Soul- und Jazz-Standards interpretiert von „Blue Heat“

Hitzig im Zeichen des Leoparden

Sängerin Diana Laden und Stephan Greisinger am Tenorsaxofon. | Foto: Gisa Spandler2017/01/blue-heat2.jpg

BURGTHANN – Vier großartige Instrumentalisten plus eine zarte Sängerin mit gewaltiger Stimme – so präsentierten sich Blue Heat, Spezialisten für Soul-, Blues und Jazz-Nummern, im Keller der Burgthanner Burg. Bekannten Standards, die man schon hundertfach interpretiert gehört hat, hauchten sie in den Arrangements von Ralf Heilmann noch einmal eine besondere Dimension ein. Das Publikum wusste das zu schätzen, war aufmerksam wie nie und ging mit sowohl bei den Balladen als auch bei den flotten Uptempo-Stücken.

Ja, wen hervorheben, wen besonders loben? Eine unlösbare Aufgabe. Jeder der Musiker ein seelenvoller Techniker, was sich in großartigen Soli äußert. Und dennoch werden die Interpretationen erst rund durch die Soul-Röhre von Diana Laden, die nicht nur über ein erstaunlich kräftiges Organ verfügt, sondern auch über die Fähigkeit, Nuancen herauszuarbeiten, inhaltliche Schattierungen sicht- und hörbar zu machen und durch traumwandlerisches Gespür in Gestik und Mimik eine Bühnenpräsenz zu vermitteln, die den Profi auszeichnet. Da verzeiht man gern das etwas penetrante Anpreisen der neuen CD (die nebenbei gesagt, ihr Geld durchaus wert ist). Sie verleiht den Klassikern wie „I don‘t need no doctor“, „Don‘t you worry bout a thing“, „Use me“, „Congo Square“ und dem unverzichtbaren „Ain‘t no sunshine“ eine ganz spezielle Note, geht mit ihrer wuchtigen Stimme aber durchaus sensibel um und lässt vor allem angemessen viel Raum für die Solo-Musiker, die diesen auch verdienen.

Allen voran Saxofonist Stephan Greisinger, der alles drauf hat, von groovigen Funk-Läufen über jazzig-coole Ausflüge in den sprichwörtlich höchsten Tönen bis hin zu ekstatischen Bop-Läufen und markanten Unisono-Parts mit dem kongenialen Gitarristen Jürgen Schottenhamml. Der verfügt ebenfalls über das gesamte Repertoire des Jazz-Blues-Klampfers, spielt seine Riffs routiniert und unprätentiös, aber dennoch mit Herzblut und Hingabe. Dass er ein ordentliches Brett mit Elektronik-Schnickschnack zur Verfügung hat, interessiert ihn nur marginal, er bedient die Sound-Effekte maßvoll, überstrapaziert sie keineswegs.

Mehr als Rhythmusgeber

Viel mehr als ein Rhythmusgeber ist der Schlagzeuger Güven Sevincli, der am Drumset gefällt und dort Schwerstarbeit verrichtet. Dass ihm auch zwei Soli zugestanden werden, ist nicht mehr als recht und billig. Als er gegen Ende des zweiten Sets beim „Congo Square“ die Bühne für sich hat, nutzt er das und reißt die Zuhörer zu spontanen Zwischenapplaus-Stürmen hin. Voll und ganz geht er in diesem akustischen Feuerwerk auf, spielt mit dem Drumset ebenso wie offenbar das Instrument mit ihm.

Einen minimal nostalgischen Touch verleiht Ralf Heilmann den Präsentationen durch sein perfektes Spiel an der Hammond-Orgel. Die klingt wie in guten alten Zeiten und gibt den Covers eine zusätzliche authentische Note, wirkt ausgleichend, harmonisiert.

Dass das Gerät so wie fast alle anderen technischen Hilfsmittel mit Leopardenstoff verkleidet ist, sorgt für einen netten optischen Gag, der irgendwie zu der brisanten musikalischen Mischung passt und den eigenen Stil der fünf sympathischen Künstler auf augenzwinkernde Weise unterstreicht.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler