Unternehmen äußert sich zum Tierschutz

Circus Krone geht nach Vorwürfen in Offensive

In einer Infobroschüre erklärt Circus Krone, wie genau mit den Tieren bei Gastspielen, beim Transport oder bei der Dressur umgegangen wird.2016/08/pz-123313_CircusKronetierschutz.jpg

LAUF (bu) — Das Circus-Krone-Gastspiel von 29. September bis 4. Oktober in Lauf schlägt nach wie vor Wellen: Nachdem die „Aktionsgruppe Tierrechte Bayern“ für den 1. Oktober zu einer Demonstration aufgerufen hat (die PZ berichtete), geht jetzt der Zirkus in die Offensive und erklärt in einer mehrseitigen Broschüre unter dem Titel „Wir lieben unsere Tiere“, wie groß Tierschutz im Unternehmen geschrieben werde.

In keinem Land sei die Haltung von Tieren im Zirkus so ausführlich geregelt wie in Deutschland, schreibt Krone in einer Pressemitteilung. In den „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben“ sind für jede einzelne Tierart unter anderem die Mindestabmessungen der Stallungen und Außengehege, die Dokumentationspflicht über Haltungs- und Trainingsrichtlinien, tierärztliche Versorgung, Futterbeschaffung, Temperaturen und Transportzeiten festgelegt. Die Einhaltung dieser Bestimmungen werde in jeder Gastspielstadt von Amtsveterinären überprüft. „Wir sind der am meisten kontrollierte Tierhalterbetrieb überhaupt“, betont Frank Keller, Tierschutzbeauftragter von Circus Krone.

„Kreuzzüge“ gegen Zirkusse?

Er zieht eine scharfe Grenze zwischen Tierschützern, zu denen er auch den Circus Krone selbst zählt, und Tierrechtsorganisationen wie „Peta“, die mit „beängstigender Rücksichtslosigkeit regelrechte Kreuzzüge“ gegen Zirkusse führen und dabei sogar vor Straftaten nicht zurückschrecken würden, zum Beispiel vor dem mutwilligen Zerstören von Plakattafeln oder „Hetzkampagnen“ in Medien oder Schulen. Spenden flössen gar nicht in den Tierschutz, sondern in Werbekampagnen, argumentiert der Tierschtzbeauftragte, der manche Tierrechtsorganisationen sogar mit Sekten vergleicht.

Doch der Zirkus-Sprecher räumt ein, dass der Gegenwind für Krone in den letzten Jahren zugenommen hat. „Die Proteste schränken uns in unserer Arbeit zwar nicht ein, aber es wird natürlich schwieriger für uns“. Auch deshalb hat das Unternehmen im letzten Jahr mit einer 16-seitigen Broschüre reagiert, in der die Tierhaltung bei Krone – der Zirkus hat um die 100 Tiere im Programm – genau erklärt wird. So wird zum Beispiel geschildert, dass alle Dressuren auf natürlichen Verhaltensweisen und Bewegungsabläufen der Tiere basieren und nicht mit Zwang, sondern nur dank eines jahrelang gewachsenen Vertrauensverhältnisses zwischen Dompteur und Tier möglich seien. So würden sich Elefanten beispielsweise auch in der Natur des „Rüsselstandes“ (hier ruht das Gewicht der Elefanten auf den beiden Vorderbeinen und der Stirn) bedienen, um aus einem Wasserloch zu trinken.

Die Dickhäuter würden bei Krone seit über 20 Jahren in einem Viehweidezaun gehalten, lediglich während der Fütterungszeit seien sie mit Gurten fixiert, um „Futterneid“ auszuschließen. Zudem sei der Zirkus an einem weltweiten Zuchtprogramm zur Erhaltung der seltenen weißen Löwen beteiligt, das von der Artenschutzbehörde genau kontrolliert werde, um Inzucht zu verhindern. Und das viel kritisierte Reisen sei für die Zirkustiere kein Stress, da sie von klein auf daran gewöhnt seien und die Transportfahrzeuge quasi zu ihrem Revier gehören. Studien der Universität Münster hätten keine erhöhten Cortisol-, also Stresshormon-Werte, ergeben.

Die Broschüre greift noch zahlreiche weitere tierschutzrechtliche ­Aspekte auf. „Natürlich gehören die Zirkusse, die es schlecht machen, weg, das ist keine Frage. Aber die, die Tierschutz ernst nehmen, müssen weitermachen dürfen“, sagt Frank Keller. Und noch etwas stellt der klar: „99 Prozent der Tiere im Zirkus sind keine Wildtiere mehr, sondern schon seit Generationen bei uns.“

Demo geplant

Der geplanten Demonstration in Lauf sieht man gelassen entgegen. Protestaktionen gebe es immer mal wieder an Gastspielorten, „aber solange unser Publikum nicht beschimpft wird oder nichts beschädigt wird, ist das ok“. Dagegen sei das Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren, das bereits 45 deutsche Städte erlassen haben, nicht mit dem im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Berufswahl vereinbar. In Darmstadt und Chemnitz zum Beispiel habe Krone erfolgreich dagegen geklagt, der Zirkus durfte auftreten. „Aber wir wollen uns unser Recht nicht erstreiten, das kostet Geld und Zeit und macht keinen Sinn. Schließlich möchten wir in der Stadt, in der wir zu Gast sind, willkommen sein.“

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