Interview mit Christina Lux

Am Samstag beginnt das 20. Internationale Gitarrenfestival Hersbruck

Christina Lux ist eine Künstlerin bei der Fingerstyle Night kommenden Mittwoch. | Foto: Sebastian Niehoff2019/08/CHRISTINA_LUX_Foto_Sebastian_Niehoff_bla.jpeg

HERSBRUCK – „Leise Bilder“ hat Christina Lux auf ihrem neuen Album gemalt und dafür einige neue Farbtöne gesetzt: Das aktuelle Werk der Musikerin und Gitarristin präsentiert erstmalig rein deutschsprachige Lieder. Wie die klingen, lässt die Autodidaktin beim Internationalen Gitarrenfestival am Mittwoch, 14. August, bei der Fingerstyle Night hören.

Ihr neues Album „Leise Bilder“ ist ein voller Erfolg. Wofür steht der Titel?
Christina Lux: Es steht für Dinge, die wir in uns tragen und die uns beeinflussen – oft zunächst ohne wirklich wichtig zu sein. Aber sie wirken leise in uns. Mir hat es gut getan, einmal aufzuräumen und klar hinzusehen, was ich noch tragen will und was nicht. So wurden die leisen Bilder hörbar.

Gibt es denn auch laute Bilder?
Interessante Frage … laute Bilder wären für mich die Gedanken, die sofort ganz klar wissen, wo es langgeht. Gedanken, die einem stets sehr bewusst sind und die sich nicht leise einschleichen, sondern auf den Tisch hauen und sagen: Nein, so machen wir das nicht!

Seit Ihrem letzten Studioalbum „Playground“ sind einige Jahre vergangen. Warum hat es so lange gedauert?
Ich habe mir bewusst viel Zeit gelassen. 2015 erschien das Live-Album „Embrace“ schon mit einigen deutschsprachigen Liedern. Ich wollte mir aber genug Zeit für Arrangements und Texte lassen und wirklich an den neuen Songs feilen. Im Englischen kann man schnell über Feinheiten hinweghören, im Deutschen geht das nicht. Jedes Wort liegt plötzlich auf der Goldwaage. Mich dahin anzunähern, brauchte eine Zeit der Entwicklung …

Mischmasch der Sprachen

Wie hat sich dieser Sprachwechsel herauskristallisiert?
Es ist einfach passiert! Es kamen immer weniger englische Textzeilen angeflogen. Schon seit gut 12 Jahren mische ich beide Sprachen auch innerhalb der Songs. Dabei habe ich festgestellt, dass es die Leute näher in die Geschichte bringt, wenn sie den Text komplett mitbekommen – und mich übrigens. In meiner Zeit mit meinem amerikanischen Mann war meine ganze Welt im Englischen verwurzelt. Als junge Frau habe ich fast nie deutschsprachige Musik gehört. Die Muttersprache hat sich Zeit gelassen, zu mir zu kommen.

Warum?
Auf meinen ersten Alben habe ich viele bittere Erfahrungen verarbeitet, in denen die englische Sprache wie ein Schutzraum war: Man konnte einsteigen oder einfach nur mit der Musik gehen. Jetzt ist alles direkt und die Themen sind andere. Ich mag das inzwischen sehr.

Auf dem Album haben Sie mit einigen Gästen zusammengearbeitet. Wie sind Sie dabei auf Stefan Stoppok gekommen?
Stefan Stoppok ist einer meiner Helden, der schon viele Jahre sein Ding macht. Ich habe ihn auf einigen Konzerten begleitet und wir haben dort meinen Song „Meer“ live gespielt. Als wir das Lied dann für mein Album aufnahmen, hatte ich sofort seine zwölfsaitige Gitarre im Ohr und so ist es dazu gekommen.

Fliegen mit Laith

Mit dem Sänger Laith Al-Deen standen Sie früher schon gemeinsam auf der Bühne. Nun hat er Sie auf dem Song „Losfliegen“ begleitet – war das Ihr besonderer Wunsch?
Ja, mit Laith Al-Deen war ich schon vor rund 14 Jahren auf Tournee. Über die Jahre haben wir uns hin und wieder getroffen und als im Studio der Song „Losfliegen“ an der Reihe war, wusste ich, dass ich ihn dafür fragen werde. Unsere Stimmen passen hier einfach wunderbar zusammen.

Sie leiten beim Gitarrenfestival am Dienstag einen Workshop zum Thema „Songwriting“. Was lässt sich dabei vermitteln, ohne ein „Schema F“ weiterzugeben?
Genau das ist der Punkt – es gibt kein Schema F! Mein Ansatz ist sehr intuitiv: Es geht darum, ein Gefühl für die eigene Poesie zu entwickeln, die Kraft in dem zu erkennen, was in der Geschichte des Songs steckt, um dann einen Weg zu finden, wie man das mit seinen Möglichkeiten auf dem Instrument umsetzen kann. Mit Akkorden, die das widerspiegeln und mit einer Atmosphäre, die den, der lauscht, auch dran hält. Es ist erstaunlich, was in so manchen Menschen steckt, wenn man ihnen die Tür zeigt, hinter der sich ihre ureigenste Kreativität verbirgt. Da kommen wunderbare Songs zum Vorschein. Wir können oft viel mehr, als wir denken. Und dieses Vertrauen gilt es freizulegen.

Interview: Thorsten Hengst

N-Land Hersbrucker Zeitung
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