Keine Ehrenbürgerwürde für Pompl

Altbürgermeister Rüdiger Pompl wird nicht Ehrenbürger von Lauf. Foto:PZ-Archiv2010/05/pompl_altbürgermeister.jpg

LAUF — Der Laufer Altbürgermeister Rüdiger Pompl, der 29  Jahre im Amt war, wird nicht zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die „Allianz“ im Stadtrat aus SPD, Grünen und FW, lehnte nichtöffenlich   fast geschlossen einen entsprechenden CSU-Antrag ab. Derzeit gibt es in Lauf keinen lebenden Ehrenbürger, zuletzt war im Jahr 1973 Dr. Völker diese Ehre zuteil geworden.

Mit der CSU-Fraktion hatten der FDP-Mann Karl-Heinz Herrmann und von den Freien Wählern Günter Zeltner für die seltene Ehrung des ehemaligen Rathaus-Chefs gestimmt. Mit „unstrittigen Verdiensten um die Stadt Lauf“ begründete CSU-Sprecher Christian Mayer den Antrag. Pompl sei in einer politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeit (1979) zum 1. Bürgermeister gewählt worden habe es mit seiner ruhigen und harmonichen Art geschafft, alle Gruppierungen an Entscheidungen zu beteiligen, Ruhe in den Stadtrat zu bringen und so Lauf zu einer finaziell, sozial und kulturell liebens- und lebenswerten Stadt zu machen.

Trotz hoher Investitionen seien in der Amtszeit von Pompl Schulden abgebaut worden. Die Altstadt wurde zu einem Schmuckstück und die Verbesserung der Infrastruktur in Sachen Kanalisation und Kläranlage war eine Mammutaufgabe. Pompl sei  ein Vorreiter in Sachen Kindergartenplätze (noch vor gesetzlichen Bestimmungen) gewesen und in seiner Amtszeit wurden die Stadtbusse eingeführt. Ohne ihn, so die CSU, gebe es heute weder das Dehnberger Hof Theater noch die Musikschule in der heutigen Form.

Zu einem Juwel in der bayerischen Museumslandschaft sei durch Pompl das Laufer Industriemuseum geworden. Auch über den Laufer Tellerrand habe Pompl hinausgeschaut. Ob mit den Städtepartnerschaften oder mit dem Fest der Nationen. Und Mayer erinnerte daran, dass es eben gar nicht unüblich sei, ehemalige Bürgermeister zu Ehrenbürgern zu ernennen. Beispielsweise sind in Röthenbach die beiden lebenden Altbürgermeister Munkert und Schultes Ehrenbürger der Stadt.

Am Ende nutzten diese Begründungen allerdings nichts. Mit Mehrheit, offiziell darf die Stadt das genaue Abstimmungsergebnis nicht bekanntgeben, wurde der CSU-Antrag abgelehnt. In der Sitzung hatten neben Befürworter Christian Mayer und Karl-Heinz Herrmann (FDP) lediglich Klaus Offenhammer (FW)  das Wort ergriffen und zu erklären versucht, warum diese Ehrung für Pompl eben gerade nicht die richtige sei.

Gegenüber der PZ betonte Offenhammer allerdings, dass er, und wohl auch die Mehrheit im Stadtrat, für die Verleihung der Goldenen Bürgermedaille sicher gestimmt hätte. Diese sei nämlich die aktuelle und praktizierte  höchste Ehrung der Stadt. „Und die Stadt ist bisher auch mit der goldenen Bürgermedaille gut gefahren“.

Vor diesem Hintergrund fehle schlicht auch ein Gradmesser oder eine grundsätzliche Erfahrung darüber, wann diese Ehrenbürgerwürde verliehen werden soll. Eine Satzung sei vielleicht zu eng, aber über Entscheidungsgrundlagen solle schon diskutiert werden. Außerdem, so Offenhammer, und dieser Bergründung schlossen sich in einer PZ-Umfrage mehrere „Allianz“-Stadträte an, habe Pompl zwar einen hervorragenden Job als Bürgermeister gemacht, der ihm Achtung und Anerkennung verschafft habe, allerdings sei diese Arbeit zum Wohl der Stadt auch sein Beruf gewesen und eben nicht aus zusätzlicher, besonderer ehrenamtlicher Tätigkeit entstanden.

Gegenüber der PZ bedauerte Offenhammer die Zuspitzung der Abstimmung, trotz der Geschlossenheit der Allianz wollte er aber hier keine parteipolitischen Gründe sehen. FW-Kollege Martin Seitz, seit zwei Jahren in Stadtrat, bedauert die Entscheidung, weil ja die Verdienste Pompls als Bürgermeister nie angezweifelt wurden, er allerdings den Informationen Glauben schenken musste, wonach das Maß der ehrenamtlichen Tätigkeit ein wesentlicher Aspekt für eine Ehrenbürgerwürde sei. „Mir fehlen hier Grundlagen. Das ist ein echtes Dilemma, das wir dringend lösen müssen.“

Martin Grand von den Grünen kritisiert den Zeitpunkt des Antrages der CSU. Dort habe man im Vorfeld durch Vorgespräche gewusst, dass der Antrag keine Mehrheit findet und ihn gleichwohl gestellt. Die ganze Diskussion, durchaus mit einem postiven Ergebnis für Rüdiger Pompl, hätte er sich persönlich vor zwei Jahren gewünscht.

Die Abstimmung habe nichts mit der Parteizugehörigkeit von Pompl zu tun, so Stadträtin Auernheimer von der SPD. Und man habe sich die Sache auch nicht leicht gemacht und in der Fraktion viel diskutiert, zumal man die gute Arbeit Pompls ja ohne Einschränkungen anerkenne. Am Ende habe sie sich auch von den Argumenten, wie sie Klaus Offenhammer vorgetragen haben, überzeugen lassen und auch den Zusammenhalt der Allianz für wichtig gehalten.

Die goldene Bürgermedaille hielt sie, wie auch ihr Fraktionskollege, 3. Bürgermeister Schweikert, für die bessere Ehrung. „Das war keine einfache Entscheidung“, so Schweikert, am Ende konnte er sich mangels anderer Grundlagen nur dem Maßstab der ehrenamtlichen Tätigkeit anschließen.

Nur Ausreden seien diese Argumente, meint CSU-Stadtrat Dienstbier, es gebe doch kein Gewissen en bloc. Rüdiger Pompl, und das sage jeder, habe sich eben weit über das übliche Maß eines Bürgermeister hinaus engagiert und mit seiner Art fast immer alle ins Boot geholt. Und weil es dafür eben keine Schubladenrichtlinien gebe, wäre die Ehrenbürgerwürde genau das Richtige gewesen.

Mit dieser Ehrung, so die Ansicht des FDP-Mannes Karl-Heinz Herrmann, hätte man Größe zeigen können. Weil eben die Führungsqualitäten und dieses wirklich praktizierte Miteinander über Parteigrenzen hinweg nicht selbstverständlich. „Daran sollte sich jeder Stadtrat erinnern, der früher schon im Rat saß“, sagte Herrmann in der Sitzung.

Die letzten drei Laufer Ehrenbürger waren Dr. Carl-Ludwig Völker (1973), Karlheinz Petersen 1962 und Hans Kohl 1949. Mit Gottlieb Eckert hat 1919 letztmals ein Bürgermeister die Ehrenbürgerwürde erhalten.

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