Circus Paul Busch gastiert in Lauf

Ihr Zuhause ist die Manege

Silvia Frank, Teil der Zirkusfamilie, war bis vor vier Jahren selbst noch als Artistin in der Manege aktiv. Heute hilft sie dort aus, wo beim Circus Paul Busch angepackt werden muss. | Foto: Cichon2017/09/Circus-Paul-Busch-Heldenwiese-Lauf-Silvia-Frank-Kamel-ci.jpg

LAUF — Was für sie Alltag und harte Arbeit ist, soll anderen Vergnügen bereiten: Die Pegnitz-Zeitung hat beim Circus Paul Busch, der ab dem heutigen Freitag auf der Laufer Heldenwiese gastiert, hinter die Kulissen geschaut.

Laute Kommandos schallen quer über den Platz. Zwei Männer schleppen schwere Zaunteile. Im Hintergrund dröhnt Musik aus dem großen rotweiß gestreiften Zirkuszelt. Dahinter reiht sich ein riesiger Wohnwagen an den nächsten. Aus dem Gehege daneben dringt das laute Wiehern eines Zebras. Der Circus Paul Busch schlägt auf der Laufer Heldenwiese seine Zelte auf.

Paul Busch, Nachfahre der Circus-Busch-Dynastie, suchte einen mittelgroßen Zirkus, der die Tradition seiner Familie weiterführt. Seit 2013 tourt die Zirkusfamilie um Direktor Henry Frank, die bereits in der siebten Generation in der Manege steht, unter seinem Namen durch Deutschland.

Silvia Frank, Schwägerin des Zirkusdirektors, sitzt am Küchentisch ihres Wohnwagens. Die dunklen schulterlangen Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden und der Pony am Hinterkopf festgesteckt. Die 45-Jährige wirkt angespannt und ein wenig müde. Kein Wunder: Die ehemalige Luftakrobatin ist mittlerweile Mädchen für alles beim Zirkus.

Die Familie hält zusammen

Im Nebenraum wartet schon wieder Arbeit auf sie. Die Werbeflyer für das Gastspiel in Erlangen müssen vorbereitet werden. „Beim Zirkus gibt es immer etwas zu tun. Jeder muss mit anpacken. Ob das in der Manege, beim Kartenverkauf oder beim Füttern der Tiere ist“, so Frank. Das funktioniere nur deshalb so gut, weil der 25-köpfige Familienclan fest zusammenhält. Das sei notwendig, weil nach wenigen Tagen der Veranstaltungsort wechselt. Binnen kürzester Zeit muss das Zelt ab- und woanders wieder aufgebaut und die Tiere und Wohnwagen verlegt werden.

Kann bei so vielen Ortswechseln überhaupt so etwas wie Heimatgefühl aufkommen? Frank lächelt. „Zuhause ist, wo unser Wohnwagen steht.“ Ob sie manchmal lieber in einem Reihenhaus mit kleinem Garten wohnen würde? Ein klares „Nein“. „Mir wäre das zu eintönig. Außerdem werde ich unruhig, wenn ich länger an einem Ort bin.“

Bis vor vier Jahren war Silvia Frank noch mit Tuchakrobatik in der Manege zu sehen. Das macht nun ihre Schwiegertochter Angelina Lauenburger. „Tuchakrobatik war schon immer meine absolute Lieblingsnummer. Ich kann mir nicht vorstellen etwas anderes zu machen“, schwärmt die zierliche 26-Jährige. Als sie acht Jahre alt war, sah sie diese Nummer bei einer Akrobatin und wollte sie selbst lernen, erzählt die junge Frau. Vier bis fünf Stunden täglich muss sie dafür trainieren. „Das muss sein, damit der Körper nicht steif wird“, erklärt Lauenburger. Was sie an ihrer Nummer reizt? „Wenn ich mich am Tuch nach unten fallen lasse, gibt mir das einen richtigen Adrenalinkick. Das ist ein schönes Gefühl.“

Angelina Lauenburger zeigt bei den Vorstellungen auf der Laufer Heldenwiese Akrobatik am Tuch. Hier ist die 26-Jährige in der Küche ihres Wohnwagens zu sehen. | Foto: Cichon2017/09/Circus-Paul-Busch-Heldenwiese-Lauf-Angelina-Lauenberger-Artistin-am-Tuch-ci.jpg

Weniger Zuschauer als früher

Akrobatik und Dressur wollen heute aber weniger Menschen sehen als früher, sagt Schwiegermutter Silvia Frank. Viele denken, dass das Angebot nur etwas für Kinder sei, vermutet sie. Dabei sei für alle Altersgruppen etwas dabei. Klassische Nummern werden immer wieder in neuem Gewand präsentiert und neue Tricks einstudiert. Finanziell komme der Zirkus dadurch weiterhin gut über die Runden.

Oft sei man aber auch vom Wetter abhängig, fügt sie hinzu. „Ist es draußen heiß, gehen die Menschen lieber ins Freibad als in den Zirkus“, erzählt sie. Bei einem Gastspiel in Altötting wiederum riss ein Sturm während des Aufbaus den Kassenwagen um. „Der ist in einem 13 Meter langen LKW-Auflieger untergebracht. Den weht es normalerweise nicht so leicht um.“

Warum nimmt man all das dennoch auf sich? Silvia Franks Gesichtsausdruck hellt sich sichtlich auf. „Applaus ist unser Brot. Menschen eine Freude zu bereiten, sollte nicht aussterben. Und wenn die Zuschauer hinterher mit einem Lächeln das Zelt verlassen, dann haben wir das erreicht.“

Der Circus Paul Busch gastiert vom heutigen Freitag, 8. September, bis Montag, 11. September, auf der Laufer Heldenwiese. Heute und am Samstag sind die Vorstellungen jeweils um 16 Uhr und 19.30 Uhr, am Sonntag um 11 und 15 Uhr und am Montag um 15 Uhr. Die Artisten zeigen ihr Können im Todesrad, auf dem Drahtseil oder am Tuch. Außerdem gibt es eine Kamelkarawane und Pferdedressur zu sehen.

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