Verkehrsstatistik 2019 zeigt Anstieg von Unfällen und Schwerverletzten in der Region

Mehr Trunkenheitsfahrten in und um Lauf

Auf der Staatstraße zwischen Eckental und Großbellhofen krachten am Abend des 20. Februars 2019 zwei Autos frontal zusammen. Beide Fahrer wurden schwer verletzt. Es stellte sich heraus, dass der Unfallverursacher mit 1,65 Promille Alkohol im Blut unterwegs war. | Foto: PZ-Archiv/Schuster2020/05/Unfall-bei-Untersdorf-Neunkirchenerin-schwer-verletzt-us.jpg

NÜRNBERGER LAND – Als Max Kerber Samstagnacht von der Bar in Richtung Parkplatz torkelt, versucht ein Freund, ihn aufzuhalten. „Mir geht es super und es sind ja nur fünf Minuten bis nach Hause“, sagt der 22-Jährige und steigt ins Auto. Doch als ihm auf der B 14 in einer Kurve plötzlich ein Corsa entgegenkommt, reagiert er zu spät. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er in Schlangenlinien gefahren war. Die junge Corsa-Fahrerin ist sofort tot. Kerber wird von den Rettungskräften schwer verletzt aus seinem Auto befreit.

Dass Alkohol am Steuer drastische Folgen haben kann, wie in diesem fiktiven Szenario beschrieben, weiß jeder Fahrer. Doch die Verkehrsunfallstatistik 2019 der Polizei Lauf zeigt, dass die Gefahren oft genug ignoriert werden. Sowohl im Einsatzgebiet der Polizeiinspektion als auch insgesamt im Landkreis Nürnberger Land haben die Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zugenommen.

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Doppelt so viele Unfälle wie 2018

27 Unfälle mit alkoholisierten Beteiligten notierte die Polizei Lauf 2019, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor und mehr als in jedem Jahr seit 2010. Sie forderten zwölf Verletzte, darunter vier Schwerverletzte. Im ganzen Nürnberger Land wurden 2019 68 Unfälle mit alkoholisierten Beteiligten gemeldet, bei denen sich 31 Menschen verletzten.

Das bedeutet einen Anstieg von rund 66 Prozent im Vergleich zu 2018, als bei 41 Unfällen Personen unter Alkoholeinfluss standen. Die Anzahl von fünf Unfällen mit Beteiligten unter Drogeneinfluss 2019 im Nürnberger Land ist im Vergleich dazu sehr niedrig. Außerdem gingen der Polizei Lauf 2019 bei Kontrollen 60 alkoholisierte Verkehrsteilnehmer ins Netz (2018: 49) und 20, die unter Drogen standen (2018: 8). Die Dunkelziffer ist wohl um ein Vielfaches höher.

Mäßige Aufklärungsquote bei Fluchten

Auch die Anzahl der Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, dürfte in Wirklichkeit höher sein. Bei 372 von insgesamt 1633 gemeldeten Verkehrsunfällen im Gebiet Lauf handelte es sich um Unfallfluchten. Ob die Flüchtigen – nur etwa ein Drittel von ihnen werden gefunden – betrunken waren, lässt sich im Nachhinein nur selten feststellen. Zahlreiche kleinere Unfälle werden der Polizei außerdem nicht gemeldet, weil die Beteiligten sich selbst an ihre Versicherung wenden.

Obwohl bei Trunkenheits- und Drogenfahrten Strafen wie Bußgelder, Punkte in Flensburg und langfristiger Führerscheinentzug drohen, nimmt ihre Anzahl im Landkreis also zu. Bei Ausreden wie „Zwei Bier sind ja noch unter 0,5 Promille“, vergessen die Fahrer, dass die Promillegrenze bei der Verursachung von Unfällen oder einer offensichtlichen Fahruntauglichkeit keine Rolle mehr spielt. Wer betrunken einen Unfall verursacht, kann theoretisch mit bis zu fünf Jahren Haft oder Strafzahlungen bis zu 10 000 Euro bestraft werden.

Kleine Mengen reichen aus

Allgemein unterschätzen viele Auto- und Fahrradfahrer die Folgen von bereits kleinen Mengen des Nervengifts Alkohol, das von der Leber nur mit 0,1 Promille pro Stunde abgebaut wird. Die Einnahme von Drogen scheint dagegen im Nürnberger Land mehr Menschen vom Fahren abzuhalten.

Genau genommen ist jedoch die in Deutschland übliche Unterscheidung zwischen „Alkohol“ und „Drogen“ missverständlich. Alkohol ist eine starke Droge, die schnell süchtig machen kann. Ein kalter Entzug ist für den Menschen lebensgefährlich.

Bereits bei 0,2 Promille Alkohol im Blut können sich je nach Gewicht, Geschlecht und Alkoholgewöhnung beim Menschen die Konzentration und das Sehvermögen verschlechtern. Bei 0,3 Promille kommen die Fehleinschätzung von Entfernungen und ein abnehmendes Urteilsvermögen dazu. Außerdem erhöht sich die Risikobereitschaft. Bereits ein kleines Glas Bier kann die menschlichen Reaktionen verlangsamen.

 

Doppelter Promillewert bei Frauen

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sorgen zweimal 0,33 Liter Bier bei einem gesunden Mann Ende 20 für eine Alkoholkonzentration von 0,3 Promille im Blut. Bei einer Frau gleichen Alters ist der Wert mit 0,6 Promille doppelt so hoch.

Laut dem Dienststellenleiter der Laufer Polizei, Patrick Pickel, hat sich im vergangenen Jahr an den Zähl- und Kontrollmethoden der Laufer Polizei nichts geändert, das den stetigen Anstieg der Unfälle unter Alkoholeinfluss statistisch erklären kann. „Die Trunkenheit im Verkehr ist wirklich ein Problem, auf das wir uns im Laufer Einsatzgebiet stärker fokussieren wollen“, sagt Pickel. Die Zahl der Verkehrskontrollen sei bereits angehoben worden. Auch eine größere Polizeipräsenz könne Fahrer davon abhalten, betrunken zum Lenkrad zu greifen.

Schwerverletzt wegen Alkohol

Das Szenario, in dem eine unbeteiligte Person stirbt, weil ein alkoholisierter Fahrer einen Unfall baut, ist Polizei und Angehörigen im Einsatzgebiet Lauf 2019 erspart geblieben. Allerdings verursachte eine Fahrerin, die am 20. Februar zwischen Eckental und Großbellhofen mit 1,65 Promille Alkohol im Blut unterwegs war, einen Frontalzusammenstoß, bei dem sie selbst schwer verletzt und der entgegenkommende Fahrer leicht verletzt wurden.


Mehr als drei Promille maßen die Polizisten bei einem Fahrer, der am 4. Januar in Lauf mit seinem Auto gegen ein Brückengeländer in der Briver Allee krachte und mit gebrochenen Rippen ins Krankenhaus gebracht wurde.

2019 starben drei Fahrer

Schwere Verkehrsunfälle im Laufer Einsatzgebiet kosteten 2019 drei Menschen das Leben. Anfang April geriet ein 21-jähriger Röthenbacher auf der B 14 in Höhe der Anschlussstelle Lauf/Nord mit seinem Auto ins Schleudern und kollidierte mit einem entgegenkommenden Transporter. Der junge Mann starb im Krankenhaus; sein 23-jähriger Beifahrer wurde schwer verletzt.

Ein 67-jähriger Motorradfahrer aus Nürnberg rutschte Mitte Juni in einer Linkskurve auf der Kreisstraße zwischen Schermshöhe und Ittling auf Splitt aus und prallte gegen die Schutzplanke. Nach einer ersten Reanimation starb dann doch an seinen Verletzungen.

Eine knappe Woche später kam ein 78-jähriger Laufer mit seinem Oldtimer auf der Kreisstraße zwischen Bullach und Simonshofen nach rechts von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Er starb noch an der Unfallstelle. Der Oldtimer aus dem Jahr 1962 hatte keine Sicherheitsgurte eingebaut.

Den Unfallhergang vom 20. Februar 2019 haben wir nachträglich korrigiert.

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Die Verkehrszahlen 2019 (im Vergleich 2018)
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