FISCHBACH/FEUCHT – Im gesamten Reichswald kann der aufmerksame Beobachter Schwarzwild oder einfacher gesagt Wildsauen so häufig sehen, wie sonst zu keiner Jahreszeit. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Die Frischlinge aus dem Frühjahr sind so weit herangewachsen, dass sie teilweise ohne Bachen (Muttersau) unterwegs sind. Sie befinden sich im Herbst in einer Fressphase, um ausreichend Speck als Winterreserve zu sammeln. Neben pflanzlicher Nahrung, die die Natur reichlich bietet, suchen sie als Ergänzung auch tierisches Eiweiß. Das finden sie vor allem in Form von Würmern, Engerlingen und Kleintieren im Boden.
Unermüdlich graben sie jetzt Felder und Wiesen um, sogar Straßenränder, an denen sie auch die Salzrückstände der vergangenen Winter schätzen. Wo Gärten in Waldnähe nicht stabil gezäunt sind, machen sie davor nicht halt. Offene Komposthaufen enthalten Leckerbissen für Schwarzwild. Gartenbesitzer beklagen jetzt im Herbst öfter Schäden, als im übrigen Jahr. Im Bereich Fischbach ist der Druck momentan hoch. Besitzern von Gärten in Waldnähe kann man nur zu massiven Zäunen raten, wenn sie ihren Rasen schützen wollen.
Angst braucht man vor den Schwarzkitteln nicht haben! Wenn die scheuen Tiere nicht in die Enge getrieben werden, verschwinden sie von selber wieder. Vorsicht ist aber Hundebesitzern geraten, weil es zu Angriffen kommt, wenn sich der Hund aggressiv zeigt. Dasselbe gilt, wenn Muttersauen mit Frischlingen unterwegs sind. Die Bache versteht keinen Spaß, wenn es um ihre Kleinen geht. Man sollte sich fernhalten oder zurückziehen. Hunde sollten die Waldwege nicht verlassen.
Was die meisten Bewohner in der Metropolregion nicht mit bekommen, ist wie intensiv Schwarzwild bejagt wird. Die Jagd wird in der Dämmerung und in der Nacht ausgeübt, am besten im Wald, damit die Tiere nicht auf die Felder und in die Siedlungen gelockt werden. Oft fordern betroffene Bürger, in oder in der Nähe der Siedlung zu jagen. Das ist viel zu gefährlich, weil die vorgeschriebenen Waffen einen Sicherheitsbereich von zwei Kilometer und mehr erfordern. Treibjagden in der Nähe der ungezäunten Autobahnen sind ebenso verboten und nicht zu verantworten, weil Autofahrer durch aufgebrachte Wildschweine, Hunde oder durch Schusswaffen gefährdet werden.
Der Forstbetrieb Nürnberg organisiert die Jagd auf Schwarzwild durch eigenes Personal und Jäger, die dafür Erlaubnisscheine erhalten. Insgesamt jagen im Lorenzer und Sebalder Reichswald auf den Regiejagdflächen 180 Jäger. Dazu kommen noch einige Jagdpächter. Seit April dieses Jahres wurden im Sebalder Reichswald 100 und im Lorenzer Reichswald 145 Sauen geschossen. In einer Nacht im September wurde eine Spitzenstrecke von 13 Wildschweinen erreicht. Im vergangenen Jagdjahr wurden in der Regiejagd des Forstbetriebs 360 Sauen erlegt. Forstbetriebsleiter Roland Blank meint: „Wenn der Trend anhält, wird der Forstbetrieb im laufenden Jahr mit seinen Jägern die Wildschweinstrecke des Vorjahres weit überschreiten. Damit sorgen wir vor, dass die Bürger beruhigt ihren Freizeitaktivitäten im Reichswald nachgehen können.“
