Saisonbeginn am 1. Juli

Lauf macht sein Bad doch auf

Noch sind die Liegewiesen im Laufer Freibad leer. | Foto: Krieger2020/06/bad-lauf.jpg


LAUF — Am 1. Juli soll die Saison im Laufer Freibad beginnen. Es gelten strenge Hygienevorschriften, unter anderem ist die Zahl der Gäste auf maximal 250 gleichzeitig beschränkt.

Eigentlich war die Badsaison in Lauf ja schon abgesagt. „Wir können es nicht verantworten“, sagte noch Ende April der Hauptamtsleiter der Kommune, Benjamin Wallner. Viel Deutungsspielraum ließ er nicht: „Das Bad zu öffnen, wäre mindestens grob fahrlässig.“ Das war am 22. April, die Ausgangsbeschränkungen im Freistaat galten seit einem Monat. Die Länder hatten sich gerade auf ein Verbot von Großveranstaltungen geeinigt. Niemand im Laufer Rathaus konnte sich zu diesem Zeitpunkt wohl recht vorstellen, dass die Staatsregierung eineinhalb Monate später den Betrieb von Freibädern wieder erlauben würde.

Auf die zunehmenden Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen hat der Verwaltungs-, Finanz- und Personalausschuss des Stadtrats nun mit einer 180-Grad-Wende reagiert. Das Freibad wird doch geöffnet, entschied er am Donnerstag. Anders als Röthenbach, Hersbruck oder Feucht sagt Lauf die Saison nicht ab. Am Mittwoch, 1. Juli, soll der Betrieb aufgenommen werden – verspätet, aber immerhin.


Entscheidung mit zehn zu fünf Stimmen


Die Entscheidung fiel mit zehn zu fünf Stimmen, ihr ging eine lange Debatte voraus. Klar zu erkennen war dabei, was Lokalpolitiker aus dem ganzen Nürnberger Land berichten: Der Druck auf die Entscheidungsträger ist groß. Die Debatten über die „Freibadfrage“ füllen nicht nur die sozialen Medien, sondern ganze Zeitungsseiten. Und die Argumente werden mitunter in robuster Weise vorgebracht. Ob die bisherige Laufer Haltung „Hysterie oder Bequemlichkeit“ zeige, fragte zuletzt am Tag der Ausschusssitzung eine Leserbriefschreiberin in der Pegnitz-Zeitung.
Wohl deshalb sah sich Bürgermeister Thomas Lang vor der Debatte zu einer Erklärung in eigener Sache genötigt: „Wir haben uns Gedanken gemacht. Wir arbeiten als Verwaltung sehr gründlich.“ Er wiederholte diese Feststellung noch mehrfach an diesem Abend. „Äußerst gründlich“, „gründlichst“ und „intensiv“ wurden ihm zufolge Für und Wider im Rathaus abgewägt. Angesichts dessen fordere er „Respekt im Umgang miteinander ein“, so Lang. „Fragwürdige Überschriften“ , so der Freie Wähler, müsse er nicht hinnehmen.

Fachbereichsleiter Stefan Müller von der Stadtverwaltung, von Lang und Hauptamtsleiter Wallner zum „Chef der Taskforce Baywatch“ erklärt, präsentierte das Konzept, das der Freibadsaison unter Corona-Bedingungen zugrunde liegen soll (siehe Hintergrund). Auf die Feststellung, dass der Sommer 2020 alles andere als ein normaler Freibadsommer werden wird, konnten sich Befürworter wie Gegner der Badöffnung einigen.

Alle betonten, dass sie sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hätten. Er habe sogar eine „schlaflose Nacht“ verbracht, so Adolf Volkmar Dienstbier (CSU). Am Ende sei das Bedürfnis nach Freizeitaktivitäten aber nachvollziehbar – und angesichts des „momentanen Tempos der Lockerungen“ solle Lauf ihm nachgeben. „Familien muss ein adäquates Angebot gemacht werden“, findet FDP-Stadtrat Karl-Heinz Herrmann. „Die Zahl der Neuinfektionen ist zurückgegangen“, so Erika Vogel (Grüne), „viele werden zu Hause bleiben, können sich keinen Urlaub leisten“, da müssten die Stadträte „Möglichmacher“ sein. Hohe Kosten – die Verwaltung geht von zusätzlichen 250.000 bis 300.000 Euro bei ohnehin anfallenden Ausgaben von 380.000 Euro aus – würden wenigstens zum Teil aufgefangen durch den Wegfall von Altstadt- und Kunigundenfest, so ihre Fraktionskollegin Christine Platt.

Auf der Gegenseite: Günther Felßner (CSU). Er sei angesichts einer Pandemie „froh, dass wir heute nur über die Freibadöffnung entscheiden müssen“, so der Günthersbühler. Diese sei letztlich eine Abwägungsfrage: „Was ist wichtiger: der Schutz aller oder ein Stück Normalität für einige wenige?“ Er neige zu mehr Vorsicht. Deshalb könne er nicht für die Öffnung stimmen, „aber es gibt da kein Gut oder Böse“.

„Für die Kinder eine Qual“

Dass das Hygienekonzept „nicht praktikabel ist“, denkt hingegen Martin Seitz, der als sogenannter Versorgungsarzt in der Coronakrise das vertragsärztliche Angebot im Landkreis koordiniert. Vor allem die Kinder spielen in seiner Argumentation eine Rolle: „Abstandsregeln müssen für alle gelten, auch für Kinder. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass sie nicht im Planschbecken miteinander spielen. Ich halte das nicht für umsetzbar. Für die Kinder wäre das eine Qual“.

Den „Buhmann“, so seine eigene Wortwahl, machte auch der SPD-Rat Georg Schweikert. Angesichts der strikten Auflagen werde ein Badbesuch kein echter Freizeitspaß. „Und was, wenn es zu Komplikationen kommt?“ Schweikert hätte das Bad 2020 gern geschlossen gelassen, dafür aber investiert, zum Beispiel in eine neue Seeterrasse – ein Wunsch vieler Badbesucher.

INFO
Gebadet wird in drei Schichten pro Tag

Wenn die Saison am 1. Juli beginnt, werden weite Teile der Liegewiesen gesperrt bleiben. Nur 250 Besucher dürfen zeitgleich ins Bad. Theoretisch erlauben die Vorgaben mehr – doch für die Benutzung der Becken gelten strenge Obergrenzen, „daran haben wir uns orientiert“, so Stefan Müller von der Stadtverwaltung. Der Ausschuss entschied sich für ein „Drei-Schichten-Modell“ mit einer zweistündigen Früh- und Spätschicht (8 bis 10 Uhr sowie 17 bis 19 Uhr) und einer längeren Nachmittagsschicht (11 bis 16 Uhr). Dazwischen muss das Bad desinfiziert werden. Rutschen, Sprungturm und Spielplatz bleiben gesperrt, das Planschbecken ist geöffnet – hier müssen die Eltern für Abstand sorgen. Kinder unter 14 Jahren dürfen ohnehin nur unter Begleitung einer Aufsichtsperson ins Freibad. Tickets werden über ein Online-Buchungssystem verkauft, bei dem die Daten der Gäste erfasst werden. Für alle, die kein Internet haben, gibt es auch Karten im Rathaus. Im Bad erfolgt kein Verkauf. Rund um die Becken und im Schwimmerbecken gilt eine Einbahnstraßenregelung, Innenduschen und Teile der Umkleiden bleiben zu. Sicherheitspersonal soll die Einhaltung der Regeln streng kontrollieren. Die Höhe der Eintrittspreise ist nächste Woche Thema im Stadtrat.

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