Zwischen Kreuzweg und Osterfeuer

Alte Bräuche an den Feiertagen

Das Osterfeuer in Bondorf (Marktgemeinde Schnaittach) erleuchtet den noch dunklen Morgen
Das Osterfeuer in Bondorf (Marktgemeinde Schnaittach) erleuchtet den noch dunklen Morgen2013/04/osterfeuer_bondorf.jpg

NÜRNBERGER LAND (us/sem/as) — Ob Feuer im Morgengrauen oder „Schlattern“ mit hölzernen Klappern: Am Osterwochenende wurde wieder eine Reihe von alten Bräuchen gepflegt. Eine Tour durchs PZ-Land.

Im Osternoher Tal haben die bösen Geister keine Chance. Gleich zwei Osterfeuer brannten hier am Sonntagmorgen, um den Winter zu vertreiben. Der Feuerschein im Westen, am Wirtsberg, war fast erloschen, als die Bondorfer im Osten ihren Holzstoß um 5 Uhr anzündeten.

Der Posaunenchor spielte, die Feuerrede hielt Ortssprecher Georg Wittmann. Er bedauerte, dass es seit dem Weggang von Pfarrer Martin Voss keinen kirchlichen Segen mehr für den Brauch gebe. Wittmann selbst kann sich noch an die fünfziger Jahre erinnern, als er zusammen mit anderen Kindern aus dem Dorf mühsam Holz sammelte, das danach mit einem Ochsengespann von seinem Großvater, dem „Hirtengirgl“, zur Feuerstelle gebracht wurde. Heute kümmert sich sein Bruder Werner darum. Früher gab es auch am Schloßberg ein Feuer, nun ist nur noch neben dem Bondorfer das Osternoher Feuer zu sehen. Es wurde bereits um 3 Uhr entzündet.

Früh aufstehen mussten auch viele Kirchgänger. In der Laufer Kunigundenkirche etwa trafen sie sich um 5.30 Uhr in der Dunkelheit. Wenig später erhellten mehr als hundert Osterkerzen den Raum. In Mariä Himmelfahrt in Neunkirchen begann die Liturgie mit dem Osterfeuer und der Weihe einer Kerze. „Lumen Christi“: Mit diesem dreimaligen Ruf zog der Pfarrer anschließend in das Gotteshaus, wo Speisen und Wasser geweiht wurden. Zum ersten Mal brannte auch in Schönberg vor St. Jakobus ein Osterfeuer.

Alte Bräuche leben vielerorts weiter, zwei Beispiele dafür waren am Wochenende in Neunkirchen zu erleben: Beim „Reideleiersingen“ liefen am Sonntagabend mehr als 20 Jugendliche von Haus zu Haus. Mit einem an einer langen Stange befestigten Korb baten sie um „Reideleier“, also rot gefärbte Eier.

Die Jüngeren waren bereits am Freitag und am Samstag im Einsatz. Zu dieser Zeit schweigen die Kirchenglocken. Mit „Schlattern“, hölzernen Klappern, gehen die Kinder dreimal am Tag durch den Ort und erinnern so an die Karzeit. Einer der „Schlatterer“ war diesmal erst sieben Jahre alt. Auch er musste die sieben Kilometer lange Strecke mehrfach zurücklegen. Belohnt wird der Nachwuchs – auch das ist Tradition – dafür mit Süßigkeiten, Eiern und Geld.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren