Werner Thiessen hat viele Aufgaben

Was macht ein Dekan?

Der Schreibtisch von Dekan Werner Thiessen ist ein Spiegel seiner Arbeit zwischen Theologie und Bürokratie. | Foto: A. Pitsch2017/10/8484956.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Er hält den Kontakt zur Basis – fast wie der große Reformator. Doch als „kleinen Luther“ würde er sich nicht bezeichnen, vielmehr als „Schnittstelle zwischen Kirchenleitung und Gemeinde“: Dekan Werner Thiessen.

Nach zehn Jahren in Altötting wollte Werner Thiessen zurück nach Franken. Die Ausschreibung des Dekanatspostens damals klang gut. Also bewarb er sich und wurde vom Dekanatsausschuss zum neuen Oberhirten für Hersbruck und Umgebung gewählt – ein Vorgang wie bei der Besetzung einer Pfarrstelle, erklärt er.

Als Dekan hat er denn auch gemeindliche Aufgaben in Hersbruck, er ist „zu einem Drittel Stadtpfarrer“. Nur bei großen Dekanaten fällt das weg, ansonsten ist ein Dekan „immer bei einer Gemeinde angegliedert und nicht frei schwebend“, beschreibt es Thiessen. Gelockt habe ihn, der früher als Studienleiter mit Theologie-Studenten gearbeitet hat, das gemeinsame Wirken mit den Pfarrern sowie die Vielfalt an „breit gestreuten“ Aufgaben.

Noch heute empfindet Thiessen, der als Dekan in Hersbruck in Rente gehen möchte, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Geistlichen als „ungemein bereichernd“: „Durch die großen menschlichen Unterschiede ergänzen wir uns alle gut.“ Dieses Miteinander der Männer und Frauen zu unterstützen, beispielsweise in Form von Pfarrkonventen, ist nur eine seiner Pflichten.

„Ein bisschen kann man das Dekanat schon mit dem Landkreis vergleichen, aber wir haben kein Geld“, scherzt Thiessen. Das lässt durchblicken, dass er mit einiger Bürokratie befasst ist. Sein offizieller Auftrag lautet daher: „Der Dekan berät bei allen Fragen der Kirchengemeinde.“ Darunter fallen Bauanträge, finanzielle Förderungen, das Überprüfen und Absegnen von Urlaubsvertretungen sowie die Stellenbesetzung.

„Es ist schwierig, jemanden zu finden, der in den Ort passt, qualifiziert sind alle, aber die Chemie muss stimmen“, sagt Thiessen. Da muss er schon am Telefon abwägen, ob das der Fall sein könnte – bevor der Bewerber vorstellig wird. Dann ist die Frage, ob das Pfarrhaus rechtzeitig fertig wird. „Meist nein, weil unser Verwaltungsapparat sehr langsam ist.“ Und das trotz eines halben Jahres Pflichtvakanz. Betrifft diese die zugeordnete Gemeinde des Dekans – wie im vergangenen Jahr Hersbruck –, ist er die Zwischenlösung.

Beim Thema Stellen hat Thiessen noch eine Funktion – die des Wächters, dass auch alle Pfarrer ihre Vorgaben einhalten. Im Zuge der Landesstellenplanung 2012 wurden die Posten auf Zehntel aufgeteilt. So gibt es ganze oder Dreiviertel-Stellen – „drüber darf der Pfarrer nicht kommen“. Bei den „ganz fleißigen“ Männern und Frauen im Dekanat muss Thiessen darauf achten, dass keiner bei 105 Prozent landet. Aber die „gelungene Kooperation mit Nachbargemeinden schafft Arbeitsentlastung“, findet er. Durch diese Aufgaben arbeitet der Dekan auch viel mit den örtlichen Kirchenvorständen zusammen. „Die sind alle sehr kompetent und mit Freude dabei“, lobt er die Ehrenamtlichen.


Verwaltung bindet Zeit

Die Liste seiner Pflichten ist damit nicht beendet: Thiessen ist Aufsichtsratsvorsitzender im „ganz starken“ Diakonischen Werk, das über gemeinsame Einrichtungen mit der Caritas verfügt. Im Dekanat angesiedelt sind zudem die Dekanatsjugend samt Jugendheim in Grafenbuch und Schulreferentin Kathrin Klinger. Die Henfenfelder Pfarrerin soll nach dem Weggang von Elke Binder übrigens stellvertretende Dekanin werden.

„Die Verwaltung nimmt schon viel Zeit in Anspruch“, gibt Thiessen zu. Aber so bietet er den Geistlichen in den Dörfern „Raum, das Evangelium zu verkünden“. Theologische Impulse setzt Thiessen durch Predigten bei Gottesdiensten, aber in erster Linie wird an diesen bei den Dekanatssynoden gefeilt.
Auch wenn sich die Dekanate erst weit nach der Reformation entwickelt haben, so wird mit der Arbeit des Dekans doch ein Ansinnen Luthers bis heute fortgeführt: der Besuch beim Pfarrer, um zu sehen, ob das Evangelium verkündet wird. Zwar prüft das Dekan Werner Thiessen nicht, aber er ist in „seinen“ Gemeinden viel unterwegs und steht seinen Theologen mit Rat und Tat zu Seite.

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