Rentner repariert Radios

Rundfunk-Museum daheim

Günter Kirsch zeigt einige seiner Radio-Schätze, die er auf Trödelmärkten gefunden und die nun alle dank seiner Reparaturkünste wieder einwandfrei funktionieren. Foto: Christine Popp2015/05/leinburg_popp_G_Kirsch_1.jpg

LEINBURG – In unserer schnelllebigen Zeit, in der immer weniger repariert, dafür weggeworfen und neu gekauft wird, ist jemand, der alte Dinge wertschätzt und mit ihnen umzugehen weiß, schon eher eine Seltenheit. Günter Kirsch (70) aus Leinburg ist eine solche Seltenheit. Sein Hobby ist das Reparieren von alten Rundfunkgeräten. Sie wissen schon, die schönen alten Radios mit Holzgehäuse und Stoffbeschlägen, die mehr Möbelstück als Elektrogerät sind.

Schon als kleiner Junge in der Nachkriegszeit fand es Günter Kirsch spannend, seinem Großvater zuzusehen, wie dieser Radios zusammenbaute. Der Grundstein für seinen späteren Beruf als Elektriker und für seine Leidenschaft zum Tüfteln und Basteln an alten Radios und Tonbandgeräten wurde also wohl bereits damals gelegt, meint Günter Kirsch. Heute freut er sich, wenn ihn seine beiden Enkeltöchter in der Werkstatt im Keller besuchen und ihm bei seinem Hobby über die Schulter schauen.

„Gute Augen muss man dafür haben und geduldig sein, auch mal was zur Seite legen können und später weiter machen und seinen Kopf anstrengen“, meint Günter Kirsch und zeigt eine große Schachtel mit unterschiedlichen Röhren – das sind die Bauteile, die in den Radios zum Spannungsherstellen und zum Verstärken gebraucht werden – und eine kleine Schachtel mit ganz vielen winzigen Widerständen. Günter Kirsch hat allerlei Vorräte an solchen Ersatzteil-Schätzen in seiner Werkstatt. Das sei nämlich auch mit das Schwerste, die passenden Ersatzteile zu bekommen, erklärt er. Mit den Jahren hat er aber ein Netzwerk von anderen Tüftlern und Sammlern aufgebaut, bei denen man dann nachfragen kann. „Manchmal sind auch solche Sachen in Zeitungen inseriert, da muss man dann halt die Anzeigen durchstöbern“, so Günter Kirsch. Auch Handbücher mit Übersichten, in welche Geräte welche Röhren passen, und alte Schaltpläne hat er so schon gefunden. Das Internet nutzt er dagegen nicht zur Recherche und Ersatzteilsuche. „Nein, einen Computer habe ich nicht, aber bis jetzt habe ich auch so alles reparieren können. Manchmal dachte ich, wenn es mal nicht klappt, dann habe ich ja ein Gerät zum Ausschlachten, aber bis jetzt hab ich noch jedes alte Radio wieder zum Spielen gebracht“, erzählt Günter Kirsch.

Franzosen mit grünem Gehäuse

Auch mit dem Rundfunk-Museum in Fürth hatte er natürlich schon Kontakt. Dort hat man ihm mal weitergeholfen, als er auf der Suche nach einer alten Senderskala war. Unter den zahlreichen Radios im Hause Kirsch sind auch zwei französische Modelle, eines davon mit grünem Blechgehäuse, oder ein Loewe Opta Gerät, auf dem mit Bleistift das Produktionsjahr 1947 vermerkt ist. Beeindruckend ist auch das große Wissen von Günter Kirsch rund um Rundfunkgeräte. Da erfährt man dann zum Beispiel, dass die Quelle ihre Radios in der DDR hat bauen lassen und der Firmenname SABA für Schwarzwälder Apparatebau stand und noch vieles mehr.

Nachschub an alten Radios, die er dann wieder zum Klingen bringt und auch optisch aufarbeitet, findet Günter Kirsch viel auf Trödelmärkten, die er sehr gerne zusammen mit seiner Frau Renate besucht. Seine Frau steht auch voll hinter dem Hobby ihres Mannes und zeigt die Schmuckstücke an alten Radios, die im ganzen Haus verteilt sind. „Die Lebensfreude, die mein Mann daran hat, davon habe ich ja auch schließlich was“, sagt sie lachend, „und außerdem bleibt immer noch genügend Zeit für gemeinsames Radeln und Wandern und Trödelmärkte mögen wir ohnehin beide“.

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