Krebserregende Stoffe im Wasser?

Badeverbot am Birkensee

Vorerst ist es damit vorbei: Baden im Birkensee wurde am Samstagmorgen untersagt. Foto: PZ-Archiv2015/08/67766_birkenseewasserqualitaetbadende_New_1376056864_01.jpg

RÖTHENBACH — Das Baden im Birkensee ist seit Samstagmorgen verboten. In einer Wasserprobe wurden Stoffe gefunden, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Weitere Tests sollen Klarheit bringen – bis dahin gilt die Vorsichtsmaßnahme.

Das zuständige Landratsamt in Lauf und die Stadt Röthenbach wurden am Freitagabend nach eigenen Angaben von einem Bericht des Bayerischen Rundfunks überrascht. Der Sender beruft sich auf Analysen eines geowissenschaftlichen Instituts aus Nürnberg. Dieses will im Birkensee, der im Reichswald zwischen Schwaig und Diepersdorf liegt, sogenannte Perfluorierte Tenside (PFT) in hoher Konzentration nachgewiesen haben. Diese Stoffe werden unter anderem in der galvanischen Industrie verwendet, aber auch bei der Herstellung von beschichteten Textilien und Baustoffen. Sie stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.

Laufende Analysen, sagt Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker, hätten in der Vergangenheit zwar keinen Hinweis auf eine erhöhte PFT-Konzentration geliefert, doch bis jetzt weitere Tests durchgeführt wurden, müsse der See gesperrt werden. Das Landratsamt erließ ein Badeverbot, Wasserwacht und Feuerwehr brachten am Samstagmorgen entsprechende Hinweisschilder rund um das Gewässer an.

Das Ausmaß des Gesundheitsrisikos, so Hacker zur Pegnitz-Zeitung, sei derzeit nur schwer einzuschätzen. Das Landratsamt habe sich darum bemüht, die genauen Ergebnisse des Nürnberger Instituts noch am Freitag zu erhalten, doch bisher lägen diese nicht vor. Die Behörde selbst teilt mit, 2014 sei für den Birkensee ein PFT-Wert von "nur einem Drittel des duldbaren Leitwerts" festgestellt worden. Jetzt werde eine erneute Analyse vorgenommen. Vorsorglich will der Bürgermeister am Montag aber auch das Trinkwasser im Stadtgebiet untersuchen lassen.

Der Bayerische Rundfunk hatte unter Berufung auf Experten gemeldet, das Baden im See sei angesichts der PFT-Konzentration noch ungefährlich, aber "nicht gerade gesundheitsfördernd". Das Gesundheitsamt sorge sich um die Gesundheit der Bevölkerung, äußert sich dagegen das Landratsamt.

Weil sich die umstrittenen organischen Verbindungen in der Umwelt anreichern und somit auch in Lebewesen zu finden sind, rät die Behörde außerdem dazu, im Birkensee gefangene Fische nicht zu verzehren. Der Fischereiverein Altdorf, der das Gewässer nutzt, wurde hierüber bereits informiert. Das Ufer des Sees kann trotz Badeverbots betreten und genutzt werden, etwa zum Sonnen.

Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, woher die erhöhte PFT-Konzentration rührt. Der Birkensee wird durch Grundwasser gespeist. Das beliebte Naherholungsziel wurde noch in den Achtzigern für den Sandabbau genutzt, es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Autobahnkreuz Nürnberg. In den umliegenden Gemeinden Schwaig, Röthenbach und Leinburg gibt es zahlreiche Industriebetriebe. Typischerweise finden sich die Tenside in Klärschlämmen und Industrieabwässern, aber auch aus Deponien können sie sickern. Einzelne Fälle von PFT-Kontaminationen wurden auf Düngemittel zurückgeführt, in denen Industrieabfälle enthalten waren. Belastet ist auch das Areal des Nürnberger Flughafens, dort sind Löschschäume, die über Jahre im Boden versickert sind, die Ursache. Seit 2011 dürfen PFT bei der Brandbekämpfung nur noch in extrem geringer Konzentration eingesetzt werden, viele Hersteller bieten fluorfreie Mittel an. Generell gibt es für die Verwendung dieser Stoffe europaweite Verbote, doch auch zahlreiche Ausnahmen.

PFT verbleiben laut Umweltbundesamt "langfristig" in der Umwelt. Sie finden sich weltweit in Blutproben und werden bei Aufnahme nur langsam aus dem Körper ausgeschieden. Im Tierversuch hätten sich einzelne Chemikalien, die unter diesen Oberbegriff fallen, "als fortpflanzungsgefährdend und das Wachstum von Tumoren fördernd" erwiesen.

Mehr zur Sperrung des Birkensees am Montag in der Pegnitz-Zeitung. Informationen zu PFT liefert diese Broschüre des Umweltbundesamts.

— Dieser Text wurde zuletzt am Sonntag, 23. August, um 8.55 Uhr aktualisiert. —

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