Evangelische Kirche

Jugendarbeit im Dekanat läuft bestens

Dekan Tobias Schäfer und Matze Rapp (v. links) zeigen den alten Jugendbus. | Foto: A. Pitsch2020/03/IMG-7647.jpg

HERSBRUCK – „Gerade kann sich unser Bus wegen der Corona-Krise etwas ausruhen, aber sonst ist er ein wichtiges Mittel unserer Arbeit“, sagen die beiden Dekanatsjugendreferenten Alex Loos und Matze Rapp. Und Letztere boomt.

Das stellt Dekan Tobias Schäfer seit rund eineinhalb Jahren fest: „Unsere Jugendarbeit läuft und vor allem die Ferienangebote sind regelmäßig überbucht.“ Das kann Matze Rapp nur bestätigen: Gerade Freizeiten mit Übernachtungen seien „der Renner“ – egal ob im eigenen Jugendhaus in Grafenbuch oder anderswo.

Das dekanatseigene Gebäude in Grafenbuch sei bis 2023 ausgebucht. „Wir nutzen es selbst, vermieten es aber auch an Wochenenden an andere christliche Gruppen, auch aus den benachbarten Dekanaten“, erklärt Rapp. Bei der Jugendleiter-Ausbildung habe es mehr Anmeldungen als die 37 vorhandenen Betten gegeben. „Da haben Alex Loos und ich im Camper geschlafen“, um noch zwei Personen die Teilnahme zu ermöglichen.

Bus und Haus

So wie die Jugendlichen das Haus in Grafenbuch als „ihr Haus“ wahrnehmen, so tun sie das auch mit „unserem blauen Bus“. Doch der ist mit elf Jahren in die Jahre gekommen, wurde viel an andere Kirchengemeinden ausgeliehen und hat viele teure Reparaturen hinter sich, weiß Loos. „Er ist oft der Startpunkt bei unserer Jugendarbeit.“

So auch bei der kommenden Sommerfreizeit nach Schweden, „ein echter Knaller“. Dafür konnten sich die Jugendlichen erstmals online anmelden. „Die 37 Plätze waren nach 35 Minuten voll“, verrät Rapp. Bei dem Ansturm auf die Angebote müssten die Verantwortlichen überlegen, was machbar ist und was nicht, ergänzt Schäfer.

Eine zweite Freizeit können wir wegen der Anzahl unserer Hauptamtlichen nicht anbieten, da bräuchte es eine dritte Kraft“, erläutert Schäfer. „Das ist das weinende Auge bei aller Begeisterung.“ Und das zu akzeptieren, das müssten auch die Mädchen und Jungs lernen.

Geerdete Ideen

„Natürlich wissen wir nicht, ob das so weitergeht“, meint Rapp realistisch. Aber fest steht: Mit Rapp zog vor rund eineinhalb Jahren frischer Wind in die Dekanatsjugendarbeit ein – etwas, was auch die Jugendlichen zu spüren scheinen, denkt Loos. „Alex bringt seine Erfahrung ein und erdet mich, ich habe viele neue Ideen; wir harmonieren einfach gut“, beschreibt es Rapp.

So hat das Duo mit Traditionen gebrochen und Dinge konzeptionell angepasst: „Wir stehen mit Herzblut hinter unseren Angeboten und das merken die Kids“, finden sie. Genau das ziehe den Nachwuchs auch mit. Die Jugendgremien seien von Bewerbern förmlich überrannt worden. „Diese haben sich dadurch verjüngt; da merkt man den Umbruch“, sagt Rapp. Und über volle Veranstaltungen ließen sich wieder neue Ehrenamtliche finden, „die wir selbst qualifizieren“.

Doch was steckt noch hinter dem derzeitigen Boom? Loos mutmaßt, dass es sich im Prinzip um eine Wellenbewegung handelt. Habe jemand viele Freunde, ziehe er sie mit. Und ist ein Angebot gut, wolle man mehr davon nutzen.

Jugend will Inhalte

Natürlich merken Loos und Rapp aber auch die gesellschaftliche Entwicklung: „Klar brauchen immer mehr Eltern Betreuung für ihre Kinder in den Ferien. Wenn die Qualität hat, dann ist das noch besser.“ Und dass Inhalt gefragt ist, 
das bekommt das Duo, das nach eigener Aussage „aus Freude und Kreativität heraus arbeitet“, zu spüren.

Beim Konvent brachten sie das Thema Nachhaltigkeit mit ein: Jeder durfte nur 25 Sachen mitbringen und zwei Dinge zum gemeinsamen Kochen“, erzählt Rapp. Das Packen sei Vielen schwer gefallen, das Leben damit dann nicht. Auch Klimaschutz und Handysucht seien Themen, die die Kinder an Loos und Rapp herantragen. „Das Spektrum ist viel breiter geworden, viel Wissen ist oft schon da, aber dennoch ist viel mehr Hunger darauf vorhanden als früher“, analysiert Rapp.

Klar werde es immer so sein, dass beispielsweise das Abenteuer reizt – wie der dreitägige Roadtrip nach Schweden in fünf Kleinbussen. Und auch der persönliche Kontakt sei laut Rapp entscheidend: „Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit.“ Daher ist es Rapp wichtig, in den Gemeinden vor Ort aufzutauchen und Menschen kennenzulernen.

Spenden sind nötig

Auf diese Weise öffnen sie sich auch schneller. „Vielen ist auf den Freizeiten wichtig, dass es WLAN gibt – aber nur die ersten Tage“, berichtet Loos. Das werde unbedeutender, je mehr die Jugendlichen Austausch, Kommunikation, Zuhören und Gemeinschaft zu schätzen lernen. „Das spiegelt schon auch wieder, dass die Eltern mehr arbeiten.“

Aber es gebe auch etliche, die sich gerne einbringen – „und sei es nur, einen Kuchen für ein Event zu backen“. Zu solchen fahren die Mädchen, Jungs und die beiden Referenten oft gemeinsam im blauen Bus. „Da hören wir dann schon erstes Feedback.“ Er ist daher wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit, werde auf der Straße erkannt, so Rapp. Doch er muss dringend ersetzt werden, fügt Loos an. Rund 10 000 Euro seien dafür nötig. Zwar sind eigene Mittel vorhanden, doch Spenden gerne willkommen, damit die Erfolgswelle weiter rollen kann.

Kontodaten zur Dekanatsjugend, IBAN DE77520604100301501003

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N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch