Auf 599 Arbeiter kommt ein Millionär

NGG warnt vor sozialer Schieflage im Landkreis

Die einen müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Die anderen haben Millionen davon: Wer wie
viel Geld hat, ist im Nürnberger Land ziemlich unterschiedlich.
Die einen müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Die anderen haben Millionen davon: Wer wie viel Geld hat, ist im Nürnberger Land ziemlich unterschiedlich. | Foto: NGG/Nils Hillebrand2026/04/Jeder-Euro-zaehlt.jpg

NÜRNBERGER LAND - Vor der eigenen Haustür treffen Welten aufeinander: Es gibt 95 Einkommensmillionäre im Landkreis Nürnberger Land. Gleichzeitig haben 57.000 Menschen einen Job - sie arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung, um ihr Geld zu verdienen. Damit kommen im Landkreis Nürnberger Land 599 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Menschen, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Nürnberger Land hin. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik und der Arbeitsagentur.

„Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Regina Schleser. Die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage im Kreis“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen.

„Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im Gold-Statuslevel leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Schleser.

Die Gewerkschafterin appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten aus dem Nürnberger Land und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Schleser: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.

Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Schleser. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern.

Die heimischen Bundestagsabgeordneten müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Nürnberg-Fürth Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder

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