Arbeiter müssen durchhalten

Hitzefrei bekommen nur die Schüler

Bis zu acht Stunden am Stück arbeiten diese Mitarbeiter von Tadano Faun im Freien. Gerade im Sommer gilt dann: viel trinken. | Foto: Kirchmayer2017/06/Tadano-Faun-Hitze-Sommer-Kran-Helme.jpg

NÜRNBERGER LAND — Strahlend blauer Himmel und Freibadwetter – der Sommer ist im Landkreis angekommen. Doch die hohen Temperaturen können schnell zur Belastung werden. Während Schüler auf Hitzefrei hoffen dürfen, steht mancher Arbeiter stundenlang in der prallen Sonne. Die PZ hat sich umgehört, wie heimische Betriebe und Behörden mit der Hitze umgehen.

So mancher Berufstätige erinnert sich gern an die Schulzeit. Wenn es im Klassenzimmer heiß und stickig wurde, kam die rettende Durchsage des Schulleiters: Hitzefrei. Den Rest des Tages verbrachte man im Freibad. Genau darüber durften sich die Röthenbacher Gymnasiasten freuen. Clemens Berthold, Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, hat bereits Anfang der Woche auf die Wettervorhersage reagiert und sich mit dem Direktoratsteam besprochen. Weil absehbar war, dass der gestrige Donnerstag besonders heiß wird, gab Berthold am Dienstag per Durchsage bekannt: Am Donnerstag und am heutigen Freitag ist um 12.15 Uhr Hitzefrei.

Trotz straffer Lehrpläne haben auch die Lehrer dafür Verständnis, dass früher Schluss ist, sagt Bert­hold. Sie litten schließlich genauso unter der Hitze wie die Schüler. Klimatisiert ist kein Raum im Röthenbacher Gymnasium, auch nicht die Lehrerzimmer oder das Sekretariat.

Der Schulleiter entscheidet

Eine bestimmte Temperatur, ab der Bildungseinrichtungen Schüler heimschicken müssen, gibt es nicht. „Das liegt im Ermessen des Schulleiters“, erklärt er. Gut möglich also, dass die Röthenbacher Gymnasiasten schon planschen, während Gleichaltrige anderswo noch über Rechenaufgaben brüten. Falsche Hoffnungen auf viele ausfallende Schulstunden sollten sich Bertholds Schützlinge aber nicht machen: „Hitzefrei ist immer eine Ausnahme“, sagt der Schulleiter. Im Vorjahr ließ er seine Schüler nur an einem Tag früher gehen.

In der Arbeitswelt kann sich aktuell jeder glücklich schätzen, der in einem angenehm klimatisierten Raum sitzt. Das Prüf-, Spann- und Frästechnikunternehmen Emuge Franken mit Sitz in Lauf und Rückersdorf und insgesamt über 1200 Mitarbeitern etwa hat mit der Hitze wenig Sorgen. „Die Fertigungsräume müssen klimatisiert sein, aber auch in den meisten Büros gibt es Klimaanlagen“, so Gerhard Knienieder, Mitglied der Geschäftsleitung.
In Lauf gebe es nur im Altbau noch ein paar unklimatisierte Räume, aber noch sei die Hitze keine Belastung. Und wenn, dann hätten die Mitarbeiter das selbst im Griff – auch wegen der Gleitzeit-Regelung. Wer früher anfängt, kann der größten Hitze schließlich etwas aus dem Weg gehen. Wird es aber richtig heiß, wird bei Emuge Tee ausgeschenkt. Warme Getränke sind verträglicher für den Körper, weiß Gerhard Knienieder – auch bei hohen Temperaturen.

Viel und regelmäßig trinken gilt besonders für diejenigen, die stundenlang unter freiem Himmel arbeiten müssen. Wie jene auf dem Prüffeld des Laufer Kranproduzenten Tadano Faun. Denn der Asphalt, auf dem die Kräne getestet werden, erwärmt sich im Sommer „auf gefühlt 50 Grad“, sagt Andreas Leser, Meister der Abnahme.

Andreas Leser | Foto: Kirchmayer2017/06/Tadano-Faun-Hitze-Sommer-Andreas-Leser-Meister-der-Abnahme.jpg

Diese Temperaturen können zur enormen Belastung werden. „Der Wasserspender ist im Dauerbetrieb“, sagt Leser. Der Kranproduzent bietet seinen Mitarbeitern daneben auch Sonnenbrillen und Sonnencreme an, zudem dürfen sie auch in kurzen Hosen arbeiten – „das ist eine Ausnahme im Handwerk“, sagt Leser.

In zwei Schichten, von sechs bis 14 Uhr und von 14 bis 22 Uhr, sind auf dem Areal nahe der B 14 bis zu 50 Mitarbeiter gleichzeitig im Freien beschäftigt. „Die Frühschicht ist beliebter“, weiß der Meister der Abnahme. Immerhin seien auch im Hochsommer die ersten Stunden erträglich. „Erst um zehn, halb elf Uhr wird es unangenehm. Aber abends kühlt es nicht merklich ab“.

Wer möchte, bekommt auch eine spezielle Netzhaube aus Japan, die man befeuchten und unter dem Helm tragen kann. Ein dazugehöriger nasser Lappen im Nacken sorgt für Kühlung und schützt gleichzeitig vor der Sonne. „Man ist für jede kleine Hilfe dankbar“, betont Leser.

Besser geht es da den restlichen Mitarbeitern beim Kranproduzenten am Faunberg. „Unser neues Verwaltungsgebäude ist komplett klimatisiert“, sagt Alexander Knecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Auch in der Produktion sei Hitze kein großes Thema.

Pitterlein schwitzt

Von wohltemperierten Räumen können die Mitarbeiter der Schnaittacher Verwaltung nur träumen. „Wir haben im Rathaus keine Klimaanlage“, erklärt Bürgermeister Frank Pitterlein, und ergänzt lachend: „Ich schwitze hier am meisten, denn ich habe den heißesten Raum.“ Sein Büro im ersten Stock hat Fenster auf drei Seiten, „da knallt die Sonne zwölf Stunden drauf“, entsprechend schnell erhitzt sich das Zimmer, so Pitterlein.

Hitzefrei für die Verwaltung gebe es nicht, aber dafür wird im Sommer der Dresscode angepasst: „Ich werde zwar nicht in kurzen Hosen kommen, aber die Mitarbeiter dürfen das“, betont der Rathauschef. Er habe schließlich eine gewisse Fürsorgepflicht. Das gelte auch für die Angestellten im gemeindlichen Bauhof, die bewusst darauf achten sollen, anstrengende Arbeiten nicht in der größten Hitze zu verrichten. Und die Mitarbeiter im Freibad, die viel in der Sonne stehen, können sich mit Kopfbedeckungen vor der Sonne schützen und werden vom Bauhof mit zusätzlichem Wasser beliefert.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer

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