Tag des offenen Denkmals

Gottesdienst und Geschichtsstunde

Der evangelische Posaunenchor Joahnnes-Brass umrahmte den Gottesdienst in der Ruine der Laufer Spitalkirche musikalisch. | Foto: Fischer2020/09/gottesdienst-spitalruine-denkmaltag-scaled.jpg

LAUF/SCHNAITTACH – Viele Veranstaltungen gab es in diesem Jahr corona­bedingt nicht am Tag des offenen Denkmals. Die wenigen im Bereich der Pegnitz-Zeitung aber waren bei idealem Wetter sehr gut besucht.

In Lauf beispielsweise wurde aus der Not eine Tugend gemacht und der Denkmaltag mit einem Jubiläum verbunden. Vor 700 Jahren nämlich, 1320, wurde der Nürnberger Glockengießer Herrmann Keßler geboren. Er ist der Stifter des Laufer Glockengießerspitals, das mit Kirchenruine, Spital und Archiv noch heute eines der bedeutendsten Ensembles in der Stadt Lauf ist. Unabhängig davon, dass die Stiftung, die 1374 ins Leben gerufen wurde und alten und kranken Menschen Unterkunft und Auskommen geben sollte, auch heute noch existiert.

Open-Air-Gottesdienst

Statt nun den Glockengießer zu feiern, lud die Evangelische Kirchengemeinde gestern zu einem Open-Air-Gottesdienst in die Ruine der Spitalkirche ein. Wie seit Jahrzehnten schon alljährlich zur Leonhardskirchweih im Herbst.

Rund 100 Gottesdienstbesucher hatten sich mit dem nötigen Abstand auf Bierbänken niedergelassen, Pfarrer Thomas Reuß feierte den Gottesdienst und hielt die Predigt über den Zöllner Zacharis, der nach dem Besuch Jesus die Hälfte seines Geldes den Armen spenden wollte, und der Posaunenchor Johannes-Brass umrahmte die Feier musikalisch.

Den zweiten Teil der Veranstaltung aber bildete eine kleine Geschichtsstunde im sonst abgeschlossen Rund der Kirchenruine. Stadträtin Susanne Koch-Schächtele, stellte den Glockengießer, seine Frau Elisabeth und ihr Wirken für Lauf vor.

„Gottgefälliges Werk“

Man erfuhr, dass es Herrmann Keßler gelang, die Laufer Kirchengemeinde von Neukirchen abzuspalten und selbstständig zu machen. Interessant sicher auch, dass schon fünf Tage nach der Unterzeichnung der Stiftungsurkunden mit dem Bau begonnen wurde und, dass die Leonhardskirche dann im Oktober 1383 eingeweiht wurde. Als „gottgefälliges Werk“ wollte das Ehepaar Keßler, das keine Kinder hatte, die Stiftung sehen. Sie selbst verbrachten dann auch ihren Lebensabend in Lauf.

Im Markgrafenkrieg 1553 wurden Spital und Kirche dann zerstört. Und während die Einrichtungen für Alte und Arme wieder aufgebaut wurden, sollte die Kirche St. Leonhard ganz bewusst, wie Koch-Schächtele erzählte, als Ruine erhalten bleiben. Als Mahnung gegen Krieg und als „Mahnmal für den Frieden.“

Führung in jüdischen Friedhöfen

Grabsteine erzählen üblicherweise Geschichten über Menschen, . Birgit Kroder-Gumann führte am Tag des offenen Denkmals eine Gruppe zu den drei jüdischen Friedhöfen in Schnaittach, jedoch mit dem Tenor auf dem Schicksal von Grabsteinen, die verloren gegangen und wiedergefunden wurden. Sie haben sozusagen eine zweifache Geschichte: Die, die ihre Inschriften erzählen und ihre eigene von Schändung, Verlorengehen und Wiederfinden.

Auf Befehl der Nationalsozialisten wurden 1938 nicht nur in Schnaittach in den jüdischen Friedhöfen alle Steine, die mehr als 50 Zentimeter aus dem Boden ragten, zerbrochen, umgeworfen oder aus dem Friedhof entfernt, zweckentfremdet oder verkauft. Allein im alten Friedhof waren das etwa 400 Grabsteine; zur Trauer kam auch noch die Schmach.

Um die Jahrtausendwende wurde dann begonnen, Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen und in der Schnaittach versenkte Grabsteine oder Teile zu bergen und sie auch von anderen Orten beispielsweise aus Grundmauern, zurückzuführen.

Autoren: Clemens Fischer/Vinzenz R. Dorn

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