Weißer Kastenwagen mit Aufschrift „Bau-Bezug“ unterwegs

Reisende Einbrecher kundschaften Anwesen aus

Besonders beliebt bei Einbrechern: Türen an der Rückfront von Gebäuden, die oft aus der Nachbarschaft nicht eingesehen werden können. | Foto: Fotolia2014/07/einbruch.jpg

ALTDORF/BURGTHANN/RASCH – Die großen Ferien stehen vor der Tür – und deshalb bald viele Häuser und Wohnungen leer, weil die Bewohner in Urlaub fahren. Ein Paradies für Einbrecher, die offenbar derzeit unterwegs sind und Anwesen auskundschaften. Leser aus dem Verbreitungsgebiet des Boten schildern von merkwürdigen Begegnungen, bei der Polizei gehen laufend Hinweise auf Unbekannte ein, die unberechtigt auf Privatgrundstücken auftauchen.

In der vergangenen Woche hat eine 86-jährige Frau in Stauf am Kopernikusring beim Betreten ihrer Wohnung einen Einbrecher dabei ertappt, als der ein Rollo hochschob. Der Unbekannte ergriff daraufhin die Flucht und hinterließ 300 Euro Schaden an Rolladen und Fenster. Die Seniorin sah dann, dass der Täter mit einem weißen Kastenwagen mit der Aufschrift „Bau-Bezug“ davon fuhr.

Zeuge beobachtete den Wagen

Wenige Tage zuvor hatte ein Zeuge im Rascher Gasswiesenweg dasselbe Fahrzeug beobachtet und sich zum einen über die seltsame Aufschrift und zum anderen über das langsame Fahren des Transporters gewundert. Als der Zeuge dann in der Zeitung von dem verhinderten Einbruch in Stauf las, rief er bei der Altdorfer Polizei an und schilderte seine Beobachtungen. Hier sei ganz offensichtlich ein Beobachter-Trupp unterwegs, der Anwesens für Diebstähle auskundschaftet, erfuhr er dann. Mittlerweile ermittelt die Kripo. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Unbekannten um sogenannte reisende Täter, die sich nie lange an einem Ort aufhalten.

Stichwort „Reisende“: Seit Anfang des Jahres reisen regelmäßig Bettlergruppen aus Rumänien und Bulgarien ein, die an Haustüren klingeln oder vor Supermärkten auftauchen und herzergreifende Geschichten erzählen. In der Kindsbühlstraße in Burgthann versuchten sich Unbekannte Zutritt zu einem Haus zu verschaffen, nachdem sie an der Haustür gebettelt hatten. Die 84-jährige Mutter der Hauseigentümer wollte Geld für die Bettler holen, als sie merkte, dass die ihr ins Innere folgen wollten. Daraufhin versperrte die Seniorin vor den Unbekannten die Haustür.

Ähnliches geschah in Unterferrieden, wo Unbekannte bereits im Hausflur standen, nachdem eine Wohnungsinhaberin nach dem Klingeln den Türöffner betätigt hatte. Die Frau hatte aufgemacht, weil sie zunächst dachte, ein Familienangehöriger habe geklingelt, und erschrak dann gehörig, als wildfremde Menschen im Flur standen und bettelten. Genauso geschah es in einem Mehrfamilienhaus in Mimberg: Dort klingelten Fremde gleich an mehreren Wohnungen, irgendjemand betätigte dann den Öffner. Bettler fielen auch auf dem Parkplatz von Lidl in Ochenbruck auf und vor geraumer Zeit vor der Gaststätte Hansabauer in Mimberg.


Betteln ist keine Straftat

Hauptkommissar Martin Kupka, Leiter der Polizeiinspektion Feucht, kennt das Phänomen der reisenden Bettlergruppen. Und er kann auch das Unbehangen der Menschen in seinem Zuständigkeitsbereich nachvollziehen, wenn plötzlich Fremde in ihren Gärten, auf ihren Terrassen oder in ihren Hausfluren stehen. „Allerdings ist Betteln keine Straftat“, stellt Kupka fest. Strafbar machen sich die Bettler erst dann, wenn sie besonders aufdringlich auftreten und den Straftatbestand der Nötigung erfüllen. Der Altdorfer Polizeichef warnt auch davor, alle südosteuropäischen Bettler pauschal in die Nähe von Straftätern zu rücken. Das provoziere Ausländerfeindlichkeit. Sein Rat: Unbekannten gegenüber ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. Und wenn sich die Fremden verdächtig oder über die Maßen aufdringlich benehmen, einfach die Polizei benachrichtigen. Am wichtigsten aber: Immer Türen und Fenster verschlossen halten und sein Eigentum so gut wie möglich sichern.

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