Goldmedaillengewinner von 1960 wieder vereint

„Veteranentreffen“ bei Martin Lauer in Lauf

Bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 gewannen Bernd Cullmann, Armin Hary, Walter Mahlendorf und Martin Lauer (von links) in der 4x100-Meter-Staffel die Goldmedaille. Am Mittwoch trafen sie sich beim Wahl-Laufer Martin Lauer zum Paellaessen wieder. | Foto: Privat, Kirchmayer2016/08/pz-123279_OlympiaVeteranentreffenBerndCullmannArminHaryWalterMah-e1470927990618.jpg

LAUF — Diese vier Männer haben Sportgeschichte geschrieben: Bernd Cullmann, Armin Hary, Martin Lauer und Walter Mahlendorf holten 1960 beim 4×100-Meter-Staffellauf Gold bei den Olympischen Spielen in Rom. Am Mittwoch trafen sich die Freunde bei Lauer in Lauf.

Bis heute konnten die vier als einzige Deutsche über 4×100 Meter Gold gewinnen. Dass sie damals trotz großer nationaler Konkurrenz überhaupt an den Start gehen konnten, war nicht selbstverständlich, erinnert sich Lauer. „Die Bundesrepublik besaß damals viele hervorragende Sprinter, die alle verdient hätten, dieser Staffel anzugehören“, so der 79-Jährige.

USA wurden disqualifiziert

Das Quartett war umstritten, ehe es in Rom den Vorlauf in Weltrekordzeit gewann. Im Finale war das Team aus den USA zwar schneller, wurde wegen eines falschen Wechsels aber disqualifiziert. Gold ging an Lauer und Co. Hary holte in Rom auch über 100 Meter die Goldmedaille. Er hatte kurz zuvor den Weltrekord über diese Distanz aufgestellt.

Nach den Olympischen Spielen trennten sich die Wege der vier. Lauer, auch im Zehnkampf und als Hürdenläufer erfolgreich, startete in den 1960er Jahren eine zweite Karriere als Schlagersänger mit Titeln wie „Taxi nach Texas“, schrieb Kolumnen, studierte Diplom-Ingenieur, entwickelte Atomkraftwerke und war bei den Olympischen Spielen 1972 in München für die Einführung der elektronischen Zeitmessung verantwortlich. Cullmann trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Edelsteinschleifer. Hary stieg ins Immobiliengeschäft ein und erhielt 2008 für die Förderung jugendlicher Sporttalente aus sozial schwacher Umgebung das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mahlendorf war Leiter des Sport- und Bäderamtes in Bochum.

Zu seinen drei Mitstreitern von 1960 hält der gebürtige Kölner, der seit 1977 mit seiner Frau in Lauf wohnt und zwei Kinder hat, bis heute vor allem telefonisch und per E-Mail Kontakt. Weil das Quartett weit versteut lebt – Cullmann in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), Hary in Adelhausen bei Landshut, Mahlendorf in Bochum – sind Treffen rar. Nur etwa alle zwei Jahre sehen sich die vier.

Rio und Doping als Themen

Mit den gerade in Rio de Janeiro stattfindenden Olympischen Spielen hatte das Treffen nichts zu tun. Thema waren die Wettkämpfe natürlich trotzdem, auch über Doping wurde gesprochen. „Wenn früher einer erwischt wurde, wurde derjenige geächtet“, sagt Lauer. Heute würden die Sportler frech grinsend so tun, als wäre nichts gewesen. Auch viele, die nicht erwischt würden, nähmen verbotene Substanzen, ist sich Lauer sicher. „Wir wissen, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht“, sagt der 79-Jährige.

Aber auch sonst gab es natürlich viel zu erzählen für die vier ehemaligen Olympioniken, die heute allesamt jenseits der 75 Jahre alt sind. Neben guten Gesprächen gab es die Spezialität des Hauses Lauer: Auf offenem Feuer zubereitete Paella, statt mit Meeresfrüchten mit Fleisch, Speck und Wurst.

Bisping würdigt Lauer

Bürgermeister Benedikt Bisping ließ es sich am Mittwochabend nicht nehmen, den Goldjungen von 1960 die Hand zu schütteln. Im Schlepptau hatte er seinen Neffen Nils Bisping und Andreas und Michael Marktl, zwei Freunde aus Wien, die sich Lauers Goldmedaille umhängen ließen und Autogramme sammelten. Bisping würdigte Lauer als „großen Botschafter des Sports und großes Vorbild für viele in Lauf“ und lobte dessen Engagement in der LG Lauf.

Das Originalbild aus dem Jahr 1960, das die Herren in Lauf nun nachstellten.2016/08/pz-123277_MartinLauerOlympiateamStaffelGold.jpg
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