Seit Montag sind religiöse Versammlungen erlaubt

Die ersten Gottesdienste finden wieder statt

Dekan Stefan Alexander und Mesnerin Sylvia Tripp zeigen, wie die neue Normalität in St. Otto aussieht: Gottesdienstbesucher müssen zwei Meter Abstand einhalten. Der Mundschutz ist auch während des Gottesdiensts Pflicht, außer für diejenigen, die im Rahmen der Liturgie sprechen. | Foto: Andreas Sichelstiel2020/05/gottesdienst-corona-st-otto-neu-abstand-pfarrer-alexander.jpg

LAUF – In St. Otto liegen Messkelch und Hostienschale schon bereit. Aber daneben befinden sich Gegenstände, die in der katholischen Liturgie so bisher nicht vorkamen: Einweghandschuhe und Händedesinfektionsmittel. Und doch braucht sie Dekan Stefan Alexander, wenn er ab sofort den Gläubigen wieder die Kommunion austeilt. Alexander ist anzumerken, dass er noch nicht so recht weiß, was er davon halten soll. „Es ist eine Testphase“, sagt er.

Diese Testphase beginnt in den meisten katholischen Gemeinden im PZ-Verbreitungsgebiet an diesem Wochenende. Bereits am Samstagabend stehen die ersten Messen oder Wort-Gottes-Feiern an.

Die evangelische Kirche zögert teilweise noch, will in Lauf, anders als etwa in Röthenbach, noch bis Pfingsten warten und vorerst weiter auf Live­stream-Angebote im Internet setzen.  Doch es ist Fakt: Nach rund sieben Wochen Verbot dürfen seit Montag dieser Woche wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden – unter Auflagen. 

Strenge Hygieneauflagen

Die vielbeschworene neue Normalität hat auch in den Kirchen Einzug gehalten. Das Desinfektionsmittel und die Handschuhe sind nur ein kleiner Teil dessen, was seitenlange Hygienekonzepte jetzt vorgeben. So müssen Gottesdienstbesucher etwa eine Mund-Nase-Bedeckung und ihr eigenes Gesangbuch von zu Hause mitbringen, in St. Otto müssen sie sich sogar zuvor telefonisch anmelden. „Das übernimmt eine rührige Kirchgängerin, die jetzt im Seniorenheim festsitzt, sie freut sich, wenn bei ihr das Telefon klingelt“, so der Dekan.

Der Hintergrund dieser Maßnahme: Damit die Gläubigen den vorgeschriebenen Mindestabstand von zwei Metern einhalten, dürfen statt maximal 300 nur noch rund 75 von ihnen in die Kirche. 

Die Bänke werden recht leer sein

Farbige Punkte auf den Kirchenbänken markieren, wohin sich Gottesdienstbesucher setzen sollen. In manchen Reihen wird es am Samstagabend um 18.30 Uhr, wenn die erste Wort-Gottes-Feier in St. Otto stattfindet, demnach ganz schön einsam sein: Gerade einmal eine Person darf dort Platz nehmen, damit sie ausreichend weit von ihrem Vordermann entfernt ist.

Das sogenannte Schutzkonzept, dass die bayerischen (Erz-)Diözesen gemeinsam erarbeitet haben, sieht ein weiteres Novum vor: Einlasskontrollen. Ordner, die keiner Covid-19-Risikogruppe angehören dürfen, sollen für die Durchsetzung der Regeln sorgen. Sie müssen unter anderem „unkontrollierten Zugang“ zur Kirche verhindern. 

Das Papier birgt auch manches Kuriosum. Ihm zufolge darf im Gottesdienst zwar gesungen werden, aber „allenfalls in sehr reduzierter Form“. So soll Tröpfcheninfektion vermieden werden. Wie aber singt man in „reduzierter Form“, noch dazu mit einer Maske im Gesicht? Der Dekan weiß darauf keine rechte Antwort, spricht von „verhaltenem Singen“. 

Weil Chorgesang hingegen zwar grundsätzlich verboten ist, aber kleine Vokalensembles zulässig sind, wollen viele Gemeinden – so auch St. Otto – auf Scholagesang setzen, also Gruppen von zwei, drei oder vier Sängern. Immerhin: „Orgelspiel ist zulässig“.

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Gläubige sind froh

Viele Gläubige seien erleichtert, dass Gottesdienste nun wieder erlaubt sind, sagt Stefan Alexander. Die Eucharistiefeier, die vielen Katholiken wichtig ist, birgt zugleich aber die größten Schwierigkeiten, zumindest aus virologischer Sicht. Der Priester soll die Hostien mit Schutzhandschuhen und „größtmöglichem Abstand“ austeilen, so das Schutzkonzept der Diözesen. Und weiter: „Sollte es bei der Kommunionspendung zu einer direkten körperlichen Berührung der Hände (…) kommen, wechselt der Priester die Handschuhe. “ 


Wie das alles mit der Würde des Sakraments zusammengeht, das ist wohl auch Teil der Testphase. Beim Einkauf im Supermarkt oder in der S-Bahn, meint Alexander, seien die Regeln weniger streng, „da fragt keiner danach“.

Weil Pfarreien zusammengelegt werden und es dadurch weniger Pfarrer gibt, ist die Zahl der Eucharistiefeiern ohnehin rückläufig. Die Pandemie beschleunigt diese Entwicklung: Reine Wort-Gottes-Feiern werden künftig häufiger sein. Ein weiterer Begleiteffekt: Das digitale Angebot wurde ausgebaut, You­tube-Videos und Newsletter sollen beibehalten werden.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es trotz großer Vorsicht bei einem Gottesdienstbesuch nicht. Das betont der Dekan. Deshalb ist für ihn auch klar: „Nur wer sich wohlfühlt, soll kommen.“ Es sei legitim, weiterhin zu Hause zu bleiben. Bewusst würden sich manche Gemeindemitglieder dafür entscheiden. 

Wo gibt es wieder Gottesdienste?

Eine Übersicht über die am Wochenende anstehenden Gottesdienste veröffentlicht die Pegnitz-Zeitung in ihrer morgigen Ausgabe. Gemeinden, die ihre Termine noch nicht gemeldet haben, werden gebeten, dies nachzuholen, etwa per E-Mail an [email protected]

Anmeldung in Lauf

Wer die Messe oder eine Wort-Gottes-Feier in St. Otto besuchen möchte, muss sich zuvor unter Telefon 09123/985879 anmelden. In anderen katholischen Gemeinden im PZ-Gebiet ist dies nicht nötig.

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