Idee zu öffentlichem Bücherregal

Eine neue Tauschbörse?

Daniela Brose bloggt über Bücher und hat mittlerweile rund 700 Exemplare. Sie möchte gerne einen öffentlichen Bücherschrank einrichten, um ihre Leidenschaft am Lesen weitergeben zu können. | Foto: A. Pitsch2017/02/7887821.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – An ein Regal gehen, das Buch mitnehmen, das man mag, und wieder gehen ohne zu zahlen – wo geht denn so etwas? Bei einem öffentlichen Bücherschrank. Leseratte und Bloggerin Daniela Brose würde das auch gerne in Hersbruck einrichten und sucht nach Unterstützern.

Die 26-Jährige, die seit fünf Jahren unter dem Namen „Bröselchen“ Bücherrezensionen bloggt und sich selbst als „narrisch nach Büchern“ beschreibt, hat die Anregung von einer Blogger-Kollegin. „Sie hat auf ihrem Grundstück ein größeres Vogelhäuschen mit zwei Türchen mit Fenstern, einem Regal und einer Anleitung aufgestellt.“ Jeder, der dort vorbeigeht, kann sich ein Buch herausnehmen, es nach dem Lesen wieder zurückstellen oder ein anderes Buch hineinstellen – wie eine Art Tauschbörse.

„Es ist eine schöne Möglichkeit, Bücher und die Leidenschaft am Lesen kostenlos weiterzugeben“, findet Brose. Daher hat sie die Idee sofort begeistert, zumal die lebenslustige junge Frau in grob über den Daumen gepeilten 700 Werken fast erstickt. Um den Überblick zu behalten, hat sie teilweise Karteikarten angelegt. Mittlerweile müssen einfach einige Bücher raus aus dem Lesezimmer.
„Meine Freunde waren bisher Abnehmer, aber die sind inzwischen auch gut gesättigt“, erzählt sie lachend. Wenn das „Bröselchen“ mit einem Karton ankommt, schlagen die Freunde die Hände über dem Kopf zusammen. Wegwerfen, um Platz zu schaffen? „Das geht gar nicht!“ Ihre Empörung ist hörbar.

Angesehen hat sie sich auch Internet-Plattformen, auf denen man seine Bände für 15 Cent verkaufen kann. „Aber die Bücher haben einen höheren Wert für mich.“ Da gibt sie sie lieber über einen öffentlichen Schrank zum Beispiel an Schüler oder andere Personen, die gerne lesen, aber nicht so viel Geld haben, um sich selbst die Schinken und Wälzer zu leisten.

Der Gedanke, hier so ein Projekt zu starten, gefiel ihr immer besser. In Bremen oder Kulmbach gibt es bereits seit einigen Jahren umgebaute Telefonzellen oder eigens gefertigte Schränke zur Aufbewahrung. Die Reaktionen waren allerorts positiv, hat Brose sich schlau gemacht. Doch so etwas daheim vor der Haustür zu machen wie die Blogger-Kollegin, kommt für die Leseratte nicht in Frage. Sie wohnt zu versteckt in Pommelsbrunn: „Man braucht schon einen Platz, der gut zu erreichen ist und Laufkundschaft hat.“

Also auch nicht so wie das bereits in Hersbruck vorhandene Bücherregal: Es liegt hinten in der Durchfahrt beim „Roten Ochsen“ – und ist vom Marktplatz aus nicht zu sehen. Brose würde daher ein öffentlicher Platz vorschweben, ein robuster, wetterfester Schrank mit Türen zum Schutz der Bücher, deren Bandbreite „quer durch die Bank“ reichen sollte.

Suche nach gutem Platz
Von Seiten der Stadt Hersbruck ist Bereitschaft zu dieser Aktion vorhanden. „Man müsste halt mit dem Stadtbaumeister einen passenden Platz finden“, sagt Christof Rothkegel vom Bürgerbüro. Weitere Genehmigungen seien nicht nötig.
Doch bevor dieser Schritt ansteht, braucht Brose erst einmal Unterstützer und Sponsoren für Anschaffung und gegebenenfalls Wartung oder Reparaturen. „Vandalismus wäre das Schlimmste“ für Brose, die für diese Eventualität eine „feste Kooperation“ mit einem Geldgeber bevorzugen würde. Eine andere Variante wäre auch, Spenden zu sammeln.

Wenn die Tauschbörse stehen sollte, sieht Brose die Verantwortung für die Pflege bei sich: „Natürlich sehe ich dann nach dem Rechten, bestücke nach oder räume Ladenhüter raus.“ Die 26-Jährige hofft, dass sie so anderen die Faszination Buch vermitteln kann.

Sie selbst interessiert sich für Bücher, seitdem sie lesen kann. Seit fünf Jahren verschlingt sie für ihre Blogtätigkeit im Monat vier bis fünf Wälzer. „Ich kann da in die unterschiedlichsten Atmosphären und Geschichten eintauchen, mich selbst wiederfinden und neue Sichtweisen entdecken.“ Das Bloggen, mit dem Brose etwa 6500 User im Monat erreicht, intensiviert das Gefühl noch: „Es macht Spaß, sich mit anderen über das Gelesene und die damit verbundenen Gefühle auszutauschen.“
Aber das geht doch auch mit einem E-Reader, oder? „Der ist praktisch für Reisen“, plaudert Brose. Ihre Augen leuchten aber, wenn sie beschreibt, warum sie zu 98 Prozent gedruckte Bücher liest: „Ich kann die Dicke sehen, es in die Hand nehmen, riechen – ich bin eine Buchschnüfflerin.“
Bedenken, dass Print in dieser Sparte irgendwann ausstirbt, hat sie nicht, denn die E-Reader sollen Lesen für neue Zielgruppen attraktiv machen. „Das ergänzt sich eher“, meint Daniela Brose.

Wer sich für die Idee „öffentlicher Bücherschrank“ interessiert, mitwirken, mithelfen oder sponsern möchte, der meldet sich bei Daniela Brose unter broesels.buecherregal@gmail.com

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch