2751 Unterschriften und Hunderte Einwände

Juraleitung: BN und die Stadt Altdorf äußern ihre Kritik in Ansbach

Vertreter des Bund Naturschutz, der BI Stromautobahn sowie der Stadt Altdorf haben am Mittwoch fast 3000 Unterschriften an die Regierung von Mittelfranken übergeben.
Vertreter des Bund Naturschutz, der BI Stromautobahn sowie der Stadt Altdorf haben am Mittwoch fast 3000 Unterschriften an die Regierung von Mittelfranken übergeben. | Foto: Bund Naturschutz2025/12/Altdorf_BN_Unterschriften_Juraleitung_in_Ansbach_.jpg

NÜRNBERGER LAND – Ein Signal aus der Bevölkerung hat am vergangenen Mittwoch die Regierung von Mittelfranken erreicht: Der Bund Naturschutz (BN) hat am Nachmittag 2751 Unterschriften gegen den geplanten Ersatzneubau der 380-kV-Hochspannungsleitung (Juraleitung P53, Abschnitt A-Ost) übergeben.

Die Unterschriften sind Teil einer umfangreichen Sammeleinwendung, die der Verband zusammen mit seiner fachlichen Stellungnahme an der Pforte der Bezirksregierung in Ansbach einreichte. Die hohe Beteiligung von fast 3000 Bürgern verdeutliche den breiten Rückhalt für die Kritik des BN an dem Großprojekt, heißt es in einer Stellungnahme der Umweltschützer.

Demnach sollen in der vorliegenden Planung über 20 Hektar Wald – darunter knapp zwölf Hektar streng geschützter Bannwald im Nürnberger Reichswald – dauerhaft gerodet werden. Hinzu kämen massive Eingriffe in das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Schwarzachschluchten.

In Ansbach vor Ort waren nicht nur Vertreter der Bürgerinitiative Stromautobahn und Aktive des Bund Naturschutz, sondern auch Horst Topp, Zweiter Bürgermeister von Altdorf, sowie Bernhard Dotzer, der Bauamtsleiter der Stadt Altdorf. Sie haben über 100 Einzelstellungnahmen der Bürger überreicht und die Auswirkungen der Planung vor allem für die Bewohner von Ludersheim beklagt.

Kritik von Bürgermeister Tabor

Die umfassende Einwendung der Stadt Altdorf gegen die geplante Stromtrasse fuße auf verschiedenen Experten-Gutachten, unter anderem zu den Themen Lärmschutz und Alternativrouten, betont auch Altdorfs Bürgermeister Martin Tabor. Der Rathauschef sieht sich darin erneut bestätigt und führt aus: „Es ist wirtschaftlich wie technisch nicht nachvollziehbar, warum man mit der Trasse durch das Nadelöhr bei Altdorf möchte, wenn sich doch andere Trassenverläufe förmlich aufdrängen.“

Jonas Kaufmann, BN-Regionalreferent für Mittelfranken, betont, dass der Reichswald die grüne Lunge der Metropolregion Nürnberg sei. Dass 2751 Menschen ihre Unterschrift unter die BN-Einwendung gesetzt haben, zeige, dass sich die Bürger die Zerstörung dieses wertvollen Ökosystems nicht gefallen lassen würden – erst recht nicht, wenn technische Alternativen gar nicht geprüft würden. „Die Planungen zeigen eine erschreckende Sorglosigkeit im Umgang mit unserem Wald. Der Bannwaldschutz muss endlich konsequent umgesetzt werden – ohne immer neue Ausnahmen“, erklärt Kaufmann weiter.

Amphibienpopulationen gefährdet

Im Fokus der Kritik steht auch das geplante neue Umspannwerk bei Ludersheim. Laut BN würde der Bau eine der größten Amphibienpopulationen im Landkreis mit rund 2500 Tieren in der Bauphase massiv gefährden. Zudem sei ein überregional bedeutsamer, rund 80 Jahre alter Bestand der seltenen Flatterulme (Rote-Liste-Art) durch Rodung und Grundwasserabsenkung bedroht.

„Es macht mich betroffen, dass hier wertvolle Lebensräume für streng geschützte Arten geopfert werden sollen, obwohl Alternativen existieren“, sagt Miranda Bellchambers, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land, und ergänzt: „Die fehlende Prüfung platzsparender Technologien wie gasisolierter Schaltanlagen für das bestehende Umspannwerk ist ein schweres Versäumnis. Wir fordern die Regierung von Mittelfranken auf, diese Alternative ernsthaft zu prüfen und den Waldverlust auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.“

Unzureichende Ausgleichsmaßnahmen

Der BN kritisiert auch die unzureichenden Ausgleichsmaßnahmen: Ein flächengleicher Ersatz für den Bannwaldverlust sei nicht vorgesehen. Der Aufwuchs unter der Trasse bliebe dauerhaft auf Niederwald beschränkt und könne die ökologischen Funktionen eines ausgewachsenen Waldes nicht erfüllen.

„Wir haben den gesamten Trassenverlauf in unserem Ortsgebiet Altdorf-Winkelhaid-Ludersheim kartiert und sind erstaunt über die mangelhaften Angaben in den Planungsunterlagen. Der Mast 192 wird direkt in eine Quelle gesetzt und das neue Umspannwerk wird ebenfalls in ein Feucht-Gebiet geplant. Erschreckend ist auch die Sorglosigkeit der Planung in Bezug auf den Schutz des Menschen speziell in Ludersheim“, erläutert Hans-Dieter Pletz, Erster Vorsitzender des BN Altdorf/Winkelhaid.

Info: Die Regierung von Mittelfranken ist als Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde für das Verfahren zuständig und muss nun die eingegangenen Einwendungen prüfen.

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