Tattoo-Studios

Mit Mundschutz beim Stechen

Michael Miedniak hat sein Tattoo-Studio und sich den Hygiene-Vorschriften angepasst. | Foto: A. Pitsch2020/05/IMG-7750.jpg

HERSBRUCK – „Ich habe lange Zeit nicht gewusst, wie es weitergeht“, sagt Michael Miedniak ohne Umschweife. Denn für den Chef von „Midgard Tattoo“ herrschte große Ungewissheit in der Corona-Krise.

„Wir mussten immer extra nachlesen, was für uns gilt“, erzählt er. Das bestätigt auch Harald Jünemann von „TattooArt Franken“. „Auf einmal hieß es: Studio schließen! Feste Termine mussten verschoben werden. Die Kunden riefen mich jeden Tag an und fragten nach – aber ich war genauso planlos wie sie.“ Infos habe er nur über die Medien erhalten.

Als eigentlich freischaffende Künstler seien Tätowierer und Piercer in der Körperpflege untergebracht, erklärt Miedniak. Für sie gelten sowieso strenge Hygiene-Vorschriften: Handschuhe, alles muss desinfiziert werden und jeder Kunde bekommt neues Material. Und wann man nicht gerade am Kopf steche, sei man auch weit genug weg. „Uns prüft das Gesundheitsamt, den Friseur nicht …“

Eine lange Zeit

Daher dachte er, es würde vielleicht schon Anfang Mai wieder losgehen. Dass er nun Montag wieder öffnen durfte, sieht er auch als Verdienst von „bekannten Leuten in der Tattoo-Szene, wie einem Anwalt, die sich eingesetzt haben“. Aber die Wochen vorher, die waren für Miedniak hart: „Ich war noch nie so lange daheim wie jetzt.“

Die Zeit brachte er mit „Assi-Alltag“, wie er scherzhaft sagt, herum: Aufstehen, Kaffee vorm Fernseher, in Haus und Garten werkeln und zwischendrin in Glotze oder Handy schauen. Dabei schnappte er viele Fakten und Sichtweisen zur Corona-Pandemie auf. „Ich glaube, da wurde viel Panik verbreitet, und ich bin gespannt, was da noch an Folgeerkrankungen durch die Masken und andere Dinge nachkommt.“

Auch Jünemann verrät, dass ihm in den sieben Wochen so einiges durch den Kopf gegangen ist: finanzielle Lage, eigene Existenz, ab wann geht es wieder los – mit direktem Kundenkontakt oder nicht? Abgelenkt hatte er sich damit, dass er zwei Wochen lang sein Studio renovierte, Aufträge fertig zeichnete und sich um Bestellungen kümmerte – darunter Hygieneartikel: „Das Desinfektionsmittel wurde aufgrund der aktuellen Lage aus meinen Bestellungen gestrichen.“

Finanzspritze vom Staat

Ein weiteres wichtiges Thema für ihn war die Soforthilfe. Ende März habe er sie beantragt, rund vier Wochen darauf landete sie auf Jünemanns Konto: „Das war erstmal ein kurzes Aufatmen.“

Ähnlich war es bei Miedniak – nur, dass er den Antrag auf die staatliche Unterstützung zweimal stellen musste, bevor es geklappt hat. „Dann war das Geld aber binnen einer Woche da.“ Denn wenn er auch keine Kunden hatte – die laufenden Kosten gingen für ihn als Selbstständigen weiter. „Und mein Vermieter kann ja nichts für Corona.“ Ihm war es wichtig, seine Zahlungen sofort erledigen zu können: „Was nutzt mir eine Stundung, dann muss ich es später zahlen.“

Als 450-Euro-Kraft zwischenzeitlich woanders arbeiten, das hätte er vielleicht gemacht, aber als Selbstständiger gehe das nicht. Also musste Miedniak abwarten – bis Montag: „Ich bin echt überglücklich, dass wir öffnen durften.“

Für Laden und Kunde

Ebenso geht es Jünemann: „Ich bin gut gerüstet und freue mich, dass es wieder los geht – und hoffentlich auch so bleibt.“ Er habe mittlerweile Desinfektionsmittel für Flächen und Haut bestellen können. Einen Hygieneplan hat er ausgearbeitet. Er und seine Kunden müssen Mundschutz tragen während des Termins.

Auch Miedniak hat sich entsprechend vorbereitet – mit eigens designtem Mundschutz und Platte am Tresen. Seine Termine teilt er großzügiger auf, damit sich keiner begegnet und Zeit für Beratungen bleibt, erläutert er. Denn aufgrund seiner Ladengröße darf nur eine weitere Person mit ihm anwesend sein. „Viele verstehen das, andere fragen schon nach Ausnahmen, um das Kind mitnehmen zu können oder so.“ Aber das gehe eben nicht.

Sein Kalender füllt sich stetig. „Wenn es so weiterläuft, dann ist das o.k. für die Krisenzeit.“ Dennoch merke er, dass die Menschen verunsichert sind; auch das Geld sitze nicht so locker wie vorher. Und ein Gedanke lässt ihn nicht los: „Wenn es erneut einen Lockdown gibt, dann habe ich ein Problem.“ Doch vorerst ist er erleichtert, dass „wieder Normalität einkehrt“.

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