel eher nüchtern. „Wer zu spät geboren wurde, hat Pech gehabt. Das ist die Natur“, sagt er. Doch gegen den stachligen Nützling als solches hat er freilich nichts. Und auch nichts gegen Menschen, die ihn unterstützen. Zwar greife das in das natürliche Geschehen ein, aber „es werden ja viele überfahren oder mit unserem Ordnungssinn in ihrem Lebensraum eingeschränkt. Da ist es ein gerechter Ausgleich, wenn wir als Menschen helfen“, sagt er versöhnlich.

Ähnlich geht es übrigens auch Vögeln. Mehr dazu hier im Schwesternartikel.

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N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray