In Rummelsberg und Altdorf sind viele Mitarbeiter selbst erkrankt

Grippewelle: Krankenhäuser arbeiten am Limit

Die Impfung schützt gegen Grippe – allerdings nicht immer: An den Krankenhäusern und in Arztpraxen sind Mitarbeiter trotz Grippe-Impfung in den letzten Wochen reihenweise erkrankt. Foto: Fotolia2015/03/grippe-krankenhaus.jpg

NÜNRBERGER LAND – Während das Gesundheitsamt in Lauf im Januar nur Einzelfälle von Grippe-Infektionen im Nürnberger Land registrierte, stieg die Zahl jetzt sprunghaft an. In den Krankenhäusern Rummelsberg und Altdorf ist die Situation derzeit sehr angespannt.

Zum einen mussten in den vergangenen Wochen deutlich mehr Patienten aufgenommen werden, vor allem auch Menschen, die an Folgeerkrankungen einer Influenza leiden, etwa an Lungenentzündung. Unter den Erkrankten sind auch viele Senioren, deren Allgemeinzustand sich infolge der Grippe stark verschlechtert hat. Zum anderen gibt es auch viele Krankheitsfälle beim Krankenhauspersonal. Für die verbleibenden Mitarbeiter bedeutet das: Stress pur.

„Das Krankenhaus Rummelsberg ist über alle Abteilungen hinweg von der derzeitigen Krankheitswelle betroffen und überdurchschnittlich viele Mitarbeiter sind mit Grippe krankgeschrieben“, sagt Martin Sprung, Sprecher der Rummelsberger Klinik. Das verbleibende Personal arbeite „am Limit“.

Notaufnahmen laufen über

So auch im Krankenhaus Altdorf, wo der Krankenstand beim Personal derzeit so hoch ist wie selten in der Vergangenheit. „Das macht bei uns die Abläufe natürlich sehr schwierig“, so Chefarzt Dr. Herbert Muschweck, „die Notaufnahmen laufen über“. Dabei müssen infektiöse Patienten isoliert und personalintensiv betreut werden. Alte Menschen, so Muschweck, sind besonders gefährdet. Der Chef des Altdorfer Krankenhauses ist sich nicht sicher, ob nun der Scheitel der Grippewelle erreicht ist: „Mit dem Scheitel kämpfen wir ja schon seit zwei Wochen.“ Er hofft aber, dass die Zahl der Neuerkrankungen in den kommenden Tagen zurückgeht.

Arzt steckte sich an


Besonders schwer ist der Krankheitsverlauf der Grippe in diesem Jahr nicht, so Dr. Alexander Ebert, Hausarzt in Burgthann. „Krankenhaus-Einweisungen musste ich noch nicht schreiben.“ Aber eine heftige Zunahme an Influenza-Fällen kann er allemal bestätigen. Und zwar nicht nur im Wartezimmer, sondern auch beim Personal. „50 bis 60 Prozent der Mitarbeiterinnen sind letzte Woche ausgefallen“, berichtet Ebert und verhehlt auch nicht, dass vergangenen Freitag seine verbliebenen Sprechstundenhilfen ihn selbst mit 39,6 Grad Fieber ins Bett schickten. Und das trotz Impfung! Allerdings vermutet auch er, dass der Impfcocktail in dieser Saison nicht besonders gut wirkt. Der wird nämlich aus den drei häufigsten Viren-Typen des vergangenen Jahres zusammengemixt, um künftige Grippe-Attacken abzuwehren, aber in diesem Jahr hat sich dieses Konzept nicht so ganz bewährt, denn der Virus befällt eben hin und wieder auch die Geimpften.

Sein Ezelsdorfer Kollege Dr. Eckhard Töpert hat bisher ähnliche Beobachtungen gemacht: „Es gibt derzeit sehr viele Infekte“, findet auch er. Allerdings handelt es sich wohl um verschiedene Viren, darunter sicher auch die der echten Influenza. Auffällig ist, dass die häufig zu beobachtende Grippe dieses Jahr nicht besonders schwer verläuft. Oft schließe sich aber aufgrund des angegriffenen Immunsystems ein weiterer bakterieller Infekt an, der die Erkrankung dann in die Länge zieht und mit Antibiotika behandelt werden muss. Daher warnt er davor, das Virus nicht richtig auszuheilen. „Die Leute gehen viel zu lange in die Arbeit oder sie fangen zu früh wieder mit dem Arbeiten an“, beobachtet er. Vorbeugen könne man nicht wirklich, so der Allgemeinarzt. Was dem einen hilft, kann bei dem anderen wirkungslos bleiben, ob sich eine Grippe ausbremsen lässt, hängt immer von der individuellen Abwehrlage im Körper des Einzelnen ab. Am besten hilft aber immer noch das Impfen, versichert Dr. Töpert, der sich selbst nicht unbedingt als Impf-Fanatiker bezeichnet, und zwar vor allem dann, wenn man sich jedes Jahr immunisieren lässt.

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