Bernd Regenauer im Heuhotel Vorra

Dynamisch, fränkisch, deftig, gut

Geduldig signierte Kabarettist Bernd Regenauer nach dem Auftritt auch noch sein neues Wörterbuch „Fränkisch für Anfänger“. Foto: S. Fuchs2013/02/5_2_3_2_20130227_BERND.jpg

VORRA – „Dynamisch – fränkisch – deftig – gut“, so die bezeichnenden Schlagworte zu „Mixtour“, dem neuen Soloprogramm des fränkischen Kabarettisten Bernd Regenauer. Bei einem äußerst kurzweiligen und vergnüglichen Abend auf der Kleinkunstbühne im Vorraer Heuhotel „Fischbeck“ gab der Metzgerei Boggnsagg“-Erfinder eine amüsante Mixtur von Zeitkritischem und Zeitlosen, von Süffisantem und Skurrilen, von Globalem und natürlich fränkischen Neuigkeiten zum Besten.

Dabei strapazierte er in gut neunzig, rasch verflogenen Minuten am laufenden Band die Zwerchfelle der aus dem ganzen Hersbrucker Land anwesenden Besucher. Denn der in Rückersdorf wohnhafte Kabarettist präsentierte in schneller Folge Auszüge aus seinen aktuellen Bühnenprogrammen, also „pur und direkt vom Erzeuger“.

Schon bei der – teils persönlichen – Begrüßung der Zuhörer („Wos gibt´s nei´s bei eich?“) sprang der berühmte Funke über. Allerdings ersparte sich Regenauer gefällige Freundlichkeiten, denn „eher fließt der Main bergauf, bevor der Franke freundlich grüßt!“ „Fränkische Freundlichkeit“, so begann er eine seiner bis ins Kleinste durchdachten Geschichten, kann man vor allem in der Gastwirtschaft erfahren; etwa, wenn einem die fränkische Bedienung schon bei der Bestellung freundlichst mahnt: „Erscht amol die Getränke!“ Oder später den Appetit verdirbt: „Bressag homa nimma!“

In weiteren kurzen, mit unnachahmlicher Mimik und Gestik vorgetragenen Szenen, erzählte er von seinen Beobachtungen im Alltag. Zweideutig auszulegen seien etwa die Devise eines Schützenvereins „Freunde treffen“ oder die Aufschrift auf einem Dixi-Klo „Ihr Geschäft ist unser tägliches Brot“.

Ausführlich beschäftigte sich der Kabarettist mit dem Antidiskriminierungsgesetz. Mittlerweile gingen dessen Verfechter so weit, dass sie behaupteten, bei der Heirat seiner Liebsten würde der Mann alle anderen Frauen diskriminieren. „Aber wir Männer wüssten uns da zu helfen …“ Es dauerte einen Moment, aber lautes Gelächter und Beifall zeigten ihm, dass die Anwesenden auch diese Pointe kapiert hatten.

Bei einem ebenso temperamentvollen wie hintersinnigen Rundumschlag bekamen alle ihr Fett ab: unsere Volksvertreter („Ich schwöre, mich bei Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden!“), die Rentner („Es gibt viele von denen, die absichtlich gesund leben“!), die Post („Die Redewendung – Ich gebe einen Brief auf – hat eine völlig neue Bedeutung bekommen“), die Ärzte („Ich schwöre den Hypothekeneid!“) und die Schönheitschirurgen („Nach Totalrestauration die eigene Frau nicht wieder erkannt!“). Und wenn eine mit Botox behandelte Dame stirbt und verbrannt wird, glätten deren Rauch und Asche aus dem Kamin des Krematoriums die umliegenden Wellblechdächer.

Als echter Wortakrobat erwies sich Bernd Regenauer, als er die modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie Online, I-Phone, Facebook, You-tube bis hin zu Google usw. aufs Korn nahm. Dabei ließ er einen Seitenhieb auf seine Schwiegermutter nicht aus: Bei deren per E-Mail zugesandten Bild hatte man vergessen, „den Virenschutz einzuschalten“.

Und nicht enden wollendes Gelächter gab es bei der Schilderung seines 50. Geburtstages, zu dem gut meinende Freunde eine Stripperin eingeladen hatten. Allerdings: „Seit meinem 20. Geburtstag immer die gleiche! Nur kostet sie jedes Mal weniger! Und zu meinem 70. kommt sie vermutlich mit dem Rollator!“

Genug der sprachlichen Knalleffekte und hintersinnigen Clous! Den begnadeten Mimen, wie ihn eine Tageszeitung bezeichnete, und der seine Texte „zum Teil in Fernost produzieren lässt („weil billiger“) muss man einfach live erlebt haben. In Vorra war Bernd Regenauer, der in jungen Jahren schon mal den Riffler-Felsen bestiegen hatte, bereits zum dritten Mal willkommener Unterhalter.

Im Sprichwort heißt es zwar „Alle guten Dinge sind drei“, aber ein vierter Besuch ist nicht ausgeschlossen, wie der „echde Nämbercher“ der Veranstalterin Margit Leimberger schon mal augenzwinkernd zusicherte. Und dass er auch im Pegnitztal viele Anhänger hat, zeigte anschließend die große Nachfrage nach seinem neuen Wörterbuch „Fränkisch für Anfänger“, das er den Wünschen entsprechend für alle geduldig handsignierte.

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs