Bernd Regenauer mit aktuellem Programm in Schwarzenbruck

Nützel reloaded

Bernd Regenauer von einer seiner besten Seiten. | Foto: Foto: Krätzer2016/01/schwarzenbruck-Regenauer_baeggindaun_01-2016_580.jpg

SCHWARZENBRUCK – Eigentlich dachte man, dass sich Kabarettist Bernd Regenauer von seiner Kultfigur Harald Nützel verabschiedet hätte. Doch nun meldete er sich nach zehn Jahren Nützel-Abstinenz mit seinem alter Ego zurück – quicklebendig, etwas abgeklärter, aber dabei genau so konsequent-inkonsequent wie zuvor. In der Schwarzenbrucker Bürgerhalle gab es ein Wiedersehen mit dem nach jahrelangem Herumziehen als Reiseleiter wieder im Staatsdienst angekommenen, fränkischen Urgestein.

Folgerichtig heißt das Programm auch auf gut Fränglisch „Nützel – bäggindaun“ und klingt damit eher wie ein Western, bei dem der Held mittags, einsam durch die leergefegte Hauptstraße tapfer seinem Schicksal entgegenschlendert. Für Bernd Regenauer, den bekannten fränkischen Kabarettisten, Autor und Vater der „Metzgerei Boggnsagg“ ist „bäggindaun“ ein reizvolles Wiederentdecken seiner skurrilen Bühnenfigur unter neuem Blickwinkel. Zu zweit sind sie unschlagbar, erhielt der Kabarettist für diese Bühnenfigur in seinem Programm „Mensch Nützel“ ja den Deutschen Kabarettpreis (Sonderpreis).

Von einem einsamen Helden hatte der Nützel Harald schon immer etwas: Wie er sich immer für seine fränkische Heimat ins Zeug legte, sich dabei um Kopf und Kragen redete, alle Fettnäpfen fand und an den Frauen in seinem Leben verzweifelte. Geradeso liebte man ihn, lachte über ihn und genoss seine Höhenflüge wie Abstürze. So betrachtet, ist er sich treu geblieben und Regenauer knüpft damit nahtlos an sein bewährtes Erfolgsrezept an. Etwas grauer geworden ist der alte-neue Mann des bayerischen Heimatministeriums in Nürnberg („im Auge des Lebens“) vielleicht, den Söders Ruf ereilte – nur zu gerne folgt er ihm in die geordnete Sesshaftigkeit einer Behörde.

Er brennt vor Enthusiasmus

Vor Enthusiasmus brennend will er, zwischen Kisten in einer Abstellkammer einquartiert, Franken an allen Fronten nach vorne „peitschen“ – vor allem was Struktur und Image betrifft.

Vor diesem Hintergrund lässt sich herrlich schwadronieren, wie bei den diversen Anrufen, die Nützel dummerweise auch mal annehmen muss. „Dafür oder dagegen“, schmettert er beispielsweise einem Anrufer entgegen, der bald wieder verschreckt auflegt.

Oder er erzählt, dass ein Computerprogramm bei Fotos als Fehlerkorrektur Markus Söder automatisch einfügt: in der Sauna, am Grab oder bei Schwangeren im Ultraschallbild des Babys. Großartig kann man dabei auch pointiert über die Liebe der Oberbayern und Franken philosophieren. Klasse der Dialog mit den fränkisch-bayerischen Verständigungsschwierigkeiten, nur über den Umweg einer Übersetzung ins Hochdeutsche können sich Nützel und sein Münchner Kollege Meusel verständigen.

Von Breitband – genial die Szene mit der feierlichen Einweihung des Breitbandanschlusses, bei der der Bürgermeister fatalerweise wie gewohnt das „Band“ durchschneidet – bis zu philosophischen Betrachtungen, von Gesellschaft, Provinz bis Weltwirtschaft und Weltanschauung, reicht die Mischung. Temporeich angerichtet und schwungvoll servieren sie Nützel/Regenauer ihrem Publikum, detailiert und akribisch ausgearbeitet, besonders die exakt getakteten Dialoge am Telefon.

Um das Glücksempfinden in Franken geht es dabei genauso, wie um die Gewerbegebiete („so nah am Kuhstall gebaut, dass die Kühe durch das Geschäft auf die Wiese laufen müssen“) und das Islamverständnis in „der Fränkischen“: In Erwartung von 70 Jungfrauen im Paradies konvertieren dort alle Männer zum Islam.

Witzig und surreal

Witzig, kurzweilig, bis zum surrealen Schluss mit Strukturtapeten und Tanz mit Ilse Aigner. „So lange es in Franken so is’, wie’s is, is’ immer noch besser, als wie’s sein könnt“ – begeisterter Beifall für ein perfekt gespieltes Programm, ausbalanciert zwischen Schein, Sein und Wahn.

Dorothée Krätzer

N-Land Der Bote
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