Bundesverwaltungsgericht urteilt

Kein „Aloha“ in Lauf

Symbolfoto | Foto: Light Field Studios/Getty Images2020/05/LightFieldStudiosGettyImages-936428676.jpg

LAUF/LEIZPZIG — Doch kein „Aloha“ in Lauf: Der mittelfränkische Polizist Jürgen Prichta hatte keinen Erfolg mit seiner Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht. Zu Recht habe ihm sein Dienstherr eine sichtbare Tätowierung auf dem Unterarm untersagt, entschieden die Leipziger Richter gestern.

Eigentlich hatte der 43-Jährige geplant, bei einem Prozesssieg gleich im Anschluss zu seinem Tätowierer nach Lauf zu fahren, um sich den hawaiianischen Gruß „Aloha“ stechen zu lassen.

Ende eines langjährigen Kampfes

Für die Erfüllung dieses Traums hatte der Polizeioberkommissar bereits seit sieben Jahren vor Gericht gekämpft und zuletzt 2018 vor dem Verwaltungsgerichtshof in München verloren. „Ich bin sehr enttäuscht. Aber es hat sich schon während der Verhandlung abgezeichnet, dass das Urteil nicht zu meinen Gunsten ausfallen wird“, sagt Prichta, der nun auf sein „Aloha“ verzichten wird. „Weitere Tattoos wird es aber auf jeden Fall geben. Nur eben nicht an sichtbaren Stellen.“ Ob er noch Verfassungsbeschwerde erheben wird, hat er sich bisher nicht überlegt.

Bayerischen Polizisten ist es verboten, Tattoos an sichtbaren Körperstellen zu tragen und das wird nach dem Leipziger Urteil weiterhin so bleiben. Diese Entscheidung enttäuscht nicht nur Prichta, sondern auch seine Laufer Tätowierer, die Prichtas Kampf begleitet haben.

„Ich bin sprachlos. Tätowierungen sind gesellschaftsfähig geworden, aber ich kriege selbst mit: Wir sind noch nicht da angekommen, wo wir hin wollen“, sagt Jack Rebel von dem Laufer Tattostudio, in dem Prichta Kunde ist. „Es ist ein bitterer Schlag für ihn und für die gesamte Tattooszene und auch für die Polizisten“, sagt Jack Rebel, zu dessen Kunden einige Polizisten zählen.

Kein schlechterer Beamter

Er sei, so Prichta, „kein schlechterer Beamter“ mit ein bisschen Farbe am Arm. Der Schriftzug, für den er gekämpft hat, wäre nicht sein erstes Tattoo gewesen: Bereits mehrere Motive zieren die verdeckten Stellen seines Körpers, „alle im hawaiianischen Stil“, wie der Polizeioberkommissar sagt.


Prichtas Beruf hat ihn und seinen Laufer Tattoowierer Wojs aus dem Studio von Jack Rebel zusammengebracht: „Ich habe ihn bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle kennengelernt“, sagt der Polizist. 

In einigen Bundesländern sind sichtbare Tattoos im Polizeidienst erlaubt. Der Verwaltungsgerichtshof in München hatte zuletzt 2018 hingegen Prichtas Dienstherrn recht gegeben. Der Freistaat hatte damals argumentiert, die Uniform verschaffe Polizisten einen Vorsprung an Respekt. Tattoos würden diesen „nivellieren“. Ähnlich sah es nun der Verwaltungsgerichtshof in Leipzig, der argumentierte, dass Tattoos nicht mit der Neutralitätsfunktion von Polizisten vereinbar seien.

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