Aktuelle Themen im Gepäck

Nur mal angenommen: Bruno Jonas in Röthenbach

2019/11/Bruno-Jonas-KD-Halle-Rothenbach-22.11.19-Foto-Beck-2.jpg

RÖTHENBACH – Was erzählt ein Kabarettist, der 47 Jahre auf der Bühne steht und dessen Lieblingsthemen durch jahrelange Rundfunk–Präsenz in ganz Deutschland bekannt sind? Bruno Jonas hat sich in seinem Programm „Nur mal angenommen“, das er seit 2016 aufführt und an aktuelle Gegebenheiten anpasst, für einen Rundumschlag entschieden.

Im Galopp und mit weiten Themensprüngen führt er sein Publikum in der nicht ganz ausverkauften Röthenbacher Karl–Diehl–Halle durch alle politischen, kulturellen und moralischen Themen, die die Gesellschaft im Moment bewegen. Dabei lässt er kein Gesicht, von Joschka Fischer, über Donald Trump bis Annegret Kramp–Karrenbauer, ungeschoren davonkommen.

Fans sind mit Bruno Jonas gealtert

Die Zuhörer im Raum, die die aktuellen Themen eher von links betrachten, müssen viel einstecken. Mit Sätzen wie „Integration ist keine Einbahnstraße“ treibe ihn die Grüne Katrin Göring–Eckart zur Weißglut und seit eine deutsche Studentin erforscht habe, dass das „-ling“ am Wortende von Flüchtling diskrimierend sei, benutze er stattdessen das Wort „Flüchtel“.

Dass seine Fans mit ihm zusammen alt geworden sind, ist offensichtlich. Doch damit geht er unbefangen um. „Wenn ich mich hier so umsehe, würde wohl das Thema Rente auf fruchtbaren Boden fallen“, sagt Jonas und ist damit bei dem Thema Grundrente: „Die SPD Politiker beschweren sich jetzt über die Alters­armut. Jemand sollte ihnen stecken, dass sie in den letzten 20 Jahren Regierungszeit für die sozialen Themen zuständig waren.“ Eine Einschätzung, für die er viel Applaus erntet.

Bruno Jonas in Röthenbach : Alle bekommen ihr Fett weg

Auch die „Digital Revolution“, Feministin Judith Butler und Klima-Aktivistin Greta Thunberg müssen dran glauben. „In neun Jahren kommt ja angeblich der ,Point of no return‘, ab dem das Klima endgültig zerstört ist. Ich gönne mir jetzt jede Woche ein gutes Entre-Cote, bevor es zu spät ist und zwar jeden Freitag“, sagt Jonas.

Mit seiner konservativen Sichtweise kann er vor allem seine älteren Stammgäste unterhalten. Der Rest der Zuhörer rutscht unangenehm berührt auf den Sitzen hin und her und hofft, dass einige der Ansichten meilenweit überzogen sind.

Humor ist Geschmackssache

Sein Programm als der Rentner „Packerl–Bruno“, der in seiner Wohnung die Pakete aller Nachbarn lagert und mit seinem „Zustelltürken“ Murat per Du ist, ist nur selten der Rahmen seines Monologs. Mit der musikalischen Einlage „Ich bin ein Klugscheißer“ an der Gitarre und der gnadenlosen Abreibung für Donald Trump, der wahrscheinlich als Charakter für ein Computerspiel erschaffen wurde, kann er das Publikum wieder vereinen.
Mit der Kritik an der aufrüstenden Annegret Kramp–Karrenbauer und der Aufforderung der USA, Deutschland solle mehr Geld ins Militär investieren, legt Jonas eine 180–Grad–Wendung aufs Parkett und es wird deutlich, dass er in einer Zeit Politik studierte, in der die Friedensbewegung in Deutschland stark war. „Früher haben wir gesagt ,Wir greifen an‘, heute heißt es ,Wir müssen Verantwortung übernehmen‘“, sagt Jonas und regt sich darüber ehrlich auf.

Mit seinen provokanten Aussagen geht Jonas offen um: „Manchmal sagen mir Zuschauer, ich solle aufpassen, dass ich den Beifall nicht von der ,falschen Seite‘ bekomme. Aber wird das Richtige falsch, wenn es der Falsche sagt?“ Von seinem Röthenbacher Publikum erhält er zum Schluss stampfenden Applaus. Humor ist eben Geschmackssache. 

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck