Ausstellung

Neues Raiffeisen-Kunstfenster in Hersbruck

Die Nymphe erinnert an mythologische Darstellungen und erscheint zwischen farbigen Blöcken doch ganz zeitgemäß. | Foto: Burzi2021/04/burzi2.jpg

HERSBRUCK – Frauengestalten und -portraits von Federica Burzi sind in den nächsten Wochen in den Kunstfenstern der Raiffeisenbank in der Frankengasse zu sehen. Sanfte Naturtöne wie Terra di Siena, Altrosa, mildes Petrol und Grün sind mit leichter Hand und lockerem Pinsel auf Papier oder Leinwand gebracht.

Mythologische und märchenhafte Szenen und kindliche Gesichter sind zu sehen – und kleine Irritationen finden sich ebenso: scheinbar unvollendete Bilder, ein Farbfleck mitten im Gesicht, ein Gesicht, das hinter kreisförmigen Pinselstrichen verblasst, bis nur noch das Auge im Mittelpunkt des Gemäldes den Blick des Betrachters aufmerksam erwidert.

Federica Burzis Gemälde sind oft vielschichtig, durchdacht, mit einem raffinierten Spiel von Licht und Dunkelheit oder vielfältig sich überlagernden Gesichtern. Frauen und Kinder spielen die Hauptrolle in ihrer Kunst, nicht selten setzen sich ihre Arbeiten auch für die Selbstbestimmung der Frau ein oder rücken die Problematik digitalisierten Privatlebens in den Fokus.

Betrachter darf teilhaben

Burzi wurde in Bologna geboren, besuchte dort die Kunstschule und studierte an Kunstakademien in Rom, Bologna und Santa Cruz. Seit 2013 lebt und malt sie in Hersbruck und Ellenbach und stellt im Großraum intensiv aus, beteiligt sich aber auch regelmäßig an Kunstaktionen in ihrer Heimatstadt.

In den Fenstern der Raiffeisenbank lässt sie den Betrachter am Prozesshaften ihrer Malerei teilhaben, am Ausprobieren und Verwerfen, am Experimentieren und sich anders entscheiden, vor allem aber an der Lust am Spiel, der Lust am offenen Ende. Im Prozess, der Kunst die Freiheit zu lassen, Unerwartetes und Überraschendes aufscheinen zu lassen, wird die eigene Arbeit auch mal verworfen oder übermalt.

Die Arbeiten in der Frankengasse gewähren einen seltenen Einblick in die Arbeitsweise einer Malerin. In den Schwung und das Skizzenhafte von Arbeiten, in die Lust am Ausprobieren – aber auch in die Entscheidung, ein Element des Bildes so nicht stehen zu lassen, zu stören mit einem Farbfleck mitten im Gesicht oder im kreisenden Überstreichen eines Portraits, bis nur das Auge noch aus der braunen Farbe blickt – um so auffälliger hier, wie meisterhaft es gemalt ist.

Schmelzende Farben

Die Irritationen in den Gemälden müssen nicht als störend oder gar zerstörend empfunden werden, das Unvollendete und Unerwartete kann auch zum Sinnbild für das Leben werden. Und dafür, dass es manchmal genügt, dem ersten Wurf zu trauen: Die locker mit dem Pinsel gezeichneten geflügelten Wesen oder die lustvoll sich zwischen Farbflächen reckende Frauengestalt lassen ebenso Raum für Interpretation und das wandernde Auge wie vermeintlich unvollendete Gemälde.

„Ich habe mir da nicht so viele Gedanken gemacht“, sagt die Künstlerin selbst. „Ich wollte sehen, wie die Farbe sich entwickelt.“ Die etwas ungewöhnliche Maltechnik, bei der Federica Burzi die Ölfarbe mit Terpentin geschmeidig macht, lässt die Farben „schmelzen“, wie die Künstlerin selbst sagt, und erzeugt den luftigen transparenten Effekt, den die Arbeiten haben. Zu wissen, wann das Bild fertig ist, ist dann immer ein heikler Moment. Federica Burzi ist dieser Balanceakt gelungen.

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