Arbeiten an der Harnbachmühle

Gesellen erschaffen ein „Wagenhotel“

Auf der Wiese westlich der Fachwerkscheune soll ein „Wagenhotel“ mit insgesamt vier barrierefrei zugänglichen Wagen entstehen. | Foto: S. Fuchs2018/08/Harnbachmuehle.jpg

HARNBACHMÜHLE – Auf dem Areal der Harnbachmühle, seit 2009 im Besitz der als gemeinnützig und mildtätig anerkannten Mühlenkraft, herrscht derzeit rege Bautätigkeit. Exakt 27 Wandergesellen errichten für den Verein vier (derzeit noch fahrbare) Wagen für ein barrierefreies „Wagenhotel“.

Mit den neuen, gegenüber den ersten Entwürfen deutlich „abgespeckten“ Bebauungsplan werde man in Verhandlungen mit den zuständigen Behörden und der Gemeinde Hartenstein das Baurecht für die zukünftige Nutzung der dann als Sondergebiet ausgewiesenen Harnbachmühle sichern können, so Vorsitzender Jochen Riehl im Gespräch vor Ort. Aufgegliedert in mehrere Bauphasen, wolle man in den nächsten Jahren eine ganzjährige Begegnungsstätte, einen Ort der Inklusion schaffen, an dem Menschen mit und ohne Behinderung leben, arbeiten, gestalten, lernen und sich entwickeln – miteinander, nicht nebeneinander.
Zu Beginn der Sommerferien fiel der Startschuss für Phase eins, die bis ins Jahr 2019 hineinreicht: „Barrierefreies Wagenhotel, Backofen, Kiosk, daneben Sicherung des Baurechts“.

Auf der provisorisch eingerichteten Sommerbaustelle werkeln nun von morgens bis abends („Das Wetter hat es bislang sehr gut mit uns gemeint!“) Wandergesellen, in erster Linie Bauhandwerker, Zimmerer und Tischler beiderlei Geschlechts, ein Dachdecker und eine Schmiedin für die Blecharbeiten und sogar eine Goldschmiedin, die dort zulangt, wo tatkräftige Hilfe nötig ist.

Internationale Helfer

Die Vermittlung der Handwerker kam durch das Vereinsmitglied Tom (wie bei allen reicht ihm der Vorname) zustande, einem an der Harnbachmühle heimisch gewordenen Wandergesellen. Die Gruppe komme zweimal im Jahr für jeweils zwei Wochen zusammen, so wird erzählt, und beim letzten Sommertreffen habe man sich entschieden, im Sommer 2018 unentgeltlich das soziale und gemeinnützige Projekt an der Harnbachmühle zu unterstützen. Nach vierzehn Tagen intensiver Arbeit werden weitere zwei Wochen Sommertreffen im Pegnitztal angehängt, um sich dann wieder getrennt auf die Walz durch ganz Europa zu machen. Nach ihrer Herkunft gefragt, nennen die Gesellinnen und Gesellen Städte wie Berlin oder Bayreuth, aber auch aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sind die jungen, voll engagierten Leute dabei.

Tom, „der Mann vor Ort“, hat bereits im Mai mit einer kleineren Gruppe von Wandergesellen die „Solidaritäts-Baustelle“ vorbereitet. Besondere Unterstützung fand der Verein Mühlenkraft dabei unter anderem von umliegenden Sägewerken, von der Lebensgemeinschaft Münzinghof – zum Beispiel durften in deren Schreinerei Fenster und Türen angefertigt werden –, von der Tafel Hersbruck-Lauf, von der Kaiser-Bräu Neuhaus, von Landwirten und sogar von Privatpersonen aus den benachbarten Orten, die Kuchen vorbeibrachten.

Innenausbau im Winter

Im Winter soll der Innenausbau der Wagenhotels folgen, noch fehlen Fußböden und Einrichtungen wie Stockbetten und Heizung. „Die Einweihung feiern wir, sobald wir das Baurecht erwirkt haben, mit etwas Glück im Frühjahr 2019“, so ein zuversichtlicher Vorsitzender, im Hauptberuf Sonderschullehrer am Förderzentrum im Wichernhaus, Altdorf. Auf die zurückliegenden Gespräche mit den Behörden eingehend, merkt er an, dass bereits einige Regelungen in Aussicht seien. So sei im zukünftigen „abgespeckten“ Bebauungsplan die Verkehrsanbindung über die Ortsverbindungsstraße aus Richtung Rupprechtstegen vorgesehen, mit einem Parkplatz oberhalb der Kläranlage, die Abwässer könnten per Druckleitung in die bestehende Abwasserleitung Enzendorf – Kläranlage Rupprechtstegen gepumpt werden und auch für das Thema Lärmschutz (Steinbruch) sei ein Gutachten mit positivem Urteil eingeholt worden.

Das Bauvorhaben „Barrierefreies Wagenhotel“ sei derzeit die beste (und einzige) Idee, wie das willkommene Geschenk der Gesellinnen und Gesellen angenommen werden konnte, so Jochen Riehl, weil bereits im Oktober die Wanderhandwerker ihre feste Zusage gemacht hätten; zu einer Zeit also, zu der er noch von einem rechtskräftigen Bebauungsplan bis Mitte 2018 und der Errichtung fester Gebäude ausgegangen sei. Da dies jedoch aus verschiedenen Gründen nichts wurde, ist einzig der Bau der vier (mobilen) Wagen genehmigungsfähig.


Workshops folgen

Wie von Seiten des Landratsamtes – Referat Bauen – zu erfahren, können die Objekte aber – fertiggestellt oder nicht – nur für sechs Wochen an derselben Stelle „geparkt“ werden. Eine darüber hinausgehende Aufstellungsdauer auf der derzeit gewählten Wiese sei gemäß der Bauordnung nicht möglich, weil genehmigungspflichtig und beim derzeitigen Stand der Bauleitplanung „nicht baurechtskonform“.

Noch sind die rollstuhlgerechten Wohnwagen nicht fertig. Tom und Kerstin Löhner werden zusammen mit Jugendlichen mit und ohne Behinderung in zehn Workshops für die Fertigstellung sorgen. Barrierefrei werden die Wagen ohnehin erst, wenn sie an Ort und Stelle stehen dürfen und vom Weg aus über Terrassen begehbar sein werden. Auch der Bebauungsplan für das Sondergebiet „Mühle“ muss durch das Genehmigungsverfahren und soll nach dem Winter endlich rechtskräftig werden.

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