Kunstfenster der Raiffeisenbank

Unvereinbares von Inge-Bärbel Drexel in Hersbruck

„Inneres Leuchten“ heißt diese Arbeit von Inge-Bärbel Drexel, die derzeit in den Kunstfenstern der Raiffeisenbank zu sehen ist. | Foto: privat2021/08/Raiffeisen.jpg

HERSBRUCK – Inge-Bärbel 
Drexels Leben ist bewegt. Die Arbeiten der Künstlerin, die seit fünf Jahren auch Hersbruckerin ist, legen mit vielen Facetten und autobiographischen Elementen Zeugnis ab davon, wie diese Bewegung in ihrer Seele einen Widerhall fand.

Die Vielfalt ihrer Stilrichtungen beginnt mit einem „Objet trouvé“: Inge-Bärbels ersten Kinderschuhen, die leibhaftig, fast wie ein archaölogisches Fundstück, auf einem weißen, lebhaft strukturierten Untergrund aus Pappdeckel, Mullbinden, Klebstoff und Sand angeordnet sind. Drexel trug sie, als sie fünf war, und da fing die Bewegung in ihrem Leben schon an: Die vielfache deutsche Meisterin im Turnen, Irma Walther Dumbsky, nahm das Kind in Nürnberg unter ihre Fittiche und brachte es zum Hochleistungssport. Im Kunstturnen war Drexel in der Nationalmannschaft und rutschte an der olympischen Teilnahme zweimal nur knapp vorbei.

Doch auch das kreative Schaffen war von Anfang an fest in ihrem Leben verankert, Textil war die Technik ihrer Wahl. Früh hatte sie einen bedeutenden Mentor an der Seite, der in seiner Kritik allerdings nie ein Blatt vor den Mund nahm. Der renommierte Professor Emeritus der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und in der Region weithin bekannte Maler Werner Knaupp war und blieb als Ehemann ihrer besten und lebenslangen Freundin eine stete kritische Präsenz in Drexels Kunstschaffen.

Den Ritterschlag aus seinem Munde erhielt sie erst kürzlich. Über eine während des Corona-Lockdowns entstandene Serie von Drucken mit dem Titel „Knock-down unserer Erde“ sagte Knaupp: „Wenn ich noch jung wäre und noch Lehrer an der Akademie – jetzt würde ich dich als Kunststudentin aufnehmen!“ Die besagte Serie etwa postkartengroßer Drucke ist auf die Farben Blau, Schwarz und Weiß reduziert und zeigt in lebhaft gestischem Arbeiten, mit Rissen und Flecken die sich verdüsternde Perspektive für die Erde.

Teppich als Kunstwerk

Die Liebe zum aufwendigen textilen Arbeiten stellte Inge-Bärbel Drexel hintan, als es galt, vier Kinder großzuziehen. Verschwunden ist sie aber nicht. Am deutlichsten sichtbar wird es in einer Arbeit, wo der runde Gobelinteppich, den ihre Großeltern 1913 zum Hochzeitstag bekamen, in Malerei eingebettet ist. Wie bei ihren Kinderschuhen ist es eine fast dokumentarische Herangehensweise, mit der Drexel geliebte Erinnerungsstücke in Kunst umwandelt.

Weniger auffällig blitzen Spitzendeckchen in der Arbeit „Aus der Vergangenheit“ immer wieder aus dem lebhaft strukturierten Bildgrund. Ganz schlicht dagegen und die Ruhe eines Zen-Gärtchens ausstrahlend ist die Installation „Perspektivenwechsel“. Eine Platte mit Ritzzeichen und dem rostigen Nagel, der sie verursacht hat, eine harmonisch fließende Schwarz-Weiß-Zeichnung und ein großer, runder Kiesel sind übereinander angebracht.

Ordnung von Farbe und Material

„Mich interessiert das Gegensätzliche“, so Drexel. „Dem Kontrast zwischen Lebendigkeit und fester Struktur, zwischen rund und eckig, zwischen Alt und Neu, dem möchte ich gerne nachgehen.“ Dabei bleiben ihre Arbeiten meist ungegenständlich, abgesehen von den greifbaren Gegenständen, die integriert werden.

Kaum zu glauben, dass Drexel erst später im Leben die Möglichkeit hatte, sich der Kunst intensiv zu widmen. In Kursen, auf Malreisen und Symposien und auch in einer Ausbildung zur Kunsttherapeutin vertiefte sie, was schon in Kindertagen angelegt war: der Drang, Erlebtes in eine künstlerische Form zu bringen. Dabei experimentiert sie gerne, bis eine Bildidee sich zeigt, oder sucht Materialien zusammen, um eine bestehende Idee auf den Malgrund zu bringen. „Was ist dazwischen? Was liegt davor, was dahinter? Welche Stimmungen und Anmutungen liegen obenauf?“ Mit diesen Überlegungen ordnet sie Farbe und Material an, bis Gegensätze versöhnt und das Unvereinbare vereint ist.

Die Ausstellung ist noch bis Ende August zu sehen.

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