Umbauten: Kunstausstellung in der Sparkasse zieht ins Stadthaus um

Neuer Unterschlupf für obdachlose Künstler

Hersbruck und die Region schaffen was - das ist der Slogan für den filigranen Hirschen.2015/05/5_2_1_2_20150519_KUNST.jpg

HERSBRUCK – 32 Jahre Ausstellungen, an denen „jedermann“ und “jedefrau“ teilnehmen konnte- die alljährliche Ausstellung in der Schalterhalle der Sparkassenfiliale am Oberen Markt gab es seit 1983 fast lückenlos und ist eine Hersbrucker Institution. Nun haben die notwendigen Umbauten der Schalterhalle dem frohen Kunsttreiben ein Ende gesetzt. Doch die Stadt Hersbruck bietet der obdachlos gewordenen Kunst einen attraktiven Unterschlupf: 2015 hat die Schau regionaler Kunstschaffender mit dem Stadthaus am Schlossplatz eine neue feine Adresse. Ein frisches Logo, eine Einladung an alle Kreativen im Altlandkreis und ein alle verbindendes Thema lassen aufhorchen.

Die ganz alten Hasen der regionalen Kunstszene geraten ins Schwärmen, wenn sie sich an alte Zeiten erinnern, als den Künstlern anlässlich der Eröffnung der Jahresausstellung ein warmes Büffet im Festsaal der Sparkasse serviert wurde und die Öffentlichkeitsarbeitenden Gerhard Stötzner und Christel Luber von der Sparkasse selbst beim Aufhängen der Kunst Hammer und Nägel schwangen oder Pizza zur Stärkung des Hängeteams herbei schafften. Anna M. Scholz hatte diese Möglichkeit aufgetan, Kunst ohne Schwellenangst vor einer veritablen Galerie zu zeigen. Von den Themen „Ländliche Idylle“, „Mozart“ „Witterung“, „Zwiebel, Kraut und Rüben“ ließen sich bis zu 77 Kunstschaffende inspirieren. Da die Schau nicht juriert wurde, war sie für einige Kreative eine unkomplizierte Möglichkeit, in einem öffentlichen Raum auszustellen. Viele Kunden sahen ganz nebenbei bei ihren Bankgeschäften eben auch die Bilder an.

Mit dem zentralen Zusammenschluss der örtlichen Sparkassen zur Sparkasse Nürnberg hat sich einiges verändert, nicht zuletzt die Nutzung der Schalterhallen. Umbauten stehen im Raum, die flexible Empfangstheke mitten in der Empfangshalle macht länger andauernde Ausstellungen nicht mehr möglich. Immerhin konnte die Kunstbeauftragte der Sparkasse Nürnberg, Jana Mantel, das beliebte „Kunstfenster“ am Oberen Markt in die neue Ära retten. Wohin aber mit der „Jedermann-Ausstellung“? Mit Jana Mantel trafen sich Engagierte aus Hersbruck und Lauf mehrmals und feilten an Konzepten, lokalen und landkreisweiten. Das Angebot der Stadt Hersbruck, in ihrem schönen und repräsentativen Bau am Schlossplatz auszustellen, bot den rettenden Anker für das beliebte Ausstellungsformat. Die Sparkasse Nürnberg will sich auch in Zukunft für Kunst und Kultur in Hersbruck stark machen und gab den scheidenden und nicht in einem Verein gefassten Malern, Bildhauern und Fotografen ein Abschiedsgeschenk mit auf den Weg: das Kapital für identitätsstiftendes Design und eine Wort-Bild-Marke. Designerin Angelika Eisenbrand-Leykauf aus Algersdorf kreierte in den vergangenen Monaten Plakate, Einladungen und als Logo den verspielten kleinen Hirschen. Der steht für Aufbruch und Kreativität und stellt natürlich einen unverwechselbaren Bezug zu Hersbruck her, wie es die HZ in ihrem erneuerten Schriftzug mit Hirsch auch gerade tut. Hier scheint die Idee, den springenden Hirsch von Hersbruck stärker als Identifikationsfigur zu nutzen, an zwei Schreibtischen gleichzeitig gereift zu sein.

Das neue Domizil für die Kunst bietet viele Chancen: neben den atmosphärischen Räumen ist auch das Stadthaus ein Ort, an dem die Bürger sowieso etwas zu erledigen haben und so keinen Umweg nehmen müssen, um den Bildern und Skulpturen zu begegnen.

Hannelore Pezold von der Stadtverwaltung sieht der Vernissage, die diesmal mehr Zulauf als üblich haben dürfte, gelassen entgegen. „Das schaffen wir schon!“ Und Bürgermeister Robert Ilg war sowieso seit Jahren ein treuer und enthusiastischer Eröffnungsredner bei den Schauen „seiner“ Künstler- in seine Doppelrolle als Hausherr und Eröffnungsredner dürfte er mühelos hineinschlüpfen. Doch trotz des Hersbrucker Hirschleins öffnet sich die Kunstschau der ganzen Region. Der Freundschaft mit dem Laufer Künstlerkreis ist das diesjährige Thema „Pegnitz“ geschuldet, fließt doch das Gewässer durch beide Städte. Gegenständlich oder abstrakt, in Gemälden, Fotografien, Comics und Skulpturen darf sich dem Heimat-Fluss angenähert werden. Doch auch regionale Künstler, die weder in Lauf noch Hersbruck leben, sind von dem kleinen, aber engagierten Team herzlich eingeladen, sich zu bewerben und im Sommer mit auszustellen. Dafür steht auch der Name des neuen Konzepts „Stadt Land Kunst“. Happy Ending und neuer Anfang für eine Ausstellung, die man in Hersbruck nicht missen möchte, ist am Montag, den 20. Juli um 18 Uhr im Stadthaus am Schlossplatz. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. Oktober. Wer gerne eine Arbeit einreichen möchte, kann unter [email protected] die Bewerbungsunterlagen anfordern.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer