Tierheim Feucht feiert Jubiläum

Von Minister bis Mini-Schwein

Tierheim-Vorsitzender Herbert Sauerer mit seinen drei Hunden Afrah, Rosa und Silvo. | Foto: Schulmerich2018/09/Feucht-Tierheim-60-1.jpg

FEUCHT – Hundetötungen in den 50er Jahren, illegale Tiertransporte heute: Die Herausforderungen haben sich verändert, das Feuchter Tierheim setzt sich damals wie heute für das Wohl der Tiere ein. Am Sonntag feiert es 60-jähriges Jubiläum.

Am 30. August 1958 gründete Irmgard Hirschmann, eine Nürnberger Opernsängerin, am heutigen Standort das Tierheim Feucht. Sie wollte Hunde retten. Zur damaligen Zeit konnten diese nur an der Nürnberger Stadtmauer abgegeben werden. Die Abgabe bedeutete den sicheren Tod der Tiere, da sie mit einem Bolzenschussgerät getötet wurden. „Das war damals gesellschaftlich im akzeptierten Bereich“, erzählt Vorsitzender Herbert Sauerer, „Hunde wurden damals genau wie Katzen als Nutztiere gesehen. Wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen konnten, wurden sie weggebracht.“

Um dieser Grausamkeit entgegenzuwirken, gründete Hirschmann zusammen mit weiteren Tierfreunden aus eigenen Mitteln das Tierheim Feucht. „Das Gebiet um das Tierheim war früher noch nicht so stark bebaut und es lag deshalb etwas entfernt vor dem Ort“, erinnert sich Tierheimleiterin Ulrike Lang. „Als ich ein Kind war, wurde das Tierheim einfach nicht so stark wahrgenommen, und das Thema Tierschutz ist auch nicht so in den Vordergrund gerutscht wie heutzutage.“

Das erste „Verwaltungsgebäude“ des Tierheims Feucht. | Foto: Tierheim Feucht2018/09/Feucht-Tierheim-60-Wohnwagen.jpg

In den 50er Jahren galt noch das alte Reichstierschutzgesetz von 1933, dieses wurde erst 1972 abgelöst. Im Lauf der Jahre veränderte sich die Sichtweise auf den Tierschutz und auch das Tierheim in Feucht veränderte sich: Die provisorischen Bretterhütten wichen nach und nach Wohnwägen und später fester Bebauung. Es wurde richtiger Boden verlegt und Strom, Wasser und ein Kanalisationsanschluss folgten.

Der jetzige Altbau des Tierheims stammt aus den 80er Jahren und das Tierheim, so wie man es heute kennt, stammt aus den 90er Jahren. Seit 2006 ist der heute 53-jährige Herbert Sauerer Vorsitzender des Tierheims. Der ehemalige Softwareentwickler lebt nun voll und ganz für die Tiere und ist selber stolzer Besitzer von drei Hunden, von denen er zwei aus einem spanischen Tierheim adoptiert hat.

Ein Schwein namens Rudi

Bleibenden Eindruck haben bei den Verantwortlichen vor allem verschiedene Tiertransporte hinterlassen, so mussten bereits 108 Ponys aus illegalen Tiertransporten auf einen Schlag untergebracht und gemeinsam mit dem bayerischen Tierschutzbund vermittelt werden. „Solche Anrufe kommen immer abends“, scherzt Sauerer.

Nicht alle Erinnerungen sind aber mit einem negativen Ereignis verknüpft. „Einmal ist einem Jungen eine Ziege nachgelaufen, die ist dann auch bei uns gelandet“, erinnern sich beide und auch an das Minischwein Rudi, dass irgendwann stolze 50 Kilo auf die Waage brachte, aber sehr lieb und zutraulich war. „Wir konnten Rudi in gute Hände vermitteln, das gibt schon ein gutes Gefühl.“

Auch die Probleme haben sich mit der Zeit verändert. So ist die Kettenhaltung von Hunden nicht mehr so präsent. Illegale Tiertransporte hingegen sind eins der größten Probleme. Im Mai 2012 kam der erste illegale Welpentransport aus Tschechien ins Tierheim Feucht. 15 Welpen mussten aufgepäppelt und vermittelt werden. Bis heute reißen die Tiertransporte nicht ab: Der jüngste Fall war zugleich der spektakulärste. Im Oktober 2017 nahm das Tierheim 120 Nager auf. Sie stammten aus dem bis dato größten gestoppten illegalen Tiertransport Deutschlands. Rund 7000 Tiere wurden damals in der Nähe von Amberg gefunden (wir berichteten).

„Problem der Bauernhofkatzen“

„Manche Probleme haben sich nicht verändert und sind heute noch so präsent wie früher, so ist das Problem der Bauernhofkatzen nach wie vor aktuell. Wir haben vergangenes Jahr bereits eine Aktion gestartet, bei der Katzen kastriert werden konnten. Wir hoffen so, dem ungewollten Zuwachs entgegenwirken zu können und Tötungen zu vermeiden“, erläutert Sauerer.

Zwiegespalten stehen Lang und Sauerer auch ausländischen Tierrettungsorganisationen gegenüber – gemeint sind hier keine ausländischen Tierheime, sondern Organisationen, die sich ausschließlich der Vermittlung von Tieren ins Ausland verschrieben haben: „Helfen ist eine gute Sache, aber die Lücke die beispielsweise in einer Straßenhundepopulation entsteht, wenn ein Tier gerettet wird, ist genauso schnell wieder durch Nachwuchs geschlossen“, erklärt Sauerer.

Die größte Hürde, die das Tierheim Feucht nehmen muss, ist allerdings die Finanzierung: „Egal zu welcher Zeit, die Finanzen sind immer kompliziert, da wir auf Spenden angewiesen sind.“ Über Mitgliederbeiträge und Vermittlungsgebühren fließen Einnahmen in die Kasse des Tierheims, diese reichen aber nicht aus, um die Ausgaben zu decken.

Im Laufe der Jahre haben schon zahlreiche Politiker der Region das Tierheim besucht. Am Sonntag wird sogar Markus Söder erwartet. „Wir arbeiten gut mit den Lokalpolitikern zusammen und freuen uns natürlich, den Ministerpräsidenten begrüßen zu können“, sagt Sauerer. Die direkte Kommunikation zwischen dem Tierheim und den politischen Vertretern führe zu einem stressfreien Miteinander. „Abgesehen davon ist es wichtig, dass sich die Leute auch selber ein Bild von uns und dem Heim machen können“, fügt Lang hinzu.

In den Jahren nach dem Jubiläum möchte das Tierheim seine Kleintierabteilung erweitern, um den Bedürfnissen der Tiere besser nachzukommen. Außerdem stehen eine Quarantänestation für Kleintiere und ein neues Vogelgehege auf der Wunschliste. 

Das Tierheim bietet am Sonntag, 9. September, ab 11.30 Uhr verschiedene Infostände, einen professionellen Tierfotografen und Hundefriseur sowie ein Shopping-Zelt für Tierzubehör. Auch für die kleinsten ist von Kinderschminken bis Hüpfburg alles geboten. Auch für das leibliche Wohl wird durch verschiedene Foodtrucks gesorgt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter tierheim-feucht.de.

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