Drastische Umsatzeinbrüche

Hotelbetten bleiben seit Monaten leer

Hans Lehner präsentiert eines der Zimmer im Laufer Hotel „Zur Post“. Seit Monaten fehlen die Messegäste, die sonst einen Großteil des Umsatzes ausmachen. | Foto: Haase2020/06/Lehner-Hotel-Corona-Zur-Post-Lauf.5.jpg

NÜRNBERGER LAND – Ob Schnaittachtal, Moritzberg oder Hersbrucker Schweiz: Landschaftlich ist das Nürnberger Land äußerst attraktiv und reizvoll. Doch von den Touristen, die es hierher verschlägt, können die heimischen Hotels nicht überleben. Das Nürnberger Land sei „keine Urlaubsregion, wir sind von der Industrie abhängig“, sagt Hans Lehner, der Inhaber des Laufer Hotels „Zur Post“.

Während also in klassischen Ferienregionen die Touristen fehlen, schlagen im Nürnberger Umland und somit auch im Landkreis vor allem die von März bis Oktober abgesagten Messen aufs Gemüt der Hoteliers. 4500 gebuchte Zimmer sind allein in der „Post“ deshalb storniert worden. „Diesen Verlust holen wir nicht mehr zurück“, klagt Lehner.

Zu Messen sind die Hotels ausgebucht

Oft buchten einzelne Firmen für eine knappe Woche das gesamte Hotel, es kämen die gleichen Kunden Jahr für Jahr, etwa zur Heizungsmesse IFH. Doch nun standen die 40 Zimmer monatelang leer, nur vereinzelt verirrten sich Geschäftsreisende nach Lauf. Seit zwei Wochen dürfen zwar auch wieder Privatpersonen kommen, doch das seien oft Durchreisende, die nur eine Nacht blieben.

Vom Staat habe er als Einmalzahlung 30 000 Euro bekommen, „ein Tropfen auf den heißen Stein“ angesichts der wegbrechenden Umsätze, die sich in ganz anderen Sphären bewegen. Das Restaurant blieb einige Wochen geschlossen, aber die Fixkosten liefen ja weiter. Mittlerweile empfängt die „Post“ wieder Kundschaft, es laufe „schleppend“, so der Inhaber. „Wir sind froh, wenn wir kostendeckend arbeiten können. Wir verdienen garantiert nix.“

Fehlendes Trinkgeld

Auch die Belegschaft spüre die Krise, vor allem die Bedienungen, die während der Kurzarbeit nicht nur weniger vom Lohn erhalten, sondern angesichts der Schließung und nun ausbleibender Gäste auch entsprechend weniger Trinkgeld bekommen.

Als „Katastrophe“ bezeichnet Christian Distler die Situation für die Hotelbranche. Der Inhaber des Distlerhofs in Diepersdorf erkennt eine „ganz gefährliche Phase“ für Hoteliers. „Die Gäste, die kommen, wollen top bedient werden, Top-Produkte, alles muss passen“, weiß Distler. Er muss also den Service aufrechterhalten, während die Zahl der Besucher so gering ist, dass kaum etwas zu tun sei. Das Hotel mit seinen 32 Zimmern zuzusperren, sei angesichts der hohen laufenden Kosten keine Alternative.

Im Podcast

„Die Leute haben Angst“

Im Restaurantbereich zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Es kommen, gerade bei schlechtem Wetter, deutlich weniger Gäste: „Die Leute haben sehr viel Angst, im Innenraum will eigentlich keiner sitzen.“ Das Personal in Küche und Service muss er dennoch stellen.

Nicht nur Messen fallen aus, auch Tagungen im Hotel und private Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage wurden massenhaft abgesagt. Gerade solche Veranstaltungen sorgten aber für den Umsatz. Die Essensgäste, die noch kommen, können die Verluste nicht kompensieren. Gleichzeitig stiegen die Kosten durch Hygienemaßnahmen, Desinfektionsmittel koste mittlerweile „fast so viel wie Champagner“, scherzt Distler.

Investitionen müssen warten

Er reagiert auf die Situation, indem er noch mehr selbst mit anpackt, zum Beispiel den vereinzelten Hotelgästen das Frühstück zubereitet. 15, 16 Stunden Arbeit am Tag seien da keine Seltenheit. Der Hotelier will „den Schaden so gering wie möglich halten“, Investitionen wie ein neuer Anstrich für das Hotel müssen nun eben warten.

Fritz Maas teilt die Einschätzung seiner Kollegen. Auch der Inhaber des „Igelwirt“ in Osternohe kämpft mit drastischen Umsatzeinbußen durch die abgesagten Veranstaltungen. „Anfang Februar waren die letzten Messen, danach ging es bergab“, so Maas. Als er nach der Schließung der Restaurants Essen zum Mitnehmen anbot, lief das zunächst gut, doch die Nachfrage wurde immer weniger.

Weniger Restaurantbesucher

Zum Vatertag hatte er sich im Biergarten einiges an Kundschaft erhofft. Es wurde dennoch nur ein Bruchteil des Umsatzes vom Vorjahr. „Sehr traurig“ findet Maas die Situation, gerade weil die Innenräume gemieden werden, weil die Ansteckungsgefahr dort als deutlich höher gilt als im Freien.
Maas sagt, er habe selbst eine Corona-Infektion überstanden. Fünf Wochen lang hatte er trockenen Husten, mittlerweile sei er wieder gesund.

Corona-Versicherung

Maas freut sich, dass seine Tochter, noch bevor die Krise richtig losging, eine Corona-Versicherung abgeschlossen hat. Das sei „ein Sechser im Lotto“, auch wenn noch nicht klar sei, wie viel Geld dadurch fließt. Auch er hat Hilfe vom Staat beantragt. Angesichts der ausbleibenden Gäste und Restaurantbesucher schätzt er für das laufende Kalenderjahr: „Wenn wir beim Umsatz auf die Hälfte von 2019 kommen, haben wir Glück gehabt.“

Mehr Durchreisende als sonst?

Hans Lehner in Lauf indes hat die Hoffnung auf ein paar zusätzliche Hotelgäste in dieser Saison noch nicht aufgegeben: Vielleicht fahren angesichts ausfallender Flüge heuer mehr Skandinavier und Niederländer mit dem Auto in den Süden. So bliebe wenigstens die eine oder andere Übernachtung auf der Durchreise hängen.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren

Weitere Artikel zum Thema