Der neue „Dadord-in-Frangn“-Krimi

Grausame Satanisten mitten unter uns

Der dritte Streich in der Reihe „Dadord in Frangn“: „Mortificantur ... und der 13. Apostel“ heißt der Krimi, hier präsentiert von seinen Autoren Julia Seuser und Roland Geisler. | Foto: Spandler2016/09/dadord-in-frangn.jpg

BURGTHANN – Ab kommendem Wochenende kommen Dadord-in-Frangn-Fans wieder auf ihre Kosten: Der dritte Band in dieser Reihe des fränkischen Krimi-Autoren und ehemaligen Ermittlers für die Generalbundesanwaltschaft, Roland Geisler, ist ab Samstag in den Buchhandlungen und als E-Book zu haben. Kommissar Schorsch Bachmeyer ermittelt dieses Mal in „Mortificantur …und der 13. Apostel“, ein Thriller, der wieder die Handschrift von Geisler und seiner Co-Autorin Julia Seuser trägt und nach Meinung der beiden die ersten zwei Romane, die sich zu Bestsellern entwickelten, noch toppt.

Auch in diesem Krimi ist das bewährte Team um den sympathischen und routinierten Ermittler Schorsch Bachmeyer aus dem Nürnberger Polizeipräsidium wieder im Einsatz und hat es mit einer ebenso geheimnisvollen wie kriminellen Szene zu tun, bei der es um Sex, Lust und Gewalt und mörderische Rituale geht: Satanismus.

Durchgeknallte Leute

Ein Thema, das man nicht unbedingt mit der fränkischen Heimat der beiden Autoren, die programmgemäß die Schauplätze für die Mord- und Totschlaggeschichten stellt, in Verbindung bringen würde, wie Julia Seuser meint, die seit dem zweiten Dadord-Band das Autoren-Tandem ergänzt. Aber Satanistenzirkel gibt es überall, auch im Nürnberger Land, konnte Geisler nach seinen gründlichen Recherchen zu diesem Buch feststellen, und leider beziehen sich deren Rituale nicht allein auf ein paar durchgeknallte Erwachsene, sondern im Zuge von perversen Praktiken auch auf Kinder. Als ehemaliger europaweit eingesetzter Terrorismusbekämpfer weiß er, wie sich seriöse Quellen nutzen lassen, und so hat er beispielsweise recherchiert, dass laut Bundeskriminalamt in der Bundesrepublik jährlich 600 Kinder verschwinden, die nie wieder auftauchen.

Dass hiervon keine geringe Zahl der Satanisten-Bewegung zum Opfer fällt, liegt nahe. Wie schon bei seinen ersten beiden Bänden der Regionalkrimiserie ist er für den Plot zuständig, den er mit seinem Insider-Wissen ausbaut und der sich für ihn fast wie von selbst entwickelt.

Julia Seuser, freiberuflichen Redakteurin, Lektorin und Autorin, ist für die Feinheiten der Schreibe zuständig und dafür, dass die Spannungsbögen erhalten bleiben, damit die regionale Krimi-Community bei der Stange gehalten wird. „Sie textet die Szenen richtig aus und verfeinert sie,“ so der 56-jährige Geisler, der als Beispiel für Seusers schriftstellerische Qualitäten anführt, dass er nach ihrer Überarbeitung das neue Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe, obwohl er ja wusste, wie alles ausgeht.

Schon von Anfang an hat sich Geisler mit den eher heiklen und nicht so gängigen (Mord-)Motiven beschäftigt. In seiner ersten Detektiv-Geschichte „Massa Confusa und der Tote am Pulversee“ ging es um die geheimnisvolle Freimaurerei und Kinderprostitution, in der zweiten um den historisch verbrieften Racheakt einer jüdischen Terror-Organisiation an den Nachkommen der Nazis. Auf das Satanismus-Thema hat ihn eine befreundete Pfarrerin in der Nähe von Köln gebracht, wo er lange Jahre für den Generalbundesanwalt ermittelte. Sie hat beruflich mit den Auswüchsen dieser Bewegung zu tun und ihn neugierig gemacht, indem sie ihm Einzelheiten verriet, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen. „Die wenigsten wissen, was da abgeht“, ist sich Geisler sicher. Auch deswegen lautet ein Untertitel des Romans „Es gibt sie wirklich und sie sind mitten unter uns.“ Seuser verweist allerdings darauf, dass man die Handlung nicht eins zu eins für bare Münze nehmen dürfe, aber dass der Umkreis, die Motivation, der handelnde Personenkreis und das ganze geschilderte Ambiente so stimmig und authentisch sind, dass es eben so passieren könnte.

Schlüsselwort Authentizität

Authentizität ist ohnehin ein Schlüsselwort für die Arbeit und den Anspruch der beiden. Dazu gehören auch die Örtlichkeiten, die den Hintergrund für die Aktionen stellen, im vorliegenden Band sind das Dinkelsbühl, Feucht, der Brückkanal (dem gebürtigen Schwarzenbrucker Geisler besonders gut bekannt), Erlangen, Obernberg und die Therme Obernsees in Oberfranken. Aber auch nach Moskau führt eine Spur. Ebenso legen die beiden Wert darauf, dass bestimmte Lokalitäten, Clubs, Vereinigungen auch im echten Leben existieren, manchmal lediglich einen anderen Namen erhalten, manche nicht einmal das. Die Nürnberger Gothic Szene mit ihren okkulten Fetisch-Parties wird hier nicht ausgespart.

Zur Authentizität gehört auch die in jeden Krimi eingewobene Kulinarszene, bei der ein typisch fränkisches Kult-Lokal mit samt eines speziellen Menüs oder Rezepts kurzzeitig die Rolle der Hauptfigur übernimmt. Das schafft Identität, das kommt bei den Lesern gut an.

Und was hat es mit dem 13. Apostel auf sich, der im Titel erscheint? Der bezieht sich auf die Tarot-Karten, die man sich in der Satanisten-Szene legt und die in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung haben.

Trotz des schweren Themas kommt auch im dritten Dadord Frangn der Humor nicht zu kurz. Der ist nicht platt, sondern eben fränkisch direkt und ein bisschen skurril.

„Mortificantur … und der 13. Apostel“ von Roland Geisler und Julia Seuser aus der Reihe „Dadord Frangn“, 2016.

www.dadord-frangn.com

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler